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	<title>Reformierte Stadtkirche Wien</title>
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	<description>Website der Evangelischen Pfarrgemeinde H.B. Wien Innere Stadt - in Entwicklung</description>
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	<title>Reformierte Stadtkirche Wien</title>
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		<title>10. Mai 2026 „Ein Tag ist nicht genug!“</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 May 2026 14:10:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[Gottesdienst der Konfirmand:innen der Reformierten Stadtkirche Zum Thema: Feminismus EINGANGSGEBETE Vater im Himmel! Hilf uns, unsere Zeit nicht zu verschwenden, denn wir haben nicht so viel. Wir haben nur etwa [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Gottesdienst der Konfirmand:innen der Reformierten Stadtkirche</p>



<p>Zum Thema: Feminismus</p>



<span id="more-7300"></span>



<p><strong>EINGANGSGEBETE</strong></p>



<p>Vater im Himmel!</p>



<p>Hilf uns, unsere Zeit nicht zu verschwenden, denn wir haben nicht so viel. Wir haben nur etwa 30.000 Tage zu leben, wir wollen keine davon verschwenden. Mit Sozialen Medien verschwenden wir mehr als 1.000 Tage davon. Gleichzeitig beklagen sich viele Menschen, dass sie keine Zeit haben, um ihre Hobbys auszuüben. Zeige ihnen den Weg zu mehr Zeit zu kommen und diese gewonnene Zeit dann auch weise zu nutzen. Bitte hilf uns, dass im Hinterkopf zu behalten und jeden Tag wie unseren letzten zu leben.</p>



<p>Lieber Vater, Danke für die Zeit, die wir haben. Auch wenn sie nicht unendlich ist, sollten wir uns nicht beklagen, weil egal in welcher Zeit ob in der besten Sekunde oder in der schlechtesten Stunde, du Vater, bist immer bei uns. Danke Vater, dass du uns Zeit schenkst, in der wir dich immer um Rat bitten können, uns immer bei dir bedanken können und wir immer um etwas bitten können.</p>



<p>Lieber Gott! Ich danke dir, dass du mich durch mein bisheriges Leben geführt hast. Danke, dass du mit uns durch alle Zeiten gehst. Auf diesem Weg habe ich viel dazu gelernt. Die Vergangenheit und die Gegenwart zeigen mir, was für mich wichtig ist. In der Zukunft will ich natürlich auch noch viel lernen erreichen und durch deine helfende Hand werde ich das auch bewältigen.</p>



<p>Lieber Gott, danke für meine Familie, meine Freunde, meine Bildung und meine Gesundheit. Ich bin dir jeden Tag dankbar dafür. Ich danke dir auch für all die Zeit, die ich mit der Familie und Freund*innen verbringen darf. Für die Zeit ohne Angst zu verhungern. Ich danke dir auch für die ganze Zeit, Sport betreiben zu dürfen und in die Schule gehen zu dürfen. Bitte schenke auch den Menschen, denen es gerade schwerfällt, Hoffnung, Kraft und Momente der Freude, damit auch sie ein Lächeln auf ihrem Gesicht tragen können.</p>



<p>Lieber Gott, Warum ist Zeit so wichtig? Durch Zeit entstehen viele Erinnerungen. Aber warum sind trotzdem noch so viele Menschen am Handy anstatt mit ihren Liebsten Zeit zu verbringen und Erinnerungen zu schaffen? Zum Beispiel verbringen Kinder und wir Jugendlichen mehr Zeit am Handy als mit Familienmitgliedern Spiele zu spielen. Ich selber bin oft am Handy und könnte stattdessen mit meiner Familie reden oder Spiele spielen. Ich bitte dich, hilf den Menschen zu erkennen, wie wertvoll die Zeit ist und dass sie mehr Zeit mit ihren geliebten Menschen verbringen.</p>



<p>Lieber Gott, wir danken dir dafür, dass wir in dieser schweren Zeit trotzdem Zeit für Familie und das gemeinsame am Tischsitzen finden. Danke, dass wir trotz dieser schweren Zeit noch Platz finden für Freund*innen, dass wir mit ihnen rausgehen und Sachen unternehmen können. Danke, dass wir in dieser schweren Zeit auch Zeit finden für Ruhe und um einfach mal entspannen zu können. AMEN</p>



<p>&nbsp;„Für uns bedeutet Feminismus, dass man der Meinung ist, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollen und niemand über jemand anderem steht. Alle sollen die gleichen Chancen haben.“</p>



<p><strong>Predigt Teil 1 Jasmin Baumgartner</strong></p>



<p>Lieben hat seine Zeit. Hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit. Friede hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit, geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.   (aus Prediger 3)</p>



<p>Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre? (Hiob 10,5)</p>



<p>Es kommt die Zeit, in der hier kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Alles, was ihr jetzt seht, wird nur noch ein großer Trümmerhaufen sein. &nbsp; (Lukas 21,6)</p>



<p>Alles und alle sind der Zeit und dem Zufall ausgeliefert. &nbsp;&nbsp;&nbsp; (Pred 9,11)</p>



<p>Alles braucht seine Zeit. Und alles endet. Und etwas Neues beginnt, das wieder endet. Zeit gehört zu den wenigen Dingen, die niemand festhalten kann, die wir nicht stoppen können, auf die wir keinen Einfluss haben, egal was man tut. Jeder Tag vergeht, jede Jahreszeit verändert sich, und auch wir selbst bleiben nie ganz dieselben. Manchmal macht uns das Angst. Wir wünschen uns Sicherheit, Beständigkeit und Kontrolle. Doch die Bibel erinnert uns daran: Veränderung ist kein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat. Oft ist sie gerade der Ort, an dem Gott wirkt.</p>



<p>Im Buch des Predigers heißt es: <strong>„Alles hat seine Zeit.“ </strong>Aufbruch und Abschied. Kommen und Gehen. Doch wir müssen uns nicht fürchten, denn Gott führt uns nicht immer auf geraden und einfachen Wegen, aber er geht jeden Abschnitt unseres Lebens mit uns. Auch Jesus zeigt uns, dass Veränderung zum Glauben gehört. Menschen, die ihm begegneten, blieben nicht dieselben. Aus Angst wurde Mut, aus Schuld wurde Hoffnung, aus Zweifel wurde Vertrauen. Der Glaube bedeutet nicht, stehen zu bleiben, sondern sich von Gott verwandeln zu lassen. Gerade in unserer schnellen Welt spüren viele Menschen Druck und Unsicherheit. Doch unser Halt liegt nicht darin, dass alles gleich bleibt.</p>



<p>Unser Halt liegt darin, dass Gott derselbe bleibt — gestern, heute und in Ewigkeit. Egal was wir tun, wie wir werden und was passiert, er wird uns nie verlassen. Darum dürfen wir der Zukunft mit Vertrauen begegnen. Die Zeit verändert vieles, aber Gottes Liebe trägt uns durch jede Veränderung hindurch. Zeit verändert alles. Menschen, Gesellschaften, Gedanken und auch die Kirche bleiben nie vollkommen gleich. Und oft macht uns genau das Angst. Veränderung bedeutet Unsicherheit. Das Vertraute beginnt zu wanken, und wir fragen uns: „Was bleibt denn noch?“ Doch Angst vor Veränderung begleitet die Menschen schon seit biblischen Zeiten. Immer wieder wollten Menschen am Alten festhalten, während Gott sie weiterführte. Abraham musste seine Heimat verlassen. Die Jünger mussten lernen, alte Vorstellungen loszulassen.</p>



<p>Und auch wir stehen heute vor Veränderungen, die uns herausfordern. Doch Stehenbleiben ist keine Option. Angst vor Veränderung ist normal, doch denken Sie daran, was manche schaffen, indem sie diese Angst überwinden. Auch gesellschaftliche Entwicklungen wie der Feminismus lösen Diskussionen und Unsicherheit aus. Doch hinter dem Wunsch nach Gleichberechtigung steht auch ein zutiefst christlicher Gedanke: dass jeder Mensch von Gott geschaffen ist und dieselbe Würde besitzt. Schon in der Bibel steht, alle Menschen sind gleich. Alle haben ein Recht auf Leben. Wenn es doch schon dort geschrieben ist, was hält uns noch an den alten Formen? Gott liebt uns alle gleich und die Bibel erinnert uns daran, dass er den Menschen nicht nach Macht oder Geschlecht bewertet, sondern nach dem Herzen. Das bedeutet nicht, dass jede Veränderung leicht ist oder dass wir keine Fragen stellen dürfen.</p>



<p>Aber der Glaube ruft uns dazu auf, Veränderungen nicht zuerst mit Angst, sondern mit Offenheit, Weisheit und Vertrauen zu begegnen. Denn unser Fundament ist nicht eine unveränderte Welt. Unser Fundament ist unser Glaube. Der Glaube, der uns alle verbindet und der Glaube daran, dass Gott uns führen wird. Menschen ändern sich, Zeiten ändern sich, doch Gottes Schutz bleibt bestehen. Und vielleicht liegt gerade darin Trost: Dass wir nicht alles festhalten müssen, weil Gott uns auch durch unbekannte Wege begleitet.</p>



<p><strong>Predigt 2. Teil von Sophie Grandpierre</strong></p>



<p><strong>Mental Load &amp; Care Arbeit</strong></p>



<p>Wann ist der nächste Termin? Um wie viel Uhr muss ich da sein? Wann beginnt mein Fußballtraining? Was essen wir heute? Kannst du mir dabei helfen? Wie fahr ich am besten dort hin? All diese Fragen, würde ich eher meiner Mutter stellen als meinem Vater. Und ich glaub damit bin ich nicht allein. Oft ist es ganz selbstverständlich, dass die Mutter den Überblick hat. Dass sie weiß, was ansteht. Dass sie plant, organisiert, sich kümmert. Vieler dieser Dinge sieht man gar nicht sofort. Sie passieren im Kopf. Nebenbei. Heutzutage nennt man das „Mental Load“. Also die ganze Arbeit, die wir nicht sehen &#8211; aber da ist. Unbewusste Fragen, die wir einer bestimmten Person stellen und von ihr eine Antwort erwarten.</p>



<p>Wer kauft ein? Wer denkt an Geburtstage? Es sind kleine Dinge. Aber man kann sie nicht einfach abhaken. Und genau das macht es so anstrengend. Und wenn wir ehrlich sind, wird diese Last eher von Frauen getragen. Nicht nur im Alltag, nein, sondern auch unsere Gesellschaft hat viele Erwartungen an Frauen. Sie sollen sich kümmern. Sie sollen glücklich sein. Sie sollen unterstützen. Sie sollen Entscheidungen treffen.</p>



<p>Ich würde jetzt mal einen Blick in die Entstehungsgeschichte von Adam und Eva werfen. Wenn wir an Adam denken, dann haben wir Adam von den Augen, der durch Eva in die verbotene Frucht gebissen hat. Und bei Eva, denken wir an die Frau, die der verbotenen Frucht nicht widerstehen konnte und Adam angestiftet hat, sie zu essen. Da sehen wir schon, dass Eva als die „Böse“ und „Hinterlistige“ dargestellt wird und Adam als der Unschuldige. &nbsp;Wie ist es in der Bibel zu verstehen? Dort steht:</p>



<p style="font-style:italic;font-weight:400">(1. Mose, 3, 1-14)</p>



<p style="font-style:italic;font-weight:400">„Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu Eva: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?</p>



<p style="font-style:italic;font-weight:400">Da sprach Eva zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:</p>



<p style="font-style:italic;font-weight:400">Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zu Eva: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und Eva sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab Adam, der bei ihr war, auch davon und er aß. &nbsp;Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.</p>



<p style="font-style:italic;font-weight:400">Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit Eva vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?</p>



<p style="font-style:italic;font-weight:400">Da sprach Adam: Eva, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zu Eva: Warum hast du das getan? Eva sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.“</p>



<p>Man kann es auch so sehen, dass die Schlange Eva nicht betrogen hat, sondern ihr eine neue Perspektive gezeigt hat. Denn dadurch, dass sie einen Biss von der Frucht gegessen hat, hat Eva das „Gute“ und das „Böse“ entdeckt. Das Leben. Hass. Neid. Eifersucht. Leid. Scham. Aber auch Freude. Glück. Hoffnung. Zuversicht. Und Liebe. Ist das eigentlich nicht wundervoll? Und warum ist Eva meistens schuld? Eva stellt Fragen. Sie ist neugierig. Sie will verstehen. Eigentlich sind das Eigenschaften, die wir heute gut finden, oder? Und Adam? Adam ist genauso da. Er trifft genauso eine Entscheidung. Trotzdem wird die Schuld oft an Eva geschoben. Vielleicht zeigt sich hier ein Muster, dass wir auch heute noch kennen. Dass Frauen schneller bewertet werden. Dass mehr von ihnen erwartet wird. Und dass ihnen schneller Fehler zugeschrieben werden. Heutzutage gibt es ein Wort, das für mich genau das NICHT bedeutet: Feminismus. Feminismus bedeutet für mich nicht, dass Frauen besser sind als Männer. Auch nicht, dass es darum geht, Männer zu kritisieren. Feminismus bedeutet für mich, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen. Und vor allem bedeutet es, dass wir hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind.</p>



<p>Warum wird von Frauen erwartet, sich um alles zu kümmern? Warum es „normal“ ist, dass sie die Verantwortung im Kopf tragen? Und warum fällt es uns oft gar nicht auf? Care-Arbeit ‒ also sich um andere kümmern ‒ ist unglaublich wichtig. Aber sie sollte nicht unsichtbar sein. Und sie sollte nicht einfach automatisch bei Frauen landen. Ich finde, wenn wir an Gott glauben, dann glauben wir, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Das bedeutet auch: Verantwortung sollte geteilt werden. Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, wer damals schuld war. Sondern darum, wie wir heute miteinander umgehen. Wer trägt Verantwortung? Wer kümmert sich? Wer denkt an alles? Und vor allem: Warum ist es oft immer noch dieselbe Person?</p>



<p>Wenn wir wirklich glauben, dass jeder Mensch gleich wertvoll ist, dann darf Verantwortung nicht einseitig sein. Dann bedeutet das: hinschauen. hinterfragen. Und verändern. Denn niemand sollte das Gefühl haben, alles allein tragen zu müssen. Und vielleicht beginnt Veränderung genau hier: Nicht bei großen Worten. Sondern bei kleinen Fragen im Alltag. Und vielleicht darin, wer sie beantwortet.</p>



<p><strong>Predigt 3. Teil&nbsp; von Constantin Resl</strong></p>



<p>Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wie der Feminismus früher war? Wahrscheinlich nicht. Ich versuche Ihnen einen Überblick über die frühere und heutige Zeit verschaffen.</p>



<p>Vor dem 1. Weltkrieg durften Frauen weder wählen, noch studieren und waren rechtlich vom Ehemann abhängig. Diese Rollenverteilung spiegelt sich auch in verschiedenen Bibelversen nieder. So schrieb Apostel Paulus in seiner Gefangenschaft im Epheserbrief [Epheser 5,22]: <em>„Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau.“</em> Und im Korinther 14,34 steht: <em>„(es) </em><em>sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.“</em></p>



<p>Heute sind Frauen und Männer vor dem Gesetz gleichberechtigt. Das Wahlrecht, das Recht auf Bildung und die freie Berufswahl sind mittlerweile selbstverständlich. Trotzdem ist Gleichstellung im Alltag nicht vollständig erreicht.</p>



<p>Heutzutage geht es vor allem Fairness. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit oft weniger als Männer. Diskriminierung durch Dienstgeber ist gesetzlich verboten. Aber wenn Frauen den Großteil der Hausarbeit, Kinderbetreuung und die Pflege von kranken Familienmitgliedern unentgeltlich übernehmen, ist es naheliegend, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, welche sich vollständig auf ihre berufliche Karriere fokussieren können. Die moderne Frau, welche in jeder Beziehung gleiche Rechte fordert, steht aber nicht im Gegensatz zur Bibel. Die Bibel unterstützt, die gleichberechtige Frau an vielen Stellen. Im ersten Buch Mose steht:  <em>„Und Gott schuf den Menschen als sein Bild&#8230; als Mann und Frau schuf er sie.&#8220;  Beide besitzen die gleiche Würde vor Gott.“</em> Und im Galaterbrief steht: <em>&#8222;Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus.&#8220;</em> Dies betont die absolute Gleichheit im Glauben. Und im Buch der Sprüche im Kapitel 31 wird eine Feministin, eine starke eigenständige Frau beschrieben: <em>„Kraft und Würde sind ihr Gewand, und sie lacht des kommenden Tages.“ </em>Die reformierte Kirche hat sich für eine moderne Interpretation der Bibel eingesetzt. In der Grundsatzerklärung unserer Kirche steht: <em>„Jesus Christus hat eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern mit gleichen Rechten und Pflichten gestiftet. Darum hat die Kirche in ihrer Ordnung und in ihrem Handeln die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten und für sie einzutreten. Niemand darf wegen seiner Herkunft oder seines Geschlechtes benachteiligt werden.“</em></p>



<p>Ich finde man sollte auf jeden Fall etwas gegen die Benachteiligung von Frauen unternehmen. Und es gibt Menschen mit einer anderen Meinung. Wichtig ist, dass man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Oder was denken Sie darüber?</p>



<p><strong>Predigt Teil 4 von Arno Hobusch</strong></p>



<p>Eine einzelne Meinung nützt eh nichts! Wozu sie dann beibehalten, wenn der Preis dafür vielleicht der Ausschluss aus deiner liebsten Gemeinschaft, dem Freundeskreis oder der Familie ist? Doch dahinter steckt viel mehr als das. Viele, vor allem unsichere, jüngere Personen, gibt es, die sich, bevor sie etwas sagen, einmal umsehen, wofür sich die anderen aussprechen. Oder sie trauen sich gar nicht, sich zu melden aus Angst vor jeglicher Kritik. Doch was soll passieren? Wenn du in dieser Gruppe mit deiner Meinung nicht akzeptiert wirst, ist sie es dann wert, dass du an ihr festhältst? Individuelle Meinungen sind für unsere Gemeinschaften und ihren Erhalt so wichtig. Stellen wir uns einmal eine konkrete Situation vor, die es so schon oft gegeben hat. Alltägliche Fehlentscheidungen von Politikerinnen und Politikern kommen zustanden, weil kritische Stimmen fehlen, und genau an diesem Punkt kommen ihre individuellen Meinungen und Standpunkte ins Spiel.</p>



<p>Passend dazu heißt es im Zweiten Buch Mose 23,2: <em>„</em><strong><em>Folge nicht der Mehrheit</em></strong><em>, wenn sie im Unrecht ist! Musst du vor Gericht aussagen, sollst du <strong>nicht der Mehrheit</strong> nach dem Mund reden und so ein gerechtes Urteil verhindern.</em> Damit komme ich zu einer Geschichte einer jüdischen Frau in den USA. Sie hatte mehrfach Schwierigkeiten. Erstens wegen ihres Geschlechts und zweitens wegen ihrer Religion. Beides machte es für sie schwer, ihre Traumstelle als Anwältin zu bekommen. Sie setzte sich trotz heftigsten Gegenwindes für die Gleichstellung von Mann und Frau ein. Und weil sie ihre Meinung beibehalten hat, hat sie dadurch weltweit Frauen geholfen. Sie wurde zu einer Art Idol für junge und alte Frauen und Männer. Diese tapfere Frau ist unzähligen vorangegangen. Sie heißt Ruth Bader Ginsburgh. Und so wie sie gibt es noch viele andere mutige Menschen, die unsere Welt immer weiterbringen.</p>



<p> Das ist der Grund für die Wichtigkeit einer jeden individuellen Meinung und den Kampf dafür, die es in unserer Gesellschaft braucht. Gerade beim Thema FEMINISMUS erleben wir oft, wie schnell Meinungen laut werden, wie schnell geurteilt wird, wie rasch man in Schubladen gesteckt wird. Doch die Frage, die wir uns stellen sollten, lautet nicht: „Was sagen die anderen?“, sondern wir sollten uns fragen: „Was ist gerecht?“ Das merkt man vor allem in Kreisen von Buben und Männern. Und ja es mag unbequem sein, diese oder jene Haltung beizubehalten. Manchmal wird man missverstanden oder sogar ausgelacht und gemobbt. Doch Überzeugungen, die auf der Frage nach Gerechtigkeit beruhen, sind keine Modeerscheinungen. Sie sind ein Ausdruck unseres Charakters. Also es zählt nicht die Sicht der anderen. Es ist nicht gut für dein Gewissen und nicht gut für unsere Gemeinschaft. Und auch bei Hindernissen und bei Gegenwind ist das Einzige, was zählt, deine Meinung und die Tiefe deiner Handlungen. Unsere Individualität schweißt uns zusammen und macht diese Welt lebenswert.</p>



<p><strong>GEMEINSCHAFTSGEBET</strong></p>



<p>Lieber Gott! Über dieses Thema müssen wir uns einfach beklagen: Ungleichheit. Seit Wochen beschäftigt uns die soziale Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Wie kann es sein, dass sich Millionen oder Milliarden Menschen den Kopf zerbrechen oder gar nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht, weil sie sich alleine um die Bedürfnisse anderer kümmern müssen?</p>



<p>Wie kann es sein, dass sich Menschen beschweren, ohne den Hintergrund anderer zu kennen? Wieso sind die Rollen so unfair verteilt? &nbsp;Wie kann es sein, dass Frauen den Haushalt meist alleine machen? Gott, wir verstehen diese Ungerechtigkeit einfach nicht. Bitte hilf uns, gute Ideen zu finden, um diese Probleme zu lindern und zu lösen. &nbsp;Bitte hilf uns, die Gerechtigkeit herzustellen. &nbsp;Bitte hilf uns, selbst zu einer Veränderung beizutragen und andere bei Veränderung zu unterstützen und sie dazu zu bewegen.</p>



<p>Bitte hilf uns, eine Gemeinschaft zu sein und zusammen etwas zu bewirken.</p>



<p>Lieber Gott! Warum haben viele Menschen nicht den Mut, anderen zu helfen, die es brauchen? Uns beschäftigt es immer wieder, dass Menschen nicht den Mut haben sich gegen andere zu wehren. Wieso, Vater, haben die Zeug*innen in einer schwierigen Situation nicht den Mut oder die Kraft, den Opfern zu helfen und beizustehen? Deshalb bitten wir dich, schenke den Unterdrückten mehr Hoffnung und denen, die helfen wollen, mehr Mut und Kraft.</p>



<p>Lieber Gott, wir bitten dich um Mut in Entscheidungsfällen, um die richtige Antwort zu wählen. Wir bitten dich um Mut in schweren Zeiten und dass du uns als leitende Hand den Weg zeigst. Wir bitten dich um Mut bei Schulprüfungen, damit wir selbstbewusst die Antwort wählen. Wir bitten dich um Mut in Situationen von Ungerechtigkeit, um diese Ungerechtigkeiten auszugleichen. Wir bitten dich um Überwindungskraft, um hinter unseren Werten zu stehen und diese zu verteidigen.</p>



<p>Lieber Vater! Gib uns den Mut für andere einzustehen und uns für uns selber einzusetzen. Gib uns die Kraft, über unseren Schatten zu springen und etwas Neues zu versuchen, um uns selbst zu finden. Gib uns den Willen, Freunde zu finden und vor keinem noch so groß scheinenden Hindernis zu verzagen.</p>



<p>AMEN</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>3. Mai 2026 „Wenn der gute Wille da ist, dann ist jeder willkommen.“</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/03/3-mai-2026-wenn-der-gute-wille-da-ist-dann-ist-jeder-willkommen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:11:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[Psalm 98, 2 Korinther 8, 7-15 von Harald Kluge Psalm 98 &#160; Freut euch mit uns Gott hat uns befreit! Ein Lied. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Psalm 98, 2 Korinther 8, 7-15 von Harald Kluge</p>



<span id="more-7287"></span>



<p><em><strong>Psalm 98 &nbsp; Freut euch mit uns Gott hat uns befreit!</strong> Ein Lied. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat Wunder getan! Der heilige Gott hat den Sieg errungen durch seine gewaltige Kraft. Alle Völker konnten sehen, wie der HERR befreit, seine Gerechtigkeit hielt er der Welt vor Augen! Er erfüllte das Versprechen, seinem Volk gnädig und treu zu sein. Bis in die fernsten Länder ist die Nachricht gedrungen: »Gott hat Israel gerettet!« Jubelt dem HERRN zu, ihr Menschen auf der Erde! Preist ihn mit Liedern, singt und jubelt laut vor Freude! Lasst für ihn die Saiten der Harfe erklingen und erfreut den HERRN mit eurem Gesang! Trompeten und Hörner sollen für Gott, euren König, erschallen! Das Meer mit allem, was in ihm lebt, soll zu seiner Ehre brausen und tosen! Die ganze Welt soll in Jubel ausbrechen! Ihr Flüsse, klatscht in die Hände; ihr Berge, preist unseren HERRN, denn er kommt, um die Welt zu richten. Sein Urteil über die Völker ist unbestechlich und gerecht. </em></p>



<p><em><strong>2 Korinther 8, 7-15 „Mit anderen teilen“</strong> Ihr seid durch so vieles überaus reich beschenkt: durch euren Glauben, durch Worte, die der Heilige Geist euch schenkt, durch das Verständnis der Botschaft Gottes, euren Einsatz für den Herrn und die Liebe, die wir in euch geweckt haben. Lasst diesen Reichtum nun auch sichtbar werden, indem ihr der Gemeinde in Jerusalem helft. Natürlich will ich euch nichts befehlen. Aber angesichts der Opferbereitschaft der anderen würde ich gern sehen, wie echt eure Liebe ist.&nbsp;Ihr wisst ja, was unser Herr Jesus Christus in seiner Liebe für euch getan hat: Er war reich und wurde doch arm, um euch durch seine Armut reich zu machen. Nach meiner Meinung kann es nur gut für euch sein, wenn ihr die Sammlung durchführt. Ihr habt sie euch ja im vorigen Jahr vorgenommen und auch schon damit begonnen. Jetzt solltet ihr die Sache zu Ende bringen, damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt. Gebt so viel, wie es euren Möglichkeiten entspricht! Wenn nämlich der gute Wille da ist, dann ist jeder willkommen mit dem, was er hat, und man fragt nicht nach dem, was er nicht hat. Denn es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft; es geht um einen Ausgleich.&nbsp;Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss einmal eurem Mangel abhilft. So soll ein Ausgleich entstehen,&nbsp;wie es in der Schrift heißt: „Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig, hatte nicht zu wenig.“ </em></p>



<p><em>Liebe Gemeinde! Liebe Sängerinnen und liebe Sänger!</em></p>



<p><em>„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Das hat uns der Psalm 98 heute zugerufen. Wir alle wissen, dass Singen mehr ist als nur Töne treffen – oder es zumindest zu versuchen. Was ich nicht sagen will, kann ich mit Singen ausdrücken. Das Singen war und ist und bleibt immer ein Protest gegen die Hoffnungslosigkeit.</em></p>



<p><em>In der Bibel sind es nicht nur die Menschen, die singen. Hier jubelt und singt die gesamte Schöpfung. Und physikallisch gesehen ist es ja auch so, dass alles schwingt, die gesamte &nbsp;Materie existiert allein durch die in ihr vorhandenen Schwingungen. Deshalb singt das Meer, weil es braust, die Ströme singen, weil sie in die Hände klatschen, die Berge singen, weil sie frohlocken.</em></p>



<p><em>Es ist der Sound der Natur, den wir hier in der Großstadt nur leise und selten durch all die Kakophonien hören können.</em></p>



<p><em>Aber wir hören es beim Zwitschern und Singen der Vögel, die auch hier in den Ranken an unserem Gebäude ihre Nester gebaut haben und bauen werden. Wir hören es beim Sausen des Windes und im Sturm und hoffentlich bald auch im Platschen und Klatschen der Regentropfen auf den Dächern.</em></p>



<p><em>Wir hören die Schöpfung jubeln, wenn ein Wal, der auf Grund gelaufen war, nach Wochen der Anstrengungen wieder frei in die Ozeane losschwimmen kann.</em></p>



<p><em>Wer ein Leben rettet, rettet die gesamte Art. Weil sie und er zeigen, dass wir Anstrengungen unternehmen und nicht einfach nur beim Sterben zuschauen wollen.</em></p>



<p><em>Jubel und Singen und Klatschen und Musizieren wir. Warum?</em></p>



<p><em>Weil Gott kommt. Das allein ist schon eine tolle Botschaft. GOTT bleibt nicht fern, unberührt, sodnern GOTT kümmert`s, was hier passiert.</em></p>



<p><em>GOTT kommt, um das Erdenreich zu richten, die Erdenreiche zu bewerten. Welche Reiche entsprechen am ehesten den Vorstellungen des gnädigen und liebenden GOTTES? Reiche, die allein auf Kraft und Macht und Waffen und Drohgebärden setzen? Oder nicht eher Reiche, in denen man sich anstrengt, einen gerechten Ausgleich zu schaffen, zwischen denen, die ausreichend und jenen, die zu wenig haben.</em></p>



<p><em>Und darauf geht der Apostel Paulus, einst als Saulus ein gewalttätiger Verfolger der Christengemeinden und dann als Paulus ein glühender Verfechter der frohen Botschaft, des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus.</em></p>



<p><em>Wie klingt dieses „neue Lied“, von dem wir in den Psalmen hören im Alltag? Paulus wird im zweiten Korintherbrief da schon sehr konkret. Er schreibt über eine Kollekte, eine Spendensammlung für die damals arg gebeutelte arme christliche Gemeinde in Jerusalem.</em></p>



<p><em>Übrigens geht es den christlichen Gemeinden und Kirchen in Jerusalem derzeit auch wieder eher schlecht. Der Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem </em><em>&nbsp;Benediktinerpater Nikodemus Schnabel sagt</em><em>: </em><em>„Meine Sorge ist, dass das Heilige Land zu einer Art ‚christlichem Disneyland‘ werden könnte.“</em></p>



<p><em>Grund dafür sind die Anfeindungen und der dadurch erzeugte Druck für Christinnen und Christen, Jerusalem und Israel zu verlassen. Es gebe Anspucken auf offener Straße, Vandalismus, Brandstiftung, Schändung und Hassgraffiti.&nbsp;</em></p>



<p><em>Der Benediktiner Nikolaus Schnabel verwies darauf, dass viele Christen im Heiligen Land weder in der israelischen noch in der palästinensischen nationalen Erzählung als zugehörig wahrgenommen werden. Vor dem Hintergrund wachsender Polarisierung bekräftigt Schnabel die Haltung der Kirchen vor Ort:</em></p>



<p><em>„Wir sind weder proisraelisch noch propalästinensisch, sondern pro Mensch.“</em></p>



<p><em>Die Gemeinde in Jerusalem war und ist eine Gemeinde mit einer einzigartigen Geschichte und damals vor 2000 Jahren hat sie Geld benötigt, da viele der Anhänger des Glaubens an Jesus nicht zu den finanzstarken Einwohnerinnen und Einwohnern gezählt haben.</em><em></em></p>



<p><em>Sie können mir jetzt gerne vorwerfen, die Zusammenschau von Psalm 98 und dem Text aus dem Korintherbriefsei schon arg divergierend: Da der kosmische Jubel eines Psalms, dann die Buchhaltung einer Gemeinde, wie wir sie heute auch machen müssen.</em></p>



<p><em>Für Paulus gehören der Jubel und die Buchhaltung zusammen. Er schreibt:</em></p>



<p><em>„7&nbsp;Ihr seid durch so vieles überaus reich beschenkt: durch euren Glauben, durch Worte, die der Heilige Geist euch schenkt, durch das Verständnis der Botschaft Gottes, euren Einsatz für den Herrn und die Liebe, die wir in euch geweckt haben. Lasst diesen Reichtum nun auch sichtbar werden, indem ihr der Gemeinde in Jerusalem helft.“</em><em></em></p>



<p><em>Ein neues Lied zu singen bedeutet, wir können den Rhythmus der Welt verändern. Und oft meinen wir, im Rhythmus klingt das so: „Jeder für sich, ich für mich, und Gott gegen alle.“</em></p>



<p><em>Das Lied Gottes aber zielt schon irgendwie auf einen <strong>Ausgleich</strong>.</em></p>



<p><em>Die Einstellung: „Alle sind willkommen“ muss in der Folge auch heißen: „Alle haben genug“.</em></p>



<p><em>Paulus entwirft hier ein damals schon für viele und immer mehr Menschen faszinierendes Modell von Gemeinschaft. Ein Zusammenleben, in dem alle einen Platz haben, Sklavinnen und Sklaven, wie Herren Und Damen des Hauses, Soldaten und Bauersleute, Handwerker und Menschen, die gepflegt werden. Fremde und Einheimische, Männer und Frauen.</em></p>



<p><em>„13&nbsp;Ihr sollt nicht selbst in Not geraten, weil ihr anderen aus der Not helft. Es geht nur um einen gewissen Ausgleich. 14&nbsp;Heute habt ihr so viel, dass ihr ihnen helfen könnt. Ein andermal werden sie euch von ihrem Überfluss abgeben, wenn es nötig ist. Das meine ich mit Ausgleich.“ </em><em></em></p>



<p><em>Wenn wir sagen „Alle sind willkommen und werden akzeptiert“, dann meinen wir nicht nur, dass die Tür offensteht. Wir meinen, dass wir auch das Schicksal und alles, was die Zukunft bringt, gemeinsam anpacken.</em></p>



<p><em>Wer gerade viel hat (an Kraft, an Geld, an Hoffnung), gibt etwas ab.</em> <em>Wer gerade wenig hat, darf empfangen, ohne sich zu schämen.</em></p>



<p><em>Paulus zitiert in dem Zweiten Brief an die Christinnen und Christen in Korinth hier das „Manna-Wunder“ aus dem Alten Testament, Exodus 16.</em> <strong><em>„Wer viel sammelte, hatte keinen Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte keinen Mangel.“</em></strong> <em>Das <strong>Mannawunder</strong> gehört zu einer der eindrücklichsten Erzählungen des Alten Testaments als Geschichte GOTTES mit seinem Volk. In Exodus 16 finden wir bei den Anweisungen, die GOTT Mose und den aus Ägypten geflohenen Hebräerinnen und Hebräern gibt, das spirituelle Rückgrat für das Motiv des Teilens. Und das zitiert Paulus hier ganz bewusst.</em> <em>Das Volk Israel zog damals nach ihrer Flucht vor den Truppen des Pharaos durch die Wüste. Ihre Vorräte sind erschöpft, der Hunger groß, und die Stimmung kippt in Murren und Verzweiflung um. Gott antwortet jetzt darauf nicht mit Strafe, sondern mit Fürsorge: Jeden Morgen nach dem Tauen liegt etwas „Feines, Flockiges“ auf dem Boden, wie Reif. Die Israeliten fragen: „Man hu?“ „Was ist das?“ Daher hat diese Nahrung den Namen <strong>Manna</strong>.</em> <em>Gott knüpft dieses Wunder aber an zwei Bedingungen, die heute noch radikal sind:</em> <strong><em>Es kam täglich neu.</em></strong><em> Manna konnte man nicht horten. Wer versucht, Vorräte für den nächsten Tag anzulegen &#8211; aus Angst, morgen gäbe es nichts mehr -, bei dem verfaulte es und wurde wurmig. Alle mussten lernen, auf das Morgen zu vertrauen.</em></p>



<p><strong><em>GOTT verordnet ein Maß des Bedarfs.</em></strong><em> Alle durften nur so viel sammeln, wie sie zum Essen brauchten. Nicht mehr.</em> <em>Das Entscheidende geschah dann beim Nachmessen. Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel; und wer wenig gesammelt hatte, hatte nicht zu wenig. Es entstand eine <strong>natürliche Gerechtigkeit durch das Teilen</strong>.</em></p>



<p><em>Dieses Manna ist ein echt starkes Symbol, dass wir ins „Brot des Lebens“ unser Vertrauen setzen. GOTT gibt es uns gegen die Angst.</em> <em>In einer Welt, die auf Anhäufung und Absicherung setzt, erinnert uns das Mannawunder daran, dass genug für alle da wäre, wenn wir nicht aus Angst horten würden.</em> <em>Bei Gott sollte es keinen „Überfluss“ auf Kosten anderer geben. Der Reichtum ist in der Bibel nie Selbstzweck, sondern immer eine Ressource, die gut verwaltet sein muss, und zum Ausgleich beitragen soll.</em> <em>Das Manna in der Wüste ist auch das Vorbild für das „tägliche Brot“ im Vaterunser, um das wir bitten. „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Und das Manna hat auch eine Verbindung zum Abendmahl. So wie das Manna, das vom Himmel fiel, ist die Gnade Gottes ein Geschenk, das wir uns nicht verdienen können. Die Gnade und Liebe Gottes liegen aber jeden Tag neu „vor unserer Haustür“.</em> <em>Es wär schön, wenn unsere Stadtkirche sich zu einem „Manna-Ort“ entwickeln würde. Hier am Tisch können wir lernen, dass wir genug haben, wenn wir bereit sind, den Tisch mit anderen zu teilen.</em> </p>



<p><em>Liebe Gemeinde, der Gottesdienst heute am 3. Mai, zwei Tage nach dem Tag der Arbeit, könnten wir als Generalprobe für das Leben da draußen ansehen. Wenn wir gleich das Abendmahl feiern, dann schmecken wir diese „Gleichheit“. Am Tisch des Herrn gibt es keine Hierarchien. Da sind wir alle Gästinnen und Gäste.</em> <em>In der Nüchternheit des Paulus können wir uns nachher selber fragen: Wo kann ich in dieser Woche für Ausgleich sorgen? Wo kann ich jemanden willkommen heißen, der oder die sich sehnlichst Zuwendung wünscht?</em><br></p>



<figure class="wp-block-pullquote has-small-font-size"><blockquote><p><strong>Ein bisschen mehr…</strong><br>Ein bisschen mehr Friede <br>und weniger Streit,<br>ein bisschen mehr Güte <br>und weniger Neid,<br>ein bisschen mehr Liebe <br>und weniger Hass,<br>ein bisschen mehr Wahrheit,<br>das wär doch schon was.<br>&nbsp;<br>Statt soviel Hast <br>ein bisschen mehr Ruh’.<br>Statt immer nur Ich <br>ein bisschen mehr Du!<br>Statt Angst und Hemmungen<br>ein bisschen mehr Mut<br>und Kraft zum Handeln,<br>das wäre gut.<br>&nbsp;<br>Kein Trübsinn und Dunkel,<br>mehr Freude und Licht.<br>Kein quälend Verlangen,<br>ein froher Verzicht<br>und viel mehr Blumen<br>so lange es geht,<br>nicht erst auf Gräbern,<br>da blühn sie zu spät!<br><em><a href="https://www.aphorismen.de/autoren/person/3206/Peter%20Rosegger">Peter Rosegger</a> (1843 – 1918)</em></p></blockquote></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Konferenz der Pfarrerinnen und Pfarrer der Reformierten Kirche in Österreich</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/29/konferenz-der-pfarrerinnen-und-pfarrer-der-reformierten-kirche-in-oesterreich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 09:52:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7274</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="pdfjs-fullscreen"><a href="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2026/04/Pfarrkonferenz_HB_2026.pdf&#038;attachment_id=7275&#038;dButton=true&#038;pButton=false&#038;oButton=false&#038;sButton=true&#038;editButtons=true&#038;v=3.1.1&#038;_wpnonce=020fb87e75#zoom=auto&#038;pagemode=none"  aria-label="PDF als Vollbild öffnen">Vollbildansicht</a></div><a href="#pdfjs-viewer-skip" class="screen-reader-text">Zum PDF-Inhalt springen</a><div role="region" aria-label="PDF-Anzeiger" id="pdfjs-viewer-skip"><iframe width="100%" height="800px" src="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2026/04/Pfarrkonferenz_HB_2026.pdf&#038;attachment_id=7275&#038;dButton=true&#038;pButton=false&#038;oButton=false&#038;sButton=true&#038;editButtons=true&#038;v=3.1.1&#038;_wpnonce=020fb87e75#zoom=auto&#038;pagemode=none" title="PDF-Dokument: Pfarrkonferenz_HB_2026.pdf" aria-label="PDF-Dokument: Pfarrkonferenz_HB_2026.pdf" class="pdfjs-iframe" tabindex="0" loading="lazy" style="max-width: 100%;"></iframe></div>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Segen von oben: Reformierte Stadtkirche Wien setzt auf Sonnenkraft</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/29/segen-von-oben-reformierte-stadtkirche-wien-setzt-auf-sonnenkraft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Apr 2026 09:07:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der Gemeinde]]></category>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="pdfjs-fullscreen"><a href="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2026/04/Artikel_PVAnlage_ReformierteStadtkirche.pdf&#038;attachment_id=7271&#038;dButton=true&#038;pButton=false&#038;oButton=false&#038;sButton=true&#038;editButtons=true&#038;v=3.1.1&#038;_wpnonce=c34dec4a89#zoom=auto&#038;pagemode=none"  aria-label="PDF als Vollbild öffnen">Vollbildansicht</a></div><a href="#pdfjs-viewer-skip" class="screen-reader-text">Zum PDF-Inhalt springen</a><div role="region" aria-label="PDF-Anzeiger" id="pdfjs-viewer-skip"><iframe width="100%" height="800px" src="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2026/04/Artikel_PVAnlage_ReformierteStadtkirche.pdf&#038;attachment_id=7271&#038;dButton=true&#038;pButton=false&#038;oButton=false&#038;sButton=true&#038;editButtons=true&#038;v=3.1.1&#038;_wpnonce=c34dec4a89#zoom=auto&#038;pagemode=none" title="PDF-Dokument: Artikel_PVAnlage_ReformierteStadtkirche.pdf" aria-label="PDF-Dokument: Artikel_PVAnlage_ReformierteStadtkirche.pdf" class="pdfjs-iframe" tabindex="0" loading="lazy" style="max-width: 100%;"></iframe></div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein starkes Zeichen der Offenheit: Reformierte Stadtkirche erhält Prädikat „A und O“</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/28/ein-starkes-zeichen-der-offenheit-reformierte-stadtkirche-erhaelt-praedikat-a-und-o/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 07:45:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aus der Gemeinde]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein starkes Zeichen für Inklusion und gelebte Vielfalt: Unsere Reformierte Stadtkirche wurde am 22.3. 2026 offiziell mit dem Prädikat „A und O“ ausgezeichnet. Damit wird unsere Gemeinde gewürdigt, die bereits [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<span id="more-7259"></span>



<p><strong>Ein starkes Zeichen für Inklusion und gelebte Vielfalt: Unsere Reformierte Stadtkirche wurde am 22.3. 2026 offiziell mit dem Prädikat „A und O“ ausgezeichnet. Damit wird unsere Gemeinde gewürdigt, die bereits Pionierarbeit leistete, als das Thema in weiten Teilen der Gesellschaft noch zur Debatte stand.</strong></p>



<p>Das Prädikat „A und O“ (Anfang und Ende, aber hier vor allem: <strong>A</strong>ufgeschlossenheit und <strong>O</strong>ffenheit) wird an Pfarrgemeinden verliehen, die sich in besonderer Weise für die Gleichstellung und Willkommenskultur von LGBTQ+-Personen in der Kirche einsetzen. Für unsere Gemeinde ist diese Auszeichnung jedoch mehr als nur eine Urkunde – sie ist die Bestätigung einer jahrzehntelangen Praxis.</p>



<p><strong>Vorreiterin seit 1999</strong></p>



<p>Während die offizielle Trauung für alle in Österreichs evangelischen Kirchen erst vor wenigen Jahren rechtlich verankert wurde, blickt die Stadtkirche auf eine weitaus längere Tradition zurück. <strong>Seit 1999</strong> werden hier Paare gesegnet und getraut – und zwar völlig ungeachtet ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung.</p>



<p>„In unserer Gemeinde ist der Segen Gottes kein Exklusivgut, sondern ein Versprechen an alle Menschen, die in Liebe füreinander Verantwortung übernehmen wollen“, so der Tenor aus der Gemeinde.</p>



<p><strong>Ein Ort für alle Lebensentwürfe</strong></p>



<p>Die Verleihung unterstreicht, dass die Reformierte Stadtkirche ein Ort ist, an dem Vielfalt nicht nur toleriert, sondern als Bereicherung des kirchlichen Lebens gefeiert wird. Unsere Gemeinde hat über 25 Jahre lang bewiesen, dass Tradition und Progressivität keine Gegensätze sein müssen.</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Gelebte Geschichte:</strong> Seit 1999 Vorreiter bei Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare.</li>



<li><strong>Theologische Haltung:</strong> Ein klares Ja zur Liebe als verbindendes Element.</li>



<li><strong>Sichtbarkeit:</strong> Das Prädikat „A und O“ macht diese Haltung nun auch nach außen hin für alle Ratsuchenden und Gemeindemitglieder deutlich sichtbar.</li>
</ul>



<p><strong>Was bedeutet das Prädikat „A und O“?</strong></p>



<p>Das Projekt „A und O“ der Evangelischen Kirche in Österreich möchte Gemeinden dazu ermutigen, ihre Türen weit zu öffnen. Es steht für:</p>



<ol start="1" class="wp-block-list">
<li><strong>Anerkennung</strong> der Vielfalt menschlicher Lebensformen.</li>



<li><strong>Offenheit</strong> im Umgang mit Diskriminierungserfahrungen.</li>



<li><strong>Orientierung</strong> an einer Theologie der Befreiung und Liebe.</li>
</ol>



<p>Mit der Verleihung an die Reformierte Stadtkirche setzt die Evangelische Kirche H.B. ein leuchtendes Signal in der Wiener Innenstadt: Hier ist jede Liebe willkommen.</p>



<p><em>Harald Kluge</em></p>



<p><em>Pfarrer der Reformierten Stadtkirche</em></p>



<p><em>Foto: von B.B. Verleihung des Prädikats von Claudia Marlen Schröder (von Evanqueer) an Pfarrer Harald Kluge</em></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>26.4.2026 Pfr. Johannes Wittich</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/28/26-4-2026-pfr-johannes-wittich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 07:04:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[Psalm 10, 1-10 Predigttext: Psalm 10, 1-10: Ein Klagepsalm 1Warum, HERR, bist du fern, (Lamed)verbirgst dich in der Zeit der Not?2In seinem Hochmut verfolgt der Frevler den Elenden.Sie sollen sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Psalm 10, 1-10</p>



<span id="more-7252"></span>



<p>Predigttext: Psalm 10, 1-10: Ein Klagepsalm<br></p>



<p><em>1Warum, HERR, bist du fern, (Lamed)<br>verbirgst dich in der Zeit der Not?<br>2In seinem Hochmut verfolgt der Frevler den Elenden.<br>Sie sollen sich fangen in den Ränken, die sie ersonnen haben.<br>3Es rühmt der Frevler seine freche Gier,<br>und der Habsüchtige lästert, verachtet den HERRN.<br>4Hochmütig wähnt der Frevler:<br>Er greift nicht ein, es ist kein Gott.<br>Das ist all sein Denken.<br>5Seine Wege haben jederzeit Bestand.<br>Fern von ihm, hoch droben sind deine Gerichte,<br>alle seine Gegner fährt er an.<br>6Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nicht wanken,<br>von Generation zu Generation bin ich vom Unglück verschont.<br>7Voll Fluch ist sein Mund, voll Trug und Gewalttat, (Pe)<br>unter seiner Zunge ist Verderben und Unheil.<br>8In Verstecken liegt er auf der Lauer,<br>im Verborgenen bringt er den Unschuldigen um.<br>Seine Augen spähen nach dem Wehrlosen, (Ajin)<br>9er lauert im Versteck wie ein Löwe im Dickicht.<br>Er lauert darauf, den Elenden zu fangen,<br>er fängt den Elenden, schleppt ihn fort in seinem Netz.<br>10Zerschmettert sinken die Wehrlosen nieder<br>und fallen durch seine Gewalt.<br>11Er spricht in seinem Herzen: Gott hat es vergessen,<br>er hat sein Angesicht verborgen, er sieht es nimmermehr.<br>12Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand, (Qof)<br>vergiss nicht die Gebeugten.<br></em></p>



<p>Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern!<br></p>



<p>„Das kann doch nicht sein!“ So könnte man den gerade gehörten Psalm in knappen fünf<br>Worten zusammenfassen.<br>„Das kann doch nicht sein!“ – Der Psalm ist ein Gebet; hier lässt ein Mensch ungefiltert sei-<br>nen Gefühlen freien Lauf. Er ist entsetzt, schockiert, vermag es nicht zu fassen: wie kann es<br>sein, dass die „Frevler“, also die, die sich bewusst an keine Regeln halten, damit immer<br>durchkommen?<br>„Das kann doch nicht sein!“ – so der Grundtenor des Psalms. Das kann doch nicht sein –<br>also mach etwas, Gott! Greif ein, bremse du die ein, die sich von keinem Menschen ein-<br>bremsen lassen!<br>Im Psalm ist vom Frevler in der Einzahl die Rede. Aber ich nehme nicht an, dass der Beter<br>nur einen einzelnen Menschen im Blickfeld hatte. Vielmehr geht es um einen bestimmten<br>Typus Mensch, mit erschreckenden Denk- und Verhaltensmustern.<br>Denkmuster und Verhaltensmuster – davon zählt der Psalmbeter einige auf. Der Typ<br>Mensch, den er im Blickfeld hat, zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ist überheblich.</li>



<li>Er nützt Schwächere aus.</li>



<li>Wenn er den Mund aufmacht, macht er andere nieder.</li>



<li>Er ist gierig, rafft Reichtum an sich mit fragwürdigsten Methoden &#8211; und gibt damit<br>auch noch an.</li>



<li>Er hat keinen Respekt vor Gott. Vielmehr ist Gott irgendwo weit weg und wird ihm<br>schon nichts tun.</li>



<li>Er ist davon überzeugt, dass ihm nichts passieren kann.</li>



<li>Er hält sich für unbesiegbar. Seine Macht bleibt für immer bestehen, so seine Mei-<br>nung.</li>



<li>Wer ihn kritisiert, wird fertig gemacht.</li>



<li>Ständig lügt er; bedient sich einer gewalttätigen Sprache.</li>



<li>Nicht nur das: er handelt auch gewalttätig; lässt Wehrlose gefangen nehmen,<br>selbst töten; nichts hält ihn davon ab, denn</li>



<li>seiner Überzeugung nach ist Gott das alles egal. Gott will sich gar nicht mit all die-<br>sen Sachen beschäftigen. Damit hat der „Frevler“ freie Hand.<br>Puh – eine ganz schöne Liste. In nur 9 Versen Psalmgebet. Eine Liste an Grauslichkeiten,<br>über 2500 Jahre alt. Schön wär’s, wenn es das heute nicht mehr gäbe. Leider, wir wissen<br>es, ist es nicht so.<br>Mehr noch: wir leben in einer Zeit, in der genau diese Denk- und Verhaltensmuster wieder<br>Hochkonjunktur haben. Selbst wenn man das arrogante Ignorieren der Gebote Gottes in<br>der Liste ausklammert: es sind dann halt andere Regeln, die dreist und unverschämt gebro-<br>chen werden: Gesetze zum Schutz von Schwächeren wie das Asylrecht, die Deklaration der<br>Menschenrechte, internationale Verträge und Vereinbarungen, oder einfach das, was Mit-<br>menschlichkeit und Anstand gebieten.<br>Wir lesen und hören die Aufzählung, und haben ganz bestimmte Menschen vor Augen. Sol-<br>che, die jeden einzelnen Punkt in der Liste erfüllen. Aber auch solche, die gerne auf einzel-<br>ne „Tools“ in der Liste zurückgreifen. Mit grundsätzlich dem selben Ziel: was ich will, kriege<br>ich! Kommt mir doch nicht Moral oder Anstand oder Fairness oder Menschlichkeit! Das gilt<br>alles nicht für mich! Um so etwas kümmere ich mich nicht. Das ist das Geheimnis meines<br>Erfolgs!<br>Wenn man auf solche Denk- und Handlungsmuster trifft, dann macht das auch heute Angst.<br>Wenn Mächtige nicht nur ihre Macht missbrauchen, sondern auch noch der Meinung sind,<br>sie hätten ein Recht darauf, das zu tun. Sich als gottgleich inszenieren. Und, noch viel<br>schlimmer: wenn unsere Mitmenschen auch noch genau solchen Typen zujubeln, sie sich<br>zum Vorbild nehmen, und meinen: ja, genauso muss man’s machen, wenn man weiter-<br>kommen will im Leben! Man denke nur an die „Life Coaches“, die Egoismus – Trainings<br>verkaufen.<br>Wie der Beter des Psalms vor langer, langer Zeit, sind auch wir verzweifelt angesichts sol-<br>cher Entwicklungen. Wenn wir sehen, wie es zugeht. Wie die „Frevler“ von heute sich<br>durchsetzen. Wir fühlen uns wehrlos, können anscheinend nichts dagegen tun. Und das<br>macht Angst. Angst um den Lauf der Welt, um die Weltpolitik. Aber auch Angst um den Zu-<br>sammenhalt in unserem Land, in unserer Stadt. Wo ist da der „Kitt“ in einer Gesellschaft,<br>wenn es so aussieht, als seien Egoismus und Verantwortungslosigkeit das Erfolgsrezept?<br>Bei meiner Arbeit am neuen Evangelischen Gesangbuch bin ich auf die Neudichtung eines<br>vertrauten Kirchenliedes gestoßen. Diese nimmt genau diese angesprochenen Fragen auf.<br>Singen wir es miteinander!</li>



<li><br>Lied: Ich will mich nicht gewöhnen, nach der Melodie von EG 365: Von Gott will ich nicht<br>lassen</li>
</ul>



<ol class="wp-block-list">
<li>Ich will mich nicht gewöhnen<br>an Waffen, an Gewalt,<br>an Hunger, Flucht und Tränen,<br>die Welt als Schreckgestalt.<br>Gott setzt ein andres Licht.<br>Gewalt hat keinen Segen.<br>Den Frieden soll’n wir pflegen,<br>den Christus uns zuspricht</li>



<li>Ich will mich nicht vergleichen<br>mit dem was jeder tut,<br>will nicht dem Zeitgeist weichen,<br>Gott gibt uns Geist und Mut.<br>Selig, wer ihm vertraut.<br>Er ist der Weg zum Leben,<br>kommt täglich uns entgegen.<br>Sein Reich ist schon gebaut.</li>



<li>Gott wird die Wunden heilen,<br>die Tränen wischt er ab.<br>Die Gräben wird er schließen,<br>wenn kommen wird sein Tag.<br>Den Frevler löscht er aus<br>vom Lauf seiner Geschichte,<br>er macht ihn ganz zunichte,<br>stürzt um sein Schreckenshaus.</li>



<li>Ich will mich nicht gewöhnen,<br>gewöhne dich nur nicht.<br>Die Welt braucht uns als Segen,<br>als Zeichen und als Licht.<br>Selig, wer Frieden schafft,<br>vergibt und überwindet,<br>versöhnt und sich verbündet<br>aus Gottes ewger Kraft.<br>(Frieder Dehlinger, 2022)<br>Eine vertraute Melodie, ein neuer Text, ein Weiterdenken der Fragen, die im Psalm 10 an-<br>gerissen werden:<br>„Ich will mich nicht gewöhnen“. Vielleicht ist das ein brauchbarer Ansatz: genau so, wie die<br>„Frevler“ sich nicht an die Regeln halten, halten wir uns nicht an ihre Regeln. Gehen vor<br>deren Regellosigkeit nicht in die Knie. Setzen ihrer Unverschämt unseren gläubigen Trotz<br>entgegen. Nehmen sie ganz einfach nicht für voll.<br>Das wird zunächst einmal nicht so schnell etwas ändern. Zumindest nicht bei denen, die<br>sich weiter ungebremst durch die Weltgeschichte freveln. Aber bei uns ändert sich was.<br>Wie im Lied angesprochen, geben wir nicht auf. Überlassen nicht die Welt und unser Leben<br>irgendeinem unbeeinflussbaren Schicksal. Mit Hilfe Gottes können wir sagen: wir durch-<br>schauen, was läuft. Hemmungsloser Egoismus, die Bereitschaft, über Leichen zu gehen,<br>seien es seelische oder tatsächliche, das ist kein Erfolgsrezept. Das ist zum Scheitern ver-<br>urteilt. Mehr noch: das ist bereits Ausdruck von Scheitern. Wer es nicht schafft, den guten<br>Vorstellungen Gottes von einem gelingenden Miteinander zwischen Menschen und zwi-<br>schen Menschen und Gott zu folgen, der ist ein Versager. Nicht die, die leiden und die Kon-<br>sequenzen von skrupellosem Handeln erdulden müssen. Nicht die, die dem Leistungsdruck<br>in unserer Gesellschaft nicht entsprechen. Nicht die, die über den Tisch gezogen und abge-<br>zockt werden. Nicht die sind die Versager. Sondern die, die so schwach sind, dass sie nur<br>mit Skrupellosigkeit weiterkommen. Die das, was Mensch-Sein ausmacht, nicht schaffen:<br>nämlich Empathie, Verständnis, Freude an Gemeinschaft.<br>Im Lied wird das angesprochen, aber auch im Psalm klingt das an: wir, Menschen, die Gott<br>vertrauen, glauben an eine andere Realität und leben in einer anderen Realität. Nicht unse-<br>re Glaubenswelt von Frieden, von Shalom, von Gottes- und Menschenliebe ist eine Illusion.<br>Vielmehr sitzen, die, die glauben, dass es das Alles nicht braucht, einem Trugbild auf.<br>Ja, diese Überzeugung darf man dann auch einmal selbstbewusst, sogar frech und trotzig<br>rüberbringen. Vor Jahren hat Desmond Tutu, anglikanischer Bischof aus Südafrika, für sei-<br>nen Einsatz gegen das Apartheitsregime die Ehrendoktorwürde der Universität Wien be-<br>kommen. Ich war damals bei der Feier dabei und habe eine recht unkonventionelle Dankes-<br>rede erlebt. Eigentlich keine Rede, sondern mehr eine sehr emotionale Predigt. Desmond<br>Tutu hat aus seinem Leben im Kampf gegen die Apartheid erzählt. Was da alles war, an<br>Niederträchtigkeit und Boshaftigkeit. Ohne direkt Namen zu nennen, hat er konkrete Bei-<br>spiele aufgezählt, was Menschen alles an Schrecklichem in dieser Welt tun können. So wie<br>im Psalm: was macht die „Frevler“ aus? Und hat dann bei jedem Punkt dieser Aufzählung,<br>wie in einer Art liturgischen Formel, über diese „Frevler“ gesagt: „They will bite the dust!“ –<br>„Sie werden den Staub fressen!“ „They will bite the dust!“<br>Nicht gerade das, was man in einer Predigt erwarten würde. Aber jemandem wie Desmond<br>Tutu, der als Schwarzer Jahrzehnte eines brutalen rassistischen Regimes am eigenen Leib<br>verspüren musste, ist zuzugestehen, so emotional und auf den Punkt gebracht zu formulie-<br>ren. Ich muss zugeben: es hat mich mitgerissen. Ein Glaube, der ausspricht: Gott hat das<br>letzte Wort. Und das wird auch sichtbare Konsequenzen haben. Keine diffuse Vorstellung<br>von einer Gerechtigkeit irgendwann einmal irgendwo im Himmel. Sondern sichtbar im hier<br>und jetzt. Oder, wie der Psalmbeter es ausdrückt: „Die Frevler sollen sich fangen in den<br>Ränken, die sie ersonnen haben.“<br>Wobei wichtig ist: bei beiden, dem Psalmbeter wie bei Desmond Tutu, sind es nicht wir<br>Menschen mit unserer Verzweiflung, die die „Frevler“ zu strafen haben. Es ist keinesfalls ein<br>Aufruf zur Gewalt. Es ist die Hoffnung, ja die Glaubensgewissheit: Gott schaut nicht einfach<br>weg. Gott weiß genau, was läuft. Und wenn er will, dann greift er ein. Und dann kann es<br>auch möglicherweise einmal ordentlich krachen – wenn er es will, nicht wenn wir es be-<br>stimmen.<br>Hoffnung auf Gerechtigkeit. Die müssen wir uns nicht nehmen lassen. Wir können da oder<br>dort unsere kleinen Beiträge leisten, und sollen das auch tun. Im festen Glauben: Gott<br>schaut nicht weg.<br>Das nimmt Angst. Das erleichtert. Es gibt eine Gerechtigkeit jenseits dessen, was wir aus<br>eigener Kraft schaffen können.<br>Unser Gott ist Gerechtigkeit.<br>Amen.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Johannes Langhoff: Zusammenspiel</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/12/johannes-langhoff-zusammenspiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Uz Potyka-Reiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 12:33:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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			</item>
		<item>
		<title>5. April 2026 Ostersonntag &#8222;Nun könnt ihr lernen, was glauben heißt&#8220;</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/05/5-april-2026-ostersonntag-nun-koennt-ihr-lernen-was-glauben-heisst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Apr 2026 07:50:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7213</guid>

					<description><![CDATA[Johannes 11, 1-44 Pfr. Harald Kluge 1&#160;Ein Mann namens Lazarus, der in Betanien wohnte, war schwer erkrankt. Im selben Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Marta. 2&#160;Maria war es gewesen, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="has-small-font-size">Johannes 11, 1-44 Pfr. Harald Kluge</p>



<span id="more-7213"></span>



<p class="has-small-font-size">1&nbsp;Ein Mann namens Lazarus, der in Betanien wohnte, war schwer erkrankt. Im selben Dorf wohnten auch seine Schwestern Maria und Marta. 2&nbsp;Maria war es gewesen, die mit kostbarem Salböl die Füße des Herrn übergossen und sie mit ihrem Haar getrocknet hatte. Weil ihr Bruder Lazarus so krank war, 3&nbsp;ließen die beiden Schwestern Jesus mitteilen: »Herr, dein Freund Lazarus ist schwer erkrankt!« 4&nbsp;Als Jesus das hörte, sagte er: »Diese Krankheit führt letztlich nicht zum Tod, sondern durch sie soll Gottes Macht und Herrlichkeit sichtbar werden, und auch der Sohn Gottes wird dadurch geehrt.« </p>



<p class="has-small-font-size">5&nbsp;Jesus liebte Marta, ihre Schwester Maria und Lazarus. 6&nbsp;Aber obwohl er nun wusste, dass Lazarus schwer krank war, wartete er noch zwei Tage. 7&nbsp;Erst danach sagte er zu seinen Jüngern: »Wir wollen wieder nach Judäa gehen.« 8&nbsp;Doch seine Jünger wandten ein: »Rabbi, vor kurzem haben die Leute in Judäa versucht, dich zu steinigen. Und jetzt willst du wieder dorthin?« 9&nbsp;Jesus antwortete: »Ist es nicht zwölf Stunden am Tag hell? Wer sicher laufen will, muss diese Zeit nutzen; denn nur bei Tageslicht sieht er den Weg. 10&nbsp;Wer nachts unterwegs ist, stolpert in der Dunkelheit, weil das Licht nicht bei ihm ist.« 11&nbsp;Nachdem er das seinen Jüngern gesagt hatte, meinte er: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen, aber ich will hingehen und ihn aufwecken!« 12&nbsp;Die Jünger erwiderten: »Herr, wenn er schläft, wird er bald wieder gesund sein.« 13&nbsp;Sie meinten nämlich, Jesus hätte vom gewöhnlichen Schlaf gesprochen, aber er redete von Lazarus’ Tod. 14&nbsp;Deshalb sagte Jesus ihnen ganz offen: »Lazarus ist gestorben! 15&nbsp;Doch euretwegen bin ich froh, dass ich nicht bei ihm gewesen bin. Denn nun könnt ihr lernen, was Glauben heißt. Wir wollen jetzt gemeinsam zu ihm gehen!« 16&nbsp;Thomas, den man auch den Zwilling nannte, sagte zu den anderen Jüngern: »Ja, lasst uns mit Jesus nach Judäa gehen und dort mit ihm sterben.« 17&nbsp;Als sie in Betanien ankamen, erfuhr Jesus, dass Lazarus schon vier Tage im Grab lag. 18&nbsp;Das Dorf ist nur etwa drei Kilometer von Jerusalem entfernt. 19&nbsp;Deswegen waren viele Juden aus der Stadt zu Maria und Marta gekommen, um die beiden zu trösten. 20&nbsp;Als Marta hörte, dass Jesus auf dem Weg zu ihnen war, ging sie ihm entgegen. Maria aber blieb zu Hause. </p>



<p class="has-small-font-size">21&nbsp;Marta sagte zu Jesus: »Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben. 22&nbsp;Aber auch jetzt weiß ich, dass Gott dir alles geben wird, worum du ihn bittest.« 23&nbsp;»Dein Bruder wird auferstehen!«, gab Jesus ihr zur Antwort. 24&nbsp;»Ja, ich weiß«, sagte Marta, »am letzten Tag, bei der Auferstehung der Toten.« 25&nbsp;Darauf erwiderte ihr Jesus: »Ich bin die Auferstehung, und ich bin das Leben. Wer an mich glaubt, der wird leben, selbst wenn er stirbt. 26&nbsp;Und wer lebt und an mich glaubt, wird niemals sterben. Glaubst du das?« 27&nbsp;»Ja, Herr«, antwortete ihm Marta. »Ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, auf den wir so lange gewartet haben.« 28&nbsp;Jetzt lief Marta zu ihrer Schwester Maria. Ohne dass die übrigen Trauergäste es merkten, flüsterte sie ihr zu: »Unser Lehrer ist da und will dich sprechen!« 29&nbsp;Als Maria das hörte, stand sie sofort auf und lief ihm entgegen. 30&nbsp;Jesus hatte das Dorf noch nicht erreicht, sondern war dortgeblieben, wo Marta ihn getroffen hatte. 31&nbsp;Als Maria aufsprang und eilig das Haus verließ, meinten die Juden aus Jerusalem, die sie trösten wollten: »Sie will am Grab weinen.« Darum folgten sie ihr. 32&nbsp;Aber Maria lief dorthin, wo Jesus auf sie wartete. Als sie ihn sah, fiel sie vor ihm nieder und rief: »Herr, wenn du da gewesen wärst, würde mein Bruder noch leben!« 33&nbsp;Jesus sah, wie sie und auch die Trauergäste weinten. Da war er tief bewegt und erschüttert. 34&nbsp;»Wo habt ihr ihn bestattet?«, fragte er. Sie antworteten: »Komm, Herr, wir zeigen es dir!« 35&nbsp;Auch Jesus kamen die Tränen. 36&nbsp;»Seht«, sagten die Juden, »er muss ihn sehr liebgehabt haben!« 37&nbsp;Doch einige meinten: »Einen Blinden hat er sehend gemacht. Hätte er da nicht auch verhindern können, dass Lazarus starb?« 38&nbsp;Von diesen Worten war Jesus erneut tief bewegt. Er trat an das Grab; es war eine Höhle, die man mit einem großen Stein verschlossen hatte. 39&nbsp;»Schafft den Stein weg!«, befahl Jesus. Aber Marta, die Schwester des Verstorbenen, sagte: »Herr, der Geruch wird unerträglich sein! Er ist doch schon vier Tage tot!« 40&nbsp;»Habe ich dir nicht gesagt«, entgegnete ihr Jesus, »du wirst die Macht und Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du nur glaubst?« 41&nbsp;Sie schoben den Stein weg. Jesus sah zum Himmel auf und betete: »Vater, ich danke dir, dass du mein Gebet erhört hast! 42&nbsp;Ich weiß, dass du mich immer erhörst, aber ich sage es wegen der vielen Menschen, die hier stehen. Sie sollen alles miterleben und glauben, dass du mich gesandt hast.« </p>



<p class="has-small-font-size">43&nbsp;Dann rief er laut: »Lazarus, komm heraus!« 44&nbsp;Und Lazarus kam heraus. Hände und Füße waren mit Grabtüchern umwickelt, und auch sein Gesicht war mit einem Tuch verhüllt. »Nehmt ihm die Tücher ab«, forderte Jesus die Leute auf, »und lasst ihn gehen!« </p>



<p>Liebe Gemeinde!</p>



<p>Die Nachricht lautet: &#8222;Dein bester Freund ist krank! Komm schnell!“ Wer von uns würde da nicht gleich aufspringen, wenn so eine Nachricht von einer lieben Freundin am Handydisplay auftaucht? Rasch die Sachen packen und schauen, wie man helfen kann. Jesus tut nichts dergleichen. Er lässt sich einige Tage Zeit, bevor er sich aufmacht nach ihm zu sehen. Eigentlich nicht nachvollziehbar.</p>



<p>Aber wie lange lassen wir uns denn manchmal Zeit bis wir jemanden anrufen, von dem wir wissen, dass ein geliebter Freund oder eine Freundin oder der Bruder oder die Mutter gestorben ist? Was sagt man, um nicht respektlos zu wirken? Wie fängt man so eine Begegnung an?</p>



<p>Nach vier langen Tagen kommt Jesus dann mit seinen Jüngern in Betanien endlich an. Und eine der Schwestern Marta ist es, die sich bei einem früheren Besuch von Jesus bei ihnen so pflichtbewusst in der Küche abgeschuftet hatte, um ihrem Rabbi ein Essen zu bereiten. Währenddessen hatte ihre Schwester Maria bei Jesus gesessen und hatte seinen Worten gelauscht. Und wie hatte Jesus auf diese Ungerechtigkeit reagiert? „Marta, ach Marta, Maria macht`s richtig. Komm setz dich her.“ Und jetzt mitten in der Zeit der Trauer des Schwesternpaares, ihr Bruder Eleazar – latinisiert Lazarus – war schon vier Tage tot, kommt Jesus endlich wieder in Betanien an. Was hat ihn aufgehalten? Sie hatten ihm ja vor mehr als einer Woche bereits einen Boten geschickt. Marta stapft auf Jesus zu und sagt zu ihm: „Herr, wärst du hier gewesen, würde mein Bruder noch leben.“ Hat Marta es vorwurfsvoll gesagt oder einfach nur mit unendlicher Traurigkeit in ihrer Stimme? „Ich weiß, dass GOTT dir alles geben wird, worum du ihn bittest.“ Du hättest ihn heilen können, wenn du rechtzeitig da gewesen wärst und GOTT gebeten hättest. Aber du hast es nicht getan. „Dein Bruder wird auferstehen!“</p>



<p>Liebe Gemeinde! Wer kennt das nicht? Das Gefühl, jemand ganz wichtiger ist einfach zu spät aufgetaucht. Wenn Gott da gewesen wäre, wäre es nicht passiert. Kann Gott im Stau stehen? Oder will Gott etwas nicht sehen? Wir beten, wir hoffen, und am Ende steht das Grab. Auch bei der Geschichte des Mannes namens Jeschua Ben Joschua aus Nazareth. An seinem Lebensende wird er vom Kreuz vorsichtig runtergenommen und in Grabtücher eingewickelt. Und seine Verwandten und engsten Freunde und Freundinnen begleiten seinen Leichnam in seine Grabhöhle. Zur Sicherung vor wilden Tieren und Grabräubern rollt man einen schweren Stein vor die Öffnung. Und wie bei Lazarus, Eleazar, geht die Trauergemeinschaft in ein Haus um zu essen und zu trinken, weil davor wird allen wenig dazu zumute gewesen sein. Und sie reden über ihre Erlebnisse mit Eleazar, bauen sich auf, weinen und nehmen sich gegenseitig in die Arme.</p>



<p>Ostern beginnt nicht mit einem Halleluja, sondern mit Tränen um einen geliebten Verstorbenen. Auch Jesus weint davor öfters. Er ist kein gefühlskalter Gottessohn. Er sieht den Schmerz von seinen Freundinnen Martha und Maria, die um ihren Bruder Eleazar trauern. Er ist tief bewegt und erschüttert, wie man es ist, wenn ein geliebter Freund oder eine Freundin stirbt. &nbsp;Es kommen ihm die Tränen.</p>



<p>Das ist einer der roten Fäden des Johannesevangeliums: Gott wird Mensch. Und Jesus fühlt, wie wir fühlen, spürt Schmerzen, wie wir sie empfinden, bricht in tiefer Traurigkeit und Ohnmacht zu Boden, wie es uns geschehen kann, wenn alles einfach zu viel wird.</p>



<p>Johannes erzählt uns von sieben „Zeichen“, Handlungen die Jesus ausführt. Und bei jeder einzelnen Handlung zeigt sich seine Besonderheit ein bisschen mehr. Es sind keine Zaubertricks, nicht bloß Wunder zum Bestaunen, sondern sie gelten für uns als Wegweiser. Das Zeichen weist wie ein Schild, wie ein Merkmal auf etwas dahinter hin. Da können wir anfangen zu grübeln und zu suchen und zu forschen. Bis heute. Am Beginn seines öffentlichen Auftretens feiert Jesus mit seiner Mutter und seinen ersten Jüngern bei einer <strong>Hochzeit in Kana</strong> das Leben und die Liebe. Er verhilft dem Bräutigam dazu sein Gesicht zu wahren, wenn er Wasser in Wein wandelt und so sein erstes Zeichen setzt.</p>



<p>Bei einem weiteren Zeichen heilt Jesus kurz darauf den todkranken <strong>Sohn eines königlichen Beamten in Kapernaum </strong>aus der Ferne und zeigt damit: Gottes Wort überwindet jede Distanz.</p>



<p>Am <strong>Teich Bethesda</strong>, in dem alle heiligen Zeiten ein Engel auftaucht, um das Wasser in Wallung zu bringen und dadurch den ersten Menschen heilt, der es zum Wasser schafft, dort heilt er einen Mann und zeigt allen: Selbst eine Lähmung und eine überkommene mystische Vorstellung kann mit Jesus durchbrochen werden.</p>



<p>Bei den <strong>5.000 Männern und dazu Frauen und Kindern</strong>, die gekommen waren, um Jesus predigen zu hören und von ihm geheilt zu werden, bringt Jesus alle dazu, miteinander zu teilen. Selbst großer Mangel kann durch Teilen von 5 Gerstenbroten und 2 Fischen und mit Vertrauen, und wenn ich mein Ego ein wenig hintanstelle, gestillt werden.</p>



<p>Als eines Nachts die Jünger vor Jesus mit einem Boot fliehen wollen, kommt er ihnen auf dem <strong>See Genezareth bei heftigem Unwetter</strong> auf dem Wasser wandelnd entgegen. Er besänftigt ihre Angst und rettet ihr Leben.</p>



<p>Sein sechstes Zeichen wirkt Jesus in Jerusalem. Als er und seine Jünger vor den Tempeldienern fliehen müssen, die ihn steinigen wollen, läuft er einem <strong>blinden Mann namens Uriya</strong> über den Weg.</p>



<p>Ganz ungewöhnlich spricht er nicht über den Mann, wie seine Jünger, sondern mit dem Mann und rührt einen Brei mit seiner Spucke an und heilt sein Augenlicht. Dabei möchte er den Mitmenschen damals und uns klar zeigen: Es soll uns vorrangig nicht darum gehen, wie jemand in eine schlimme Lage geraten ist. Gott möchte, dass wir uns überlegen, wie wir vorausblickend mit dem Menschen, dem wir begegnet sind, umgehen werden. In diesem sechsten Zeichen schenkt Jesus uns neue Perspektiven. In seinem siebenten Zeichen im Evangelium nach Johannes – und nur hier wird davon erzählt – da zeigt sich, dass bei Jesus der Tod nicht das letzte Wort haben wird. &nbsp;Weder für ihn noch für die Menschen wird dies gelten.</p>



<p><strong>Das siebente Zeichen bei Lazarus ist das spektakulärste und gefährlichste.</strong> Es ist für Jesus wie eine Generalprobe für Ostern. Jesus sagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben.“ Er sagt nicht: „Ich habe Informationen darüber für euch dabei.“ Er <strong>ist</strong> es. Er ist für uns die Auferstehung und das Leben. Seine Freundin Marta hat es ihm geglaubt. Ihre Schwester, so lesen wir, Maria läuft anders als Marta ganz hektisch und aufgeregt aus dem Haus, wo sie zum Trauern zusammengekommen waren. Sie läuft auf Jesus zu und schleudert ihm entgegen: &nbsp;„Herr, wenn du da gewesen wärst, würde mein Bruder noch leben!“ Sie gehen schließlich alle gemeinsam zum Grab von Eleazar. Marta versucht noch Jesus aufzuhalten, das Grab öffnen zu lassen. „Herr, der Geruch wird unerträglich sein! Er ist doch schon viert Tage tot!“</p>



<p>„Hab ich dir nicht gesagt, liebe Marta, du wirst die Macht und Herrlichkeit Gottes sehen, wenn du nur glaubst?“ Auf den Geruch der Macht und Herrlichkeit ist er dabei nicht eingegangen. Und auf ein Wort, einen Satz von Jesus kommt Eleazar aus seinem Grab heraus. &nbsp;Er ist noch in die Grabtücher eingewickelt. Er lebt, aber er trägt noch die Zeichen seines Todes. Befinden wir uns nicht auch manchmal in so einem Zustand? Wir denken, dass wir an Gott glauben, aber wir schleppen die alten Ängste, die alten Wickel noch mit uns herum. Jesus sagt zu den Umstehenden: <strong>„Nehmt ihm die Tücher ab und lasst ihn gehen!“</strong></p>



<p>Warum dürfen Maria und Marta ihren Bruder nicht in die Arme schließen? &nbsp;Müssen sie ihn wirklich zuerst aus den Tüchern auswickeln, ihn entfesseln? Eines muss man hier anmerken. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Alles an der Szenerie erscheint irgendwie chaotisch und unordentlich. Auch im Religiösen und bei Wundern oder Zeichen braucht es doch eine Ordnung. Mit einem einbalsamierten Eleazar, um den man trauern kann, können die Menschen umgehen, irgendwie umgehen. Auch werden sie ihn da und dort in Erinnerungen und Ritualen festhalten wollen. Um unserer Trauer den größten Schmerz zu nehmen, lassen wir die Verstorbenen lieber nicht ganz gehen. Da bringt Eleazar, der plötzlich wieder lebendig vor ihnen steht alles und jeden durcheinander. Wir binden uns auch im Leben schon gerne gegenseitig fest mit unseren Erwartungen: „Du bleibst schön der oder die, als den ich dich kenne.“ Wir wickeln unsere Kinder in die Tücher unserer eigenen Ängste. Wir schnüren unsere Mitmenschen ein in die Tücher ihrer alten Fehler, damit sie ja nicht anfangen, sich frei zu bewegen. Wie Marta und Maria und die anderen Trauernden pflegen wir unsere Resignation wie einen Vorgarten. „Da kann man halt nichts machen“, ist so das Leichentuch unserer Zeit. „Lösen wir die Wickel!“ Hören wir doch auf, die Menschen auf ihre Vergangenheit festzunageln. Hören wir auf, das Neue mit dem Argument „Das haben wir noch nie so gemacht“ zu ersticken. Wenn Gott einen Menschen aus dem Grab holt, aus der Dunkelheit und dem Dreck zieht, dann haben wir nicht das Recht, ihn mit unseren Vorurteilen wieder zu fesseln.</p>



<p>Eleazar bedeutet Hebräisch „Gott hilft“ und er kommt durch Gottes Wirken heraus. Aber er ist in Gefahr, eingewickelt, unfrei zu bleiben, weil <em>wir</em> ihn noch festhalten. Lassen wir doch auch den Eleazar, den Lazarus, in unserem Nächsten endlich gehen! Beenden wir die Wickel. Oder haben wir Angst vor dem Leben, das dann zum Vorschein kommen könnte? Wenn wir glauben, werden wir es sehen.</p>



<p><strong>Übrigens nach diesem siebenten folgt noch das achte Zeichen. Es ist das leere Grab im Garten. </strong>Lazarus wurde auferweckt, aber er musste später doch noch einmal sterben. Er wurde zurück ins alte Leben geholt. Ostern ist das achte Zeichen – die Vollendung der Schöpfungswoche. Jesus kehrt dabei, nachdem er auch nach drei Tagen auferstanden ist, nicht in sein altes Leben zurück. Er bricht durch in eine völlig neue Dimension. Der Stein vor seiner Grabhöhle ist weg. Die Grabtücher liegen ordentlich zusammengelegt da.</p>



<p>Er braucht sie nicht mehr.</p>



<p>Er geht hindurch in ein völlig neues Leben.</p>



<p>Und das neue Leben steht auch uns offen.</p>



<p>Halleluja!</p>



<p>Christus ist auferstanden!</p>



<p>Er ist wahrhaftig auferstanden!</p>



<p>AMEN</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>4. April 2026 Osternacht: „Die Auferstehung bewegt“ Pfrn.Réka Juhász</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/04/4-april-2026-osternacht-die-auferstehung-bewegt-pfrn-reka-juhasz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Apr 2026 21:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7205</guid>

					<description><![CDATA[Predigttext: Johannes 20, 1-10 11Am ersten Tag der Woche kommt Maria aus Magdala frühmorgens noch in der Dunkelheit zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen ist. 2Da [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Predigttext: Johannes 20, 1-10</strong></p>



<span id="more-7205"></span>



<p><strong><sub>1</sub></strong>1Am ersten Tag der Woche kommt Maria aus Magdala frühmorgens noch in der Dunkelheit zum Grab und sieht, dass der Stein vom Grab weggenommen ist. 2Da eilt sie fort und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und sagt zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben. 3Da brachen Petrus und der andere Jünger auf und gingen zum Grab. 4Die beiden liefen miteinander; doch der andere Jünger lief voraus, war schneller als Petrus und kam als Erster zum Grab. 5Und als er sich vorbeugt, sieht er die Leinenbinden daliegen; er ging aber nicht hinein. 6Nun kommt auch Simon Petrus, der ihm folgt, und er ging in das Grab hinein. Er sieht die Leinenbinden daliegen 7und das Schweisstuch, das auf seinem Haupt gelegen hatte; es lag nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengerollt an einem Ort für sich. 8Darauf ging nun auch der andere Jünger, der als Erster zum Grab gekommen war, hinein; und er sah, und darum glaubte er. 9Denn noch hatten sie die Schrift, dass er von den Toten auferstehen müsse, nicht verstanden. 10Dann kehrten die Jünger wieder zu den anderen zurück.</p>



<p>Liebe Gemeinde,</p>



<p>der Glaube an die Auferstehung ist ein sehr bewegender Glaube. Über kein anderes Thema rätseln wir so viel. Mit keinem anderen theologischen Thema beschäftigen wir uns so intensiv wie mit der Auferstehung. Ein Hauch Unendlichkeit schwingt dabei mit und dazu die große und starke Hoffnung: Mit dem Tod ist nicht alles aus. Wir bleiben miteinander auch über den Tod hinaus verbunden. Nichts geht verloren.</p>



<p>Wir wissen zwar nicht, wie Gott das gemacht hat mit der Auferweckung Jesu. Aber das müssen wir auch gar nicht wissen. Wir sehen ja die Jünger in Jerusalem, die Frauen und dazu die vielen Menschen, die voller Hoffnung sind; die nicht verzagt nur auf sich selbst schauen, sondern hoffnungsvoll nach vorne oder gar nach oben schauen und füreinander da sind.</p>



<p>Die Faszination der ersten Gemeinden</p>



<p>Da kann man schon ins Schwärmen kommen, wie eine meiner 14-jährigen Schülergruppen im Religionsunterricht: „Diese Urgemeinde war der Hammer“ — „Wenn ich vor 2000 Jahren gelebt hätte, hätte ich mich auch sicherlich einer der ersten Gemeinden angeschlossen“ — sagten sie begeistert. „Die waren so mutig und richtig sozial, ihre Tisch- und Gütergemeinschaft war einzigartig“ — „Und die Idee der Auferstehung — richtig krass …“</p>



<p>Na ja — es war mehr als eine Idee, musste ich kurz widersprechen. Aber ich glaube, sie haben etwas ganz Besonderes begriffen. Der Glaube an die Auferstehung ist ja letztendlich das Fundament der neuen religiösen Bewegung geworden. Keine andere Religion hat damals über die Auferstehung gesprochen.</p>



<p>Auferstehung bewegt — heute noch. Nur bewegt sie leider den modernen Menschen, im Gegensatz zu den ersten Christen, nicht in die Kirche, sondern eher aus der Kirche hinaus.</p>



<p>Als sie das hörten, liefen Petrus und vermutlich Johannes zum Grab. Aufgeregt, angespannt, voller Hoffnung. laufen sie also zum leeren Grab. Aber zunächst wird aus der Hoffnung noch keine Freude, sondern erst einmal ein Verdacht: Wer hat den Leichnam gestohlen? Erst am Abend, wenn sie wieder miteinander Tischgemeinschaft feiern und das Brot brechen und den Kelch trinken, erst dann begegnen sie dem auferstandenen Herrn.</p>



<p>Und diese Begegnungen bewegten und bewegen heute noch die Jünger und Jüngerinnen Jesu zueinander und nicht zuletzt zur Welt hin. Das leidvolle menschliche Leben wurde dadurch wieder mit Sinn, Kraft, Mut erfüllt. Und mit der Bereitschaft zur Gemeinschaft mit den anderen, mit der Bereitschaft, den Weg des Friedens zu suchen und diese Suche trotz allem nicht und niemals aufzugeben.</p>



<p>Wie können wir die Auferstehung verstehen?</p>



<p>Und gerade an diesem Punkt beginnt vielleicht auch unsere heutige Frage. Nicht unbedingt: Ob Auferstehung wichtig ist. Sondern eher: Wie wir sie verstehen.</p>



<p>Denn nicht die Auferstehung selbst ist problematisch, sondern die Art, wie sie verstanden wird.</p>



<p>Der reformierte Theologe Reinhold Bernhardt hat in einem Interview sehr zeitgemäß beschrieben, was der Auferstehungsglaube heute noch bedeutet. Einige seiner Gedanken möchte ich hier aufnehmen.</p>



<p>Wie kann man sich die Auferstehung Christi vorstellen? Vielleicht sollte man sie sich gar nicht so genau vorstellen. Ansonsten materialisiert man sie und nimmt ihr das Geheimnishafte. Wenn man sie als mirakulöses Ereignis versteht, in dem Gott Leichname wiederbelebt, dann ist es nicht verwunderlich, dass der moderne Mensch damit schwer etwas anfangen kann.</p>



<p>Jesus ist nicht in sein Leben zurückgekehrt, so wie es von Lazarus erzählt wird. Nach Paulus ist die Auferstehung ein Weg nach vorne in ein Leben in der Gegenwart Gottes. Paulus spricht nicht von einer körperlichen Auferstehung, sondern von der Auferstehung in einem Geistleib, ohne das genauer zu beschreiben.</p>



<p>Die Bibel spricht von der Auferstehung in einem viel tieferen Sinn. Dass der moderne Mensch damit Schwierigkeiten hat, zeigt eher, wie unsere westliche oder moderne Kultur geprägt ist. In Zentralafrika fällt es den Menschen leichter zu glauben, dass uns die Todesgrenze nicht von Gott trennt, denn diese Grenze wird dort nicht so scharf gezogen wie bei uns. Die Verstorbenen leben in einer anderen Sphäre der Wirklichkeit.</p>



<p>Was ist die Auferstehung? Die Auferstehung ist Eintritt in eine größere Realität. Diesen Glauben kann man nicht erzwingen — und man sollte es auch nicht. Die Auferstehung ist zentraler Bestandteil des christlichen Glaubens. Paulus hat gesagt: Mit dem Glauben an die Auferstehung Christi steht und fällt der christliche Glaube.</p>



<p>Ja, denn Auferstehung hat mindestens so viel mit den Jüngern aller Zeiten zu tun wie mit Jesus selbst. Sie ist eine Erfahrung, die auch heutige Christen machen: Auferstehung bedeutet, dass aus dem Tod neues Leben, aus Verzweiflung neue Hoffnung und aus Hass neue Liebe entstehen kann, so wie Gott selbst „aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen kann und will“, wie Bonhoeffer einmal gesagt hat. Diese Realität können wir auch gegenwärtig erfahren.</p>



<p>Vielen Menschen ist die Frage wichtig, wie man im Angesicht des Todes lebt. Nach Paulus ist Jesus der Erstgeborene der Toten. Er geht voraus auf dem Weg in die Gegenwart Gottes. Ich muss diesen Weg nicht selbst bahnen. Darin liegt eine große Hoffnung.</p>



<p>Ein Stückerl Himmel offenlassen</p>



<p>Und genau diese Hoffnung, liebe Gemeinde, ist es, die unser Leben trägt. Vielleicht nicht immer laut. Vielleicht nicht immer triumphierend. Aber doch still, tief und verlässlich. Der Osterglaube ist für uns Christinnen und Christen wie ein Stückerl Himmel, das über unserem Leben frei bleibt.</p>



<p>Vielleicht kennen einige von Ihnen den Satz, beziehungsweise das Buch von Marcel Proust: „Halten Sie stets ein Stückchen Himmel frei über Ihrem Leben.“</p>



<p>Er war ein französischer Schriftsteller und ist 1922 gestorben. Berühmt ist er wegen seiner sieben Bücher mit dem Titel Auf der Suche nach der verlorenen Zeit. Erzählt wird über ihn, dass er oft schwermütig war und dann im Bett lag, Besuch bekam, Tee trank und mit seinen Gästen Kuchen aß. Wenn er aber allein war und bei Kräften, schrieb er an seinen Büchern. Gleich im ersten Band steht dieser wunderschöne Satz: „Halten Sie stets ein Stückchen Himmel frei über Ihrem Leben.“</p>



<p>Das ist ein kraftvoller Gedanke. Als sei irgendwo in meinem Kopf oder in meiner Seele immer ein kleines Fenster offen: Halten Sie stets ein Stückerl Himmel frei über Ihrem Leben.</p>



<p>Denn ich kann nicht alles wissen oder immer fest glauben. Niemand weiß in allem Bescheid und tut nur das Gute und Richtige. Kein Mensch hat immer die Liebe, die nötig ist. Oft sind wir nicht weise genug für die Welt — und auch nicht für die vielen Sorgen, die um uns sind oder die wir selber haben.</p>



<p>Da ist es klug, wenn ein Fenster offen bleibt Richtung Himmel. Es gibt ja noch mehr als mein Leben, mehr als diesen Tag und seine Sorgen. Es gibt ja auch noch die Hoffnung, dass der Himmel mich behütet, vielleicht sogar einmal eingreift zum Guten. Vor allem aber gibt es die Hoffnung, dass ich mit mir und meinen Sorgen nicht alleine bin.</p>



<p>Ostern bewegt</p>



<p>Vielleicht ist das ja das Bewegende am Osterglauben: dass auch die Jünger ein Stückerl Himmel offen gehalten haben über ihrem Leben. Nach dem grausamen Tod Jesu hätten sie sich verschließen können, in ihrer Angst bleiben können, in ihrer Enttäuschung und Trauer. Aber sie ließen sich ansprechen vom Auferstandenen. Und gerade dadurch kamen sie wieder in Bewegung: für ihn, für seine Lehre, für den Glauben an die Auferstehung und füreinander. So wurde aus Angst neue Kraft, aus Trauer neue Hoffnung und aus dem Ende ein neuer Anfang.</p>



<p>Darum ist der Osterglaube bis heute ein bewegender Glaube: weil er Menschen aufrichtet, weil er Herzen öffnet und weil er uns immer wieder neu in Bewegung setzt.</p>



<p>Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Amen</p>



<p>Ø Quelle zum Interview: https://reformiert.info/de/recherche/wie-halten-sie-es-mit-der-auferstehung-16796.html</p>



<p>Ø Gedanken zum Thema „Ein Stück Himmel“ entnommen:</p>



<p>Michsel Becker. Werksatt Liturgie und Predigt. S. 76. April 2025</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>3. April 2026 Karfreitag 17 Uhr</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/03/4-april-2026-karfreitag-17-uhr/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Apr 2026 18:14:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7200</guid>

					<description><![CDATA[Karfreitag als Protest gegen alles Leid von Pfarrerin Réka Juhász „Was sollen wir noch mehr sagen? Wenn Gott für uns ist, wer kann sich dann noch gegen uns stellen? Er hat&#160;ja seinen&#160;eigenen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p><strong>Karfreitag als Protest gegen alles Leid</strong> von Pfarrerin Réka Juhász</p>



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<p>„<em>Was sollen wir noch mehr sagen? Wenn Gott für uns ist, wer kann sich dann noch gegen uns stellen? Er hat&nbsp;ja seinen&nbsp;eigenen Sohn nicht verschont. Vielmehr hat er ihn für uns alle in den Tod gegeben. Wenn er uns aber seinen Sohn geschenkt hat, wird er uns dann nicht auch alles andere schenken? Doch aus alldem gehen wir als strahlende Sieger hervor. Das haben wir dem zu verdanken, der uns so sehr geliebt hat. Ich bin zutiefst überzeugt: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen – nicht der Tod und auch nicht das Leben, keine Engel und keine weltlichen Mächte, nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges und auch keine andere gottfeindliche Kraft. Nichts Über- oder Unterirdisches und auch nicht irgendetwas anderes, das Gott geschaffen hat – nichts von alledem kann uns von der Liebe Gottes trennen. In Christus Jesus, unserem Herrn, hat Gott uns diese Liebe geschenkt</em>.“&nbsp;</p>



<p>Römer 8, 31.32.37-39.&nbsp;&nbsp;</p>



<p>Liebe Gemeinde,&nbsp;</p>



<p>am Karfreitag tauchen wir in das Leid Jesu hinein. Wir erinnern uns an seinen grausamen Tod und fragen nach dem Sinn dieses Geschehens.&nbsp;</p>



<p>Doch wir tun das nicht, um uns in diesen tiefen Abgrund des Lebens hineinziehen zu lassen. Wir wollen nicht in Jesu Leiden und Schmerz verharren. Wir schauen auf all das im Licht des Glaubens: nicht, um zu erschrecken, sondern um gerade an diesem tiefsten Punkt des Lebens Jesu nach der Kraft zu fragen, die ihn bis ans Kreuz getragen hat.&nbsp;</p>



<p>Denn dazu sind wir an diesem Trauertag Jahr für Jahr eingeladen: zu fragen, was unser eigenes Leben trägt und hält. Was gibt mir Halt? Wie kann ich gerade am tiefsten Punkt meines Lebens Gottes tragende und kraftvolle Begleitung erfahren?&nbsp;</p>



<p>Unsere Suche nach Antworten beginnen wir mit dem Römerbrief. Kraftvoll erklingt aus dem Brief des Paulus die Botschaft des heutigen Karfreitags: „Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?“&nbsp;</p>



<p>Das heißt: Karfreitag ist nicht der Beweis dafür, dass Gott im Leid fern ist. Karfreitag ist der radikale Ausdruck dafür, dass Gott für uns da ist. Er bleibt nicht Zuschauer des Leids, sondern stellt sich an die Seite der Menschen, die leiden, die an ihre Grenzen kommen und dem Tod ausgeliefert sind.&nbsp;</p>



<p>Somit ist das Kreuz Jesu ein Protest gegen alles Leid und gegen den Tod. Denn weder Leid noch Tod haben das letzte Wort über das Leben.&nbsp;</p>



<p>Wo also sollen wir die Suche nach Kraft und Sinn mitten in Leid und Schmerz beginnen? Wie dürfen wir uns diesem schweren Thema nähern? Mit Anteilnahme und zugleich mit einem gewissen Abstand? Oder sollten wir das Geschehen am Kreuz durch unsere eigenen Leiderfahrungen hindurch betrachten?&nbsp;</p>



<p>In der heutigen Predigt möchte ich mit Ihnen gemeinsam beides versuchen: den Tod Jesu sowohl aus dem eigenen persönlichen Blickwinkel als auch im Blickwinkel des Glaubens betrachten.&nbsp;</p>



<p>Lassen Sie uns zunächst mit unserem eigenen Blickwinkel beginnen. Aus dem Blickwinkel des eigenen Kreuzes, das jede und jeder von uns auf eigene Art und Weise zu tragen hat:&nbsp;</p>



<p><strong>I. „Um Trost war mir sehr bange“ …</strong>&nbsp;</p>



<p>Das Leid gehört zu unserem Leben. Traurig sein, Sterben aushalten, Abschied nehmen müssen – das alles begegnet uns nicht nur am Kreuz von Golgatha, sondern mitten in unserem Alltag. Da erinnere ich mich an eine Frau, die ihren alt gewordenen Vater pflegt. Da denke ich an den Mann, der nach langer Ehe seine Frau zur letzten Ruhe begleitet. Dabei denke ich an eine geflüchtete Familie in Wien, die aus der Ferne mit ansehen muss, wie ihre geliebte Heimat zum Schauplatz von Krieg und Zerstörung wird. Und dann erinnere ich mich an meine letzten Besuche im Senior*innenheim, an die Menschen, die verzweifelt nach Sinn und letztem Halt im Leben suchen. Die Reihe der eigenen Kreuzwege in der Familie oder im eigenen Leben können wir hier lange auflisten: Situationen, in denen wir mit den Worten des Psalmisten klagen: „Um Trost war mir sehr bange“ …&nbsp;</p>



<p>Menschen, die an Gott glauben, bleiben vom Leid auch nicht verschont. Das verspricht uns Jesus nicht. Wer glaubt, dem wird das Leben nicht sofort leicht. Aber eine andere Zusage spricht aus der Bibel: Nichts kann uns von der Liebe Gottes trennen. Nicht der Tod, nichts Gegenwärtiges und nichts Zukünftiges. Keine Macht der Welt und keine Tiefe der Angst. Das ist die große Gewissheit dieses Tages: Mitten im Leiden lässt Gott uns nicht los.&nbsp;</p>



<p>Davon spricht der Karfreitag: Das Kreuz Jesu ist ein Protest gegen alles Leid und gegen den Tod. Denn weder Leid noch Tod haben das letzte Wort über das Leben.&nbsp;</p>



<p>Ich denke, daraus können wir immer wieder Kraft gewinnen. So können wir neu hoffen lernen, auch in Krisenzeiten. So können wir Mut gewinnen durch den, der am Ende durch seinen Tod das Böse und den Tod besiegt hat.&nbsp;</p>



<p>Und der Römerbrief gibt diesem Protest seinen tiefsten Grund: Gott ist mit uns, Gott ist für uns. Darum können die Mächte, die das Leben bedrohen, nicht mehr endgültig über uns verfügen. Sie sind real. Sie verletzen. Sie zerstören. Aber sie haben nicht das letzte Wort. Das letzte Wort gehört der Liebe Gottes.&nbsp;</p>



<p><strong>II. Wer ist dieser Gekreuzigte, auf den wir schauen?</strong>&nbsp;</p>



<p>Aber damit ist noch nicht alles gesagt.&nbsp;</p>



<p>Denn wenn wir so von Trost, Hoffnung und Gottes Nähe sprechen, dann müssen wir noch weiter fragen: Wer ist dieser Gekreuzigte, auf den wir schauen? Und was ist am Kreuz eigentlich geschehen?&nbsp;</p>



<p>Denn Karfreitag ist nicht nur eine Hilfe zur Bewältigung unseres eigenen Leides. Karfreitag führt uns zu einem geheimnisvollen Weg Gottes mit uns und für uns Menschen.&nbsp;</p>



<p>Darum lohnt es sich, bei einem alten Bild des Glaubens zu bleiben: Jesus als Lamm Gottes.&nbsp;</p>



<p>Die ersten Christen deuteten seinen Tod als Sühneopfer. Sie nannten ihn das Lamm Gottes. Für die ersten Christen und über viele Jahrhunderte der Kirche hinweg war diese Deutung verständlich und tragfähig. Aber heute stellen viele Menschen die Frage anders. Vielleicht so:&nbsp;Wofür gab Jesus sein Leben hin? Für welche Wahrheit, für welche Haltung war er bereit, sogar den Tod auf sich zu nehmen?&nbsp;</p>



<p>Die Evangelien erzählen von seinen Worten, seinen Taten und seiner Haltung – und auch davon, dass er gerade deshalb verurteilt wurde. Jesus vertrat eine Sicht auf das Leben, die zugleich revolutionär und kritisch war.&nbsp;</p>



<p>Es begann mit seiner Kritik an den sozialen Verhältnissen. Er scheute sich nicht, Kranken und sozial Benachteiligten am Rand der Gesellschaft zu begegnen. Damit forderte er Menschenwürde für jeden Menschen ein.&nbsp;</p>



<p>Dann folgten seine Kritik am religiösen System, seine Reformimpulse und nicht zuletzt seine Infragestellung eines verengten Gottesbildes. „In wessen Auftrag redest du, handelst du und forderst Veränderung?“ – so fragten ihn schon damals die Pharisäer und seine Zeitgenossen.&nbsp;</p>



<p>Schon früh sahen seine Anhänger in ihm nicht nur einen besonderen Menschen. Der Mut und die Kraft, mit denen er redete, heilte, lehrte und lebte, waren mehr als das, was man gewöhnlich von einem Menschen erwartet. So wuchs die Einsicht: In ihm zeigt sich Gott in besonderer Weise. Ja, in ihm ist Gott Mensch geworden. In Jesus zeigt und offenbart Gott den Menschen seinen Weg.&nbsp;</p>



<p>Und wenn es Gott selbst war, der sich für Menschenwürde, Wahrheit, Freiheit und Erneuerung einsetzte und dafür sogar den Tod in Kauf nahm, dann sind diese Dinge nicht nebensächlich. Dann sind sie lebenswichtig. Dann waren Jesu Worte nicht nur schöne Sätze, sondern Wahrheit. Und sein Handeln wurde zum Maßstab für die Gottesgläubigen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“&nbsp;</p>



<p><strong>III. Karfreitag will uns aufrütteln</strong>&nbsp;</p>



<p>Liebe Gemeinde,&nbsp;</p>



<p>wir denken heute nicht nur an den Tod eines jüdischen Reformers vor 2000 Jahren. Wir denken an das, was Gott in Christus für uns getan hat. Paulus fragt:&nbsp;</p>



<p>„Wenn Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, wird er uns mit ihm nicht alles schenken?“&nbsp;</p>



<p>Das heißt: nicht Entzug, sondern Hingabe; nicht Gottes Abwesenheit, sondern seine unbegreifliche Nähe.&nbsp;</p>



<p>Darum fordert Gott von uns zuerst nicht Leistung, sondern Vertrauen. Vertrauen auf ihn, auf seinen lebensschaffenden Geist. Und daraus wächst dann die Bewahrung dessen, was menschliches Leben ausmacht: Würde, Freiheit, Dankbarkeit und Frieden.&nbsp;</p>



<p>Karfreitag ist darum auch eine Einladung zum Widerspruch gegen alles, was das Leben zerstört: eine Einladung, einzustehen für den Wert des Lebens, für die Würde jedes einzelnen Menschen, für den Glauben und für den Frieden. Und&nbsp;das&nbsp;nun schon seit beinahe 2000 Jahren.&nbsp;</p>



<p>Karfreitag will uns aufrütteln. Es ist keine Nichtigkeit, wofür Christus getötet wurde. Es ist keine Nichtigkeit, wenn Menschen am christlichen Glauben festhalten. Es ist keine Nichtigkeit, was Menschen hier, in der Reformierten Stadtkirche, aber auch im Rahmen der weltweit verbundenen christlichen Kirchen bis heute zusammenbringt.&nbsp;</p>



<p><strong>IV. Die Maßstäbe der Welt</strong>&nbsp;</p>



<p>Zugleich zeigt Karfreitag, wie schwer es ist, auf dem Weg Gottes zu bleiben. Die Werte, die Jesus vorgelebt hat, sind immer wieder bedroht und werden unterdrückt, weil sie oft den Maßstäben dieser Welt widersprechen, den Maßstäben menschlicher Ordnungen und Interessen. Die Bibel nennt das Sünde: dass der Mensch nicht beständig fähig ist, in Würde, in Frieden und in der Kraft der Versöhnung zu leben.&nbsp;</p>



<p>Karfreitag sagt darum: Der Protest Jesu und sein Tod waren nicht umsonst. Gott will, dass wir dem Leben dienen und nicht den zerstörerischen Mächten dieser Welt. Im Tod Jesu am Kreuz zeigt er uns, dass diese Wahrheit nicht aufgegeben werden darf. Im Leiden Christi zeigt sich, dass weder Leid noch Tod größer sind als Gottes Macht und Gottes Liebe.&nbsp;</p>



<p>Und wir wissen: Die Geschichte geht weiter. Seine Wahrheit kann kein Mensch und keine Macht auslöschen. Denn Gott, der seinen Sohn nicht verschont hat, wird auch sein letztes Wort nicht dem Tod überlassen.&nbsp;</p>



<p>So bleibt Karfreitag ein Protest gegen alles Leid und gegen den Tod. Denn weder Leid noch Tod haben das letzte Wort über das Leben.&nbsp;</p>



<p>Und noch tiefer: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.&nbsp;</p>



<p>Amen.&nbsp;</p>
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