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	<description>Website der Evangelischen Pfarrgemeinde H.B. Wien Innere Stadt - in Entwicklung</description>
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		<title>12.7.2026 1 Mose 25, 19-34 &#038; Matthäus 13, 1-23 von Pfarrer Harald Kluge</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 07:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“ 1 Mose 25,19-34 Hier beginnt die Familiengeschichte von Isaak: Isaak war Abrahams Sohn. Isaak war 40 Jahre alt, als er Rebekka heiratete. [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“</p>



<span id="more-7632"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Mose 25,19-34</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier beginnt die Familiengeschichte von Isaak: Isaak war Abrahams Sohn. Isaak war 40 Jahre alt, als er Rebekka heiratete. Sie war die Tochter des Aramäers Betuël und Schwester von Laban, und sie stammte aus Mesopotamien. Rebekka blieb kinderlos. Isaak betete für sie zum HERRN, und der HERR erhörte seine Bitte. Rebekka wurde schwanger. Als sie merkte, dass es Zwillinge waren, die sich im Mutterleib gegenseitig stießen, seufzte sie: »Jetzt bin ich endlich schwanger. Warum müssen sich meine Kinder nun ausgerechnet bekämpfen?« Sie fragte den HERRN, und er antwortete ihr: »Von den zwei Söhnen in deinem Leib werden einmal zwei verfeindete Völker abstammen. Eins wird mächtiger sein als das andere, der Ältere wird dem Jüngeren dienen.« Und tatsächlich – als die Stunde der Geburt kam, brachte Rebekka Zwillinge zur Welt. Der erste war am ganzen Körper mit rötlichen Haaren bedeckt, wie ein Tierfell. Darum nannten ihn seine Eltern Esau, »der Behaarte«. Dann kam sein Bruder; er hielt bei der Geburt Esau an der Ferse fest, und so nannten sie ihn Jakob, »Fersenhalter«. Isaak war 60 Jahre alt, als die beiden geboren wurden. Die Jungen wuchsen heran. Esau wurde ein erfahrener Jäger, der gern im Freien umherstreifte. Jakob dagegen war ein ruhiger Mann, der lieber bei den Zelten blieb. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Isaak mochte Esau mehr als Jakob, weil er gern sein gebratenes Wild aß; Jakob war Rebekkas Lieblingssohn. Eines Tages – Jakob hatte gerade ein Linsengericht gekocht – kam Esau erschöpft von der Jagd nach Hause. »Lass mich schnell etwas von der roten Mahlzeit da essen, ich bin ganz erschöpft!«, rief er. Darum bekam er auch den Beinamen Edom, »Roter«. »Nur wenn du mir dafür das Vorrecht überlässt, das dir als dem ältesten Sohn zusteht!«, forderte Jakob. »Was nützt mir mein Vorrecht als ältester Sohn, wenn ich am Verhungern bin!«, rief Esau. Jakob ließ nicht locker. »Schwöre erst!«, sagte er. Esau schwor es ihm und verkaufte damit sein Recht, den größten Teil des Erbes zu bekommen, an seinen jüngeren Bruder. Jakob gab ihm das Brot und die Linsensuppe. Esau schlang es hinunter, trank noch etwas und ging wieder weg. So gleichgültig war ihm sein Erstgeburtsrecht. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Matthäus 13, 1-9. 18-23</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschichten von seiner Zeit als Wanderprediger und Heiler. Seine Geschwister und seine Mutter Maria hatten Jesus gesucht und gefunden und wollen ihn sprechen. Aber Jesus erteilt ihnen eine harsche Abfuhr. Dann heißt es weiter: Am selben Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Seeufer, um zu lehren. Bald hatte sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt. Darum stieg er in ein Boot und sprach von dort zu den Menschen am Ufer. Was er ihnen zu sagen hatte, erklärte er durch Gleichnisse: »Ein Bauer ging aufs Feld, um Getreide zu säen. Als er die Körner ausstreute, fielen ein paar von ihnen auf den Weg. Sofort kamen die Vögel und pickten sie auf. Andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo nur wenig Erde war. In der dünnen Erdschicht ging die Saat zwar schnell auf, als dann aber die Sonne am Himmel hochstieg, vertrockneten die Pflänzchen. Sie konnten keine starken Wurzeln bilden und verdorrten deshalb in der Hitze. Wieder andere Körner fielen ins Dornengestrüpp, doch dieses hatte die junge Saat bald überwuchert, so dass sie schließlich erstickte. Die übrigen Körner aber fielen auf fruchtbaren Boden und brachten das Hundert-, Sechzig- oder Dreißigfache der Aussaat als Ertrag. Wer Ohren hat, der soll auf meine Worte hören!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">… »Euch will ich nun das Gleichnis von dem Bauern erklären, der Getreide aussät. Manche Menschen hören zwar die Botschaft von Gottes Reich, verstehen sie aber nicht. Dann kommt der Böse und reißt die Saat aus ihrem Herzen. Bei solchen Menschen ist es also wie bei den Körnern, die auf den Weg fallen. Andere Menschen sind wie der felsige Boden, auf den die Körner fallen: Sie hören die Botschaft und nehmen sie sofort mit Begeisterung an. Aber ihr Glaube hat keine starken Wurzeln und deshalb keinen Bestand. Wenn solche Menschen wegen ihres Glaubens in Schwierigkeiten geraten oder gar verfolgt werden, wenden sie sich gleich wieder davon ab. Noch andere Menschen gleichen dem von Dornengestrüpp überwucherten Boden: Sie hören die Botschaft zwar, doch die Sorgen des Alltags und die Verlockungen des Reichtums ersticken diese bald wieder, so dass keine Frucht daraus entstehen kann. Aber dann gibt es auch Menschen, die sind wie der fruchtbare Boden, auf den die Saat fällt: Sie hören Gottes Botschaft, verstehen sie und bringen Frucht, hundert-, sechzig- oder dreißigfach.« </p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Wäre das jetzt nicht schön? Am Seeufer sitzen. An einem lauschigen Abend, dem Rauschen der Wellen zuhören und da und dort einen Fisch aus dem Wasser hüpfen sehen, Und am Himmel ziehen die Wolken vorüber. Die Menschen damals sind bei Jesus wohl auch zur Ruhe gekommen. Ein paar Minuten oder Stunden, obwohl man die Zeit früher ja so nicht gemessen hat, nicht arbeiten. Keine Netze flicken müssen bis zur Ausfahrt am nächsten Morgen. Kein Aufräumen, Wäsche waschen, vorkochen, backen, putzen, reparieren. Einfach nur sein dürfen und dem Wanderrabbi zuhören. Sich entschleunigen, mal runter vom Gas steigen. Wir leben aber in einer Welt, die so einen Müßiggang nicht belohnt. Schnelligkeit wird hingegen belohnt: Instant-Kaffee, Instant Noodles, Express-Lieferungen, und möglichst immer schnelle Antworten sofort per Klick. Wer wartet, verliert. Unsere Gesellschaft ist süchtig nach der sofortigen Erfüllung geworden. Jedes Bedürfnis muss am besten in dem Moment befriedigt werden, in dem es entsteht. Verlernen wir gerade das Warten und den Müßiggang?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Digitale Automationsprogramme – so nenne ich die Künstliche Intelligenz &#8211; beschleunigen dieses Geschwindigkeitskarussell nur noch weiter. Aber das Leben funktioniert, das wissen wir, völlig anders. Aus dem Umgang mit Kindern und Jugendlichen wissen wir: So wie beim Gras – es wächst nicht schneller, wenn wir mit Gewalt daran ziehen. &nbsp;Vor Gott gilt ein anderes Tempo als das, was wir im Alltag erleben. Gottes Tempo lässt sich nur schwer in den Takt unserer Hochgeschwindigkeitsgesellschaft pressen. Wenn ich mir überlege, wie ich für Aufgaben schnelle Lösungen suche, merke ich aber: &nbsp;Mein Leben ist keine Aneinanderreihung von Sofortlösungen. Im Rückblick gesehen, braucht es im Leben für alles seine Zeit. Wir können das meiste nicht erzwingen. Beziehungen, Freundschaften, Fähigkeiten – all das braucht Zeit und Geduld. Genau von dieser Spannung erzählen uns die Texte der Bibel. Sie fragen uns ganz direkt: Worauf baue ich mein Leben auf? Gebe ich gerne dem nach, was jetzt sofort meinen Hunger stillt? &nbsp;Oder lasse ich auch mal bewusst Zeit verstreichen, gehe es ruhiger an und schaue, was sich entwickelt? In der ersten Geschichte, die wir heute gehört haben, geht es um die Enkelsöhne Abrahams, die Söhne Isaaks, Esau und Jakob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Bibel von Brüdern spricht, kommen diese meistens nicht gut weg. Denken wir an Kain und Abel – oder hier im ersten Buch Mose an Esau und Jakob. Die Zwillinge fangen bereits im Mutterleib an, miteinander zu ringen, und entwickeln sich völlig unterschiedlich. Sie verkörpern zwei grundverschiedene Lebensentwürfe. Esau ist der Erstgeborene, ein paar Minuten älter als Jakob. Aber diese Minuten machen einen riesigen Unterschied in der Erbfolge aus. Esau ist ein Mann der Tat, ein Jäger, in der Wildnis zu Hause. Er lebt im Augenblick, packt Gelegenheiten kraftvoll beim Schopf. Wenn Esau Hunger hat, jagt er. Wenn er müde ist, schläft er. „Ein echter Mann nimmt sich, was er will.“ Ganz anders ist Jakob: Er ist der Ruhige, Nachdenkliche, der zu Hause bleibt und in der Gemeinschaft hilft, wo er sich nützlich machen kann. „Ein richtiger Mann schaut darauf, was die Familie und seine Mitmenschen brauchen.“ Die überlieferte Szene ist ein Drama voller Tragik und ein wenig Komik. Esau kommt nach einer stundenlangen, anstrengenden Jagd erschöpft und kraftlos nach Hause. Plötzlich riecht er im Lager ein köstliches Gericht. Der Duft des roten Linseneintopfs, den Jakob gerade über dem Feuer kocht, zieht ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Esaus gesamte Welt, seine Vergangenheit und seine Zukunft schrumpfen auf ein einziges, dringendes Bedürfnis zusammen: „Ich habe Hunger. Jetzt. Sofort. Ich will essen!“ Nichts anderes zählt mehr. Das Hier und Jetzt hat ihn vollkommen im Griff. Jakob hat das vorausgesehen. Er reagiert eiskalt, berechnend und nutzt die Schwäche seines Bruders für eine ungeheuerliche Forderung aus: „Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht.“ Das Erstgeburtsrecht bedeutete im Alten Orient den doppelten Anteil am Erbe, die Führung der Familie und die Trägerschaft der göttlichen Verheißung. Es war das Fundament für die Zukunft der Familie und Sippe. Esaus Antwort ist banal: „Was nützt mir mein Vorrecht als ältester Sohn, wenn ich am Verhungern bin!“ Er tritt sein kostbares Erbe für eine einzige, flüchtige Mahlzeit ab. Er isst, steht auf und geht. Die Bibel schließt diese Szene mit dem harten Satz: „So gleichgültig war Esau sein Erstgeburtsrecht.“ Wir lächeln über den dumpfen Esau wir sollten uns dann fragen, wie oft wir den Wert einer Sache unterschätzen, weil die Zukunft dahinter nicht sofort greifbar ist? Wie oft tauschen wir etwas Langfristiges gegen irgendeinen „Linseneintopf“ des Augenblicks ein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gesellschaft folgt diesem Hunger, den wir haben. Und Supermärkte öffnen immer länger. Nachrichten auf dem Smartphone wollen sofort gelesen sein. Und wer gibt nicht sofort dem Impuls nach, zu antworten? Wir ärgern uns, wenn was mal länger braucht, der Kellner, die Bedienung, die U-Bahn, politische Lösungen für die großen drängenden Fragen. Und überall dort wird auf Instant-Lösungen gedrängt. Übersehen wir da vielleicht, dass Beziehungen und auch gute Lösungen Zeit und Arbeit brauchen. Wann nehme ich mich mal zurück und denke: „Das hat Zeit“? Oft siegt das Gefühl: Jetzt muss ich funktionieren, jetzt meinen Hunger nach Erfolg stillen, jetzt brauche ich Ablenkung. Esau verachtet sein Recht nicht einmal bewusst, er schaut schlicht nicht auf das, was Reife braucht. Er will jetzt satt sein. Um alles andere will er sich später kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz nach dem modernen Werbespruch: „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.“ Jesus greift diese menschliche Verfassung im Matthäusevangelium auf. Im Gleichnis vom Sämann wird Gott als Bauer geschildert, der fast schon verschwenderisch mit seinem Saatgut umgeht. Er wirft das Wort überallhin, ohne Ansehen der Bodenbeschaffenheit. In den verschiedenen Böden spiegeln sich unsere Verhaltensweisen wider. Da ist zuerst der felsige Boden. Wir nehmen das Wort schnell auf, sind wie Esau sofort Feuer und Flamme. Keimt ein gutes Wort, lassen wir uns schnell begeistern. Aber unter der dünnen Erdschicht bleibt harter Fels. Es fehlt uns dann an Tiefe und Wurzeln. Sobald der Alltag einkehrt oder der Glaube etwas kostet, verfliegt die Euphorie. Es war nur ein Strohfeuer des Augenblicks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann gibt es den Boden unter den Dornen. Er beschreibt unseren Alltag wohl am besten. Der Samen fällt auf guten Boden und schlägt Wurzeln. Aber parallel dazu wachsen die Sorgen um uns und die Welt, der Stress und der Hunger nach dem nächsten „Linseneintopf“. Alles andere wuchert so laut, dass das leise, geduldige Wort Gottes einfach erstickt wird. Wir sind so mit dem Management unseres Lebens beschäftigt, dass für uns und unser inneres Wachstum keine Luft bleibt. Das Wort Gottes funktioniert nicht auf digitalen Knopfdruck. Es ist wie ein Samen: klein, unscheinbar und verletzlich. Es braucht Zeit, Tiefe und Geduld. Jakob hatte diese Geduld auf seine eigene, trickreiche Weise. Er ist in der Geschichte kein Heiliger, sondern schon durchtrieben. Aber er besitzt eine entscheidende Eigenschaft: Er denkt vorausschauend. Jakob versteht, dass Gottes Segen mehr wiegt als jede schnelle Suppe. Heißt das, wir dürfen unsere Bedürfnisse gar nicht mehr befriedigen? Ein Psalmlied wie jenes Psalm 65 malt uns dafür ein wunderschönes Bild vor Augen. Es ist ein Erntedanklied mitten im Alltag, das den Blick weg von unseren eigenen Anstrengungen hin auf Gottes Handeln lenkt. Dort heißt es:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast für das Land gesorgt und ihm Regen gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Fruchtbarkeit hast du es reich beschenkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deine Bäche sind mit Wasser gefüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du gibst den Regen dazu, du segnest die Gewächse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So krönst du jedes Jahr mit deinen Gütern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können den Regen und das Wachstum nicht erzwingen. Wir können säen, aber die Güter, das Leben selbst bleiben ein reines Geschenk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss zugeben: Die Linseneintöpfe des Alltags riechen wirklich gut. Der Druck im Beruf und in Beziehungen, sofort Ergebnisse sehen zu müssen, ist enorm. Vielleicht hilft es, wenn wir wieder lernen, schlicht empfangsbereit zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Wort Gottes Raum zu geben und vielem mehr Zeit zu lassen, Wurzeln zu schlagen – auch wenn man an der Oberfläche noch keine Frucht sieht. Im Leben braucht es zuallererst unsere Geduld. Alles andere wird wachsen. Amen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>28.6.2026 Predigt zu Matthäus 5, 1-12</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/06/28/28-6-2026-predigt-zu-matthaeus-5-1-12/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wen Jesus glücklich nennt.“ Pfarrer Harald Kluge LESUNG RÖMER 12, 17-21 17&#160;Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Verhaltet euch gegenüber allen Menschen vorbildlich. 18&#160;Soweit es irgend möglich ist und von euch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">„Wen Jesus glücklich nennt.“ Pfarrer Harald Kluge</p>



<span id="more-7630"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>LESUNG RÖMER 12, 17-21</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>17</em><em>&nbsp;</em><em>Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Verhaltet euch gegenüber allen Menschen vorbildlich. 18</em><em>&nbsp;</em><em>Soweit es irgend m</em><em>ö</em><em>glich ist und von euch abh</em><em>ä</em><em>ngt, lebt mit allen Menschen in Frieden. 19</em><em>&nbsp;</em><em>Liebe Freunde, verschafft euch nicht selbst Recht. </em><em>Ü</em><em>berlasst vielmehr Gott das Urteil, denn er hat ja in der Heiligen Schrift gesagt: </em><em>»</em><em>Es ist meine Sache, Rache zu </em><em>ü</em><em>ben. Ich, der Herr, werde ihnen alles vergelten.</em><em>«</em><em> 20</em><em>&nbsp;</em><em>Handelt so, wie es die Heilige Schrift von euch verlangt: </em><em>»</em><em>Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken. So wirst du ihn beschämen.«  21</em><em>&nbsp;</em><em>Lass dich nicht vom B</em><em>ö</em><em>sen überwinden, sondern überwinde das B</em><em>ö</em><em>se durch das Gute. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MATTHÄUS 5, 1-16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; „Wen Jesus glücklich nennt“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>1&nbsp;Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger versammelten sich um ihn. 2</em><em>&nbsp;</em><em>Dann begann er, sie mit den folgenden Worten zu lehren: 3&nbsp;»Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. 4</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die </em><em>ü</em><em>ber diese Welt trauern, denn sie werden Trost finden. 5</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die auf Frieden bedacht sind, denn sie werden die ganze Erde besitzen. 6</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden. 7</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die Barmherzigkeit </em><em>ü</em><em>ben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>8</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. 9&nbsp;Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. 10</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben; denn ihnen geh</em><em>ö</em><em>rt sein himmlisches Reich. 11</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich k</em><em>ö</em><em>nnt ihr euch sch</em><em>ä</em><em>tzen, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt. 12</em><em>&nbsp;</em><em>Ja, freut euch und jubelt, denn im Himmel werdet ihr daf</em><em>ü</em><em>r reich belohnt werden! Genauso hat man die Propheten fr</em><em>ü</em><em>her auch schon verfolgt.</em><em>«</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Wenn Sie heute nach dem Gottesdienst die Dorotheergasse hinunterspazieren, vorbei an den Schaukästen, hinein in den Wiener Sonntagstrubel, dann fragen Sie sich doch einmal: <strong>„Bin ich selig“</strong>? „Bin ich glücklich?“ „Wann war ich das letzte Mal glücklich?“ Am besten fragen Sie sich das aber natürlich gegenseitig. Wann sind wir selig? Das kommt drauf an, wo ich bin und als was ich da bin. Als Tourist fühl ich mich selig, wenn ich nach langem Anstehen endlich einen Platz im Kaffeehaus oder Eisgeschäft ergattere und den ersten Schluck Melange oder einen Eiscafe oder einen Milchshake trinke. Die Studentin fühlt sich selig, die vorgestern Abend die letzte schwere Prüfung bestanden hat. Und wir alle fühlen uns selig, wenn der Alltag mal für ein paar Stunden Pause macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Selig“ – das ist im Wienerischen ja fast ein bisschen Alltagsbesitz geworden. <em>„Ich war gestern selig im Bett“</em>, sagen wir, wenn wir einfach erschöpft und glücklich waren. Es ist dieses Gefühl von: <em>Alles ist gut. Ich habe, was ich brauche. Ich bin wunschlos glücklich.</em> Wir haben die Seligpreisungen aus der Bergpredigt gehört und die eindringlichen Worte des Paulus aus dem Römerbrief. Zwei Texte, die uns nicht abkühlen, sondern eher aufheizen. Sie sind eher so, dass sie uns mitten im hitzigen und aufgeheizten Leben zusätzlich anfeuern wollen. Sie fordern mich heraus. Sie fordern mich auf, meine Perspektive zu wechseln, radikal, bedingungslos und mitten im Hier und Jetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stellen wir uns die Szene bei Matthäus vor. Jesus sieht eine große Menschenmenge, die ihn sehen, berühren und hören will. Es war damals in Galiläa sicher weniger heiß als heute in Wien. Denn die Leute damals waren klug und schlau und wussten, in der Hitze des Tages sind nur Narren und Touristen draußen unterwegs. Jesus geht auf einen Berg, setzt sich, und die Leute drängen sich um ihn. Und dann – so wird es berichtet – spricht er von den wichtigen Dingen des Lebens, wie wir uns verhalten sollen. Jesus wackelt aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger vor unserer Nase. Sonst müsste es lauten: Verflucht und unglücklich seid ihr Fröhlichen! Unglücklich sind die Menschen, die einander übervorteilen! Unglücklich sind diejenigen, die arrogant und besserwisserisch mit ihrer Weisheit oder ihren Titeln prahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus spricht auch nicht von Gesetzen oder Geboten und ruft auch keine Drohungen aus. Und er sagt auch nicht das Offensichtliche. <em>„Selig seid ihr, wenn euer Bankkonto voll ist und das Leben wie am Schnürchen läuft.“</em> * <em>„Glücklich seid ihr, wenn ihr im Recht seid und alle euch zujubeln.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus beginnt mit einer Liebeserklärung. Geliebt von GOTT sind die Zu-Kurz-Gekommenen. Er dreht die Logik unserer Welt und der damaligen Welt komplett auf den Kopf: <em>„Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. Glücklich sind, die über diese Welt trauern, denn sie werden Trost finden. Glücklich sind, die auf Frieden bedacht sind, denn sie werden die ganze Erde besitzen. Glücklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden. Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.“ </em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Leistungsgesellschaft wie der unseren, und erst recht an einem Tag, an dem uns die Hitze alle Kräfte raubt, klingt das zynisch. Wer will schon „arm“ sein? Wer will „Leid tragen&#8220;? Wer will sich freiwillig von „Hunger und Durst“ quälen lassen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Welt belohnt die Starken, die Lauten, die Durchsetzungsfähigen. Wer sich auf dem Markt der Möglichkeiten behaupten will, darf nicht sanftmütig sein, sonst wird er überrollt. Wer Karriere machen will, darf nicht dauernd barmherzig sein, sondern muss meist den Ellenbogen ausfahren. Aber Jesus setzt hier einen Kontrapunkt. Er schafft ein neues Klima. Nicht ein Klima der glühenden Hitze des Konkurrenzkampfes, sondern ein Klima der göttlichen Erfrischung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Selig“ – das griechische Wort heißt makarioi. Es bedeutet: „Glücklich zu preisen sind sie.“ Aber es meint kein oberflächliches Wellness-Glück. Es meint eine tiefe, unerschütterliche Zusage: Ihr seid von Gott angesehen. Gerade ihr, die ihr am Ende eurer Kräfte seid. Gerade ihr, die ihr unter der Last des Lebens stöhnt; sei es die physische Hitze des Tages oder die existenzielle Hitze eurer Sorgen. Ihr seid gemeint. Jesus preist die Friedfertigen selig. Diejenigen, die Frieden stiften, wo andere zündeln. In einer Welt, die politisch, gesellschaftlich und oft auch im Privaten aufgeheizt ist, wo Debatten im Netz und auf der Straße oft mit einer Aggression geführt werden, die der heutigen Außentemperatur in nichts nachsteht. Da ruft uns diese Predigt am Berg zur Abkühlung auf. Sie will unsere Sanftmut hervorkitzeln. Sanftmut ist kein Zeichen von Schwäche. Sanftmut ist eine enorme Kraft, die eigene Stärke so zu zügeln, dass der andere Raum zum Atmen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie „Sanftmut“ konkret aussieht, das buchstabiert Paulus im Römerbrief aus. Und ich gebe zu, diese Zeilen können einem den Schweiß erst recht auf die Stirn treiben: <em>„Vergelte niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Verhalte dich gegenüber allen Menschen vorbildlich. 18 Soweit es irgend möglich ist und von dir abhängt, lebe mit allen Menschen in Frieden!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus war kein Träumer. Er war Realist. Er schreibt nicht: „Ihr müsst mit allen im Reinen sein.“ Er schreibt: „Ist es möglich, und wenn es an dir liegt &#8230;“ Frieden zu schließen oder zu halten scheitert oft, weil mein Gegenüber anderes im Sinn hat, weil er aus ist auf Streit, Kampf, Zwist, Krieg. Aber der Auftrag an uns bleibt eindeutig: Von unserer Seite aus darf ich kein Öl ins Feuer gießen. Und dann kommt der härteste Satz, die absolute Provokation für unser natürliches Gerechtigkeitsempfinden: <em>„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn mir jemand Unrecht zufügt, mich betrügt, belügt, beraubt, verletzt, beleidigt, dann kocht es in mir hoch. Wir alle haben unsere Zornesfalten. Und der männliche Instinkt ruft: Schlag zurück. Zeig es ihm oder ihr. Lass dir nichts gefallen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber Paulus sagt: Wenn du zurückschlägst, hat das Böse gewonnen. Warum? Dann hat es dich infiziert. Und du spielst nun nach denselben Regeln wie all diejenigen, die dich verletzt haben. Dann hab ich mich vom Bösen überwinden lassen, indem ich selbst böse geworden bin. Das Böse mit Gutem zu überwinden, bedeutet, wenn ich den Teufelskreis durchbrechen lerne. Es bedeutet, den glühenden Kohlen des Hasses das Löschwasser der Liebe entgegenzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus zitiert hier ein altes Sprichwort: <em>»Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken. So wirst du ihn beschämen – du wirst feurige Kohlen auf seni Haupt sammeln.« </em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt im ersten Moment nach einer subtilen Rachemethode. Wir machen anderen ein schlechtes Gewissen, bis deren Kopf glüht. Aber im antiken Orient war das Bild der feurigen Kohlen auf dem Kopf auch ein Symbol der Reinigung und der Buße. Und es war schlicht eine Geste der Scham, die zur Umkehr, zur Besinnung führt. „Wie blöd war ich da bloß!“ Indem wir einem Menschen, der uns angreift oder mit Worten verletzen will oder uns verdrängen möchte, wenn wir ihm oder ihr oder ihnen mit Güte, mit Sanftmut begegnen, entwaffnen wir sie nicht. Aber wir bleiben unserer eignen Überzeugung und Haltung treu. Wir lassen nicht zu, dass andere mit ihrem blöden Verhalten uns und unseren Charakter verändern. Im besten Fall der Fälle kann ich die brenzlige hitzige Situation abkühlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir feiern heute hier in der Inneren Stadt, im Herzen von Wien, nicht nur unsere Gottesdienste, sondern danach auch ein Straßenfest. Ein Fest, bei dem die Dorotheergasse belebt wird, bei dem wir zusammenkommen, essen, trinken und miteinander reden. Als reformierte Gemeinde stehen wir in einer Tradition, die den Glauben nie nur im stillen Kämmerlein oder hinter dicken Kirchenmauern versteckt hat. Für Johannes Calvin und die Reformatoren war klar: Die Ehre Gottes erweist sich mitten im Alltag, im Zusammenleben der Stadt, in der Gestaltung der Gesellschaft. Die Welt ist der Schauplatz dieser Herrlichkeit Gottes – auch diese erhitzte, erschöpfte Welt des Jahres 2026. Das Straßenfest nach dem Gottesdienst ist deshalb kein weltliches Zusatzprogramm. Es ist die Verlängerung, die Overtime des Gottesdienstes. Es ist die Praxis der Bergpredigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir gleich hinausgehen, in die Hitze des Hofes, dann bringen wir etwas mit. Wir bringen die Zusage der Seligpreisungen mit nach draußen. Wir bringen den Auftrag des Paulus mit auf die Straße, der meint: „Achtet aufeinander!“ Ein Straßenfest bei über 40 Grad fordert uns heraus, aufeinander Acht zu geben. &nbsp;Wer braucht Wasser? Wer braucht einen Platz im Schatten? Wer ist einsam und sitzt abseits? Es sind die kleinen, unscheinbaren Gesten, in denen das Reich Gottes mitten unter uns aufleuchtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Amen</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>21. Juni 2026 zu Micha 7, 1-3. 8-9. 18-20</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/06/21/21-juni-2026-zu-micha-7-1-3-8-9-18-20/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;GOTT liebt es, barmherzig, gütig und freundlich zu sein.&#8220; Predigt von Pfr. Harald Kluge Lesung aus Lukas 15, 1-3.11-32 1 Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;GOTT liebt es, barmherzig,</em> <em>gütig und freundlich zu sein.&#8220;</em> Predigt von Pfr. Harald Kluge</p>



<span id="more-7621"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesung aus Lukas 15, 1-3.11-32</strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">1 Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich und schimpften: »Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er isst sogar mit ihnen!« 3 Da erzählte Jesus ihnen folgendes Gleichnis: 11 »Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Eines Tages sagte der jüngere zu ihm: ›Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe haben.‹ Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf. 13 Nur wenige Tage später machte der jüngere Sohn seinen Anteil zu Geld, verließ seinen Vater und reiste ins Ausland. Dort leistete er sich, was immer er wollte. Er verschleuderte sein Geld, 14 bis er schließlich nichts mehr besaß. Da brach in jenem Land eine große Hungersnot aus. Es ging dem Sohn immer schlechter. 15 In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte. 16 Oft quälte ihn der Hunger so sehr, dass er sogar über das Schweinefutter froh gewesen wäre. Aber nicht einmal davon erhielt er etwas. 17 Da kam er zur Besinnung: ›Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. 18 Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. 19 Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Lass mich bitte als Arbeiter bei dir bleiben!‹ </p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">20 Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 ›Vater‹, sagte der Sohn, ›ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.‹ 22 Sein Vater aber befahl den Knechten: ›Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus und legt es meinem Sohn um. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt Schuhe für ihn! 23 Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern! 24 Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen ein fröhliches Fest. 25 Inzwischen war der ältere Sohn nach Hause gekommen. Er hatte auf dem Feld gearbeitet und hörte schon von weitem die Tanzmusik. 26 Er rief einen Knecht herbei und fragte ihn erstaunt: ›Was wird denn hier gefeiert?‹ 27 ›Dein Bruder ist wieder da‹, antwortete er ihm. ›Und dein Vater freut sich sehr, dass er ihn wohlbehalten wiederhat. Deshalb hat er das Mastkalb schlachten lassen, und jetzt feiern sie ein großes Fest.‹ 28 Der ältere Bruder wurde wütend und wollte nicht ins Haus gehen. Da kam sein Vater zu ihm heraus und redete ihm gut zu: ›Komm und freu dich mit uns!‹ 29 Doch er entgegnete ihm bitter: ›All diese Jahre habe ich mich für dich abgerackert. Alles habe ich getan, was du von mir verlangt hast. Aber nie hast du mir auch nur eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden einmal richtig hätte feiern können. 30 Und jetzt, wo dein Sohn zurückkommt, der dein Vermögen mit Huren durchgebracht hat, jetzt lässt du sogar das Mastkalb für ihn schlachten!‹ 31 Sein Vater redete ihm zu: ›Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Alles, was ich habe, gehört auch dir. 32 Darum komm, wir haben allen Grund, fröhlich zu feiern. Denn dein Bruder war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!‹«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannes Calvin hat mal so schön formuliert: «Nichts tröstet mächtiger als die Gewissheit, mitten im Elend von der Liebe (und Gnade) Gottes umfangen zu werden.»  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MICHA 7, 1-3. 8-9. 18-20</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">1 Ich unglücklicher Mensch! Ich komme mir vor wie einer, der nach der Ernte hungrig durch die Weinberge streift oder die Feigenbäume nach Früchten absucht. Doch nichts: Keine Traube und keine Feige sind mehr zu finden! 2 Ja, im ganzen Land gibt es keine rechtschaffenen Menschen mehr, keiner fragt mehr nach Gott. Einer macht Jagd auf den anderen und wartet bloß auf eine Gelegenheit, um Blut zu vergießen. 3 Sie haben nur Böses im Sinn, und darin sind sie wahre Meister. Die führenden Männer lassen sich bestechen, die Richter sind käuflich, und die Mächtigen entscheiden aus reiner Willkür. So arbeiten sie alle Hand in Hand. </p>



<p class="wp-block-paragraph">8 Freut euch nur nicht zu früh, ihr Feinde! Wir liegen zwar am Boden, doch wir stehen wieder auf. Wir sitzen im Finstern, aber der HERR ist unser Licht. 9 Wir haben gegen ihn gesündigt und müssen nun seinen Zorn ertragen. Doch er wird wieder für uns eintreten und das Unrecht vergelten, das man uns angetan hat. Er führt uns von neuem hinaus ins Licht. Wir werden erleben, wie er für Recht sorgt! 18 Herr, wo ist ein Gott wie du? Du vergibst denen, die von deinem Volk übriggeblieben sind, und verzeihst ihnen ihre Schuld. Du bleibst nicht für immer zornig, denn du liebst es, gnädig zu sein! 19 Ja, der Herr wird wieder Erbarmen mit uns haben und unsere Schuld auslöschen. Er wirft alle unsere Sünden ins tiefste Meer. 20 Herr, du wirst uns, den Nachkommen von Abraham und Jakob, deine Treue und Gnade erweisen, wie du es einst unseren Vorfahren geschworen hast. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Gott liebt es, barmherzig, gütig und freundlich zu sein!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Wenn wir heute, an diesem heißen Sonnentag, aus dem Trubel der Woche und der Wiener Innenstadt – nur wenige Schritte vom Graben und dem neu eröffneten Bräunerhofcafé entfernt – in unsere Kirche kommen, bringen wir da nicht ein wenig die ganze Welt mit hinein. Wir schleppen die Nachrichten mit uns herum, machen uns Gedanken über die Zustände unserer Gesellschaft und unserer Beziehungen. Aber mehr treibt uns doch die eigene ganz persönliche Lebensgeschichte um. Und diese hat es bei ihnen und mir gewiss in sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Texte, die wir Ihnen heute vorgelesen haben, spiegeln diese Wirklichkeit in ihrer wunderbaren und schmerzlichen Weise wider. Lukas 15 und Micha 7 beschreiben Zustände, die viele von uns nur zu gut kennen. Solche Sätze wie bei Micha machen Mut zum Weitermachen und zeigen sich auch bei einer Fußball-WM als allgemein gültig:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir liegen zwar am Boden, doch wir stehen wieder auf. Wir sitzen im Finstern, aber der HERR ist unser Licht.“ Da kommt so das Gefühl von Erschöpfung auf, einer unendlichen Müdigkeit und nicht wenige sprechen heute schon gar zu häufig von Burnout und sagen: „Ich kann nicht mehr!“ „Ich kann so nicht mehr!“ Und viele und ich auch reiben sich an der moralischen Schieflage in der Welt. Aber wir alle teilen sicherlich diese tiefe Sehnsucht danach, dass alles noch einmal gut wird. Es muss ja nicht gleich besser werden. Wenn`s gut wird, wär das schon mal ein guter Anfang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Prophet Micha zeichnet im Alten Testament so einen guten Anfang, nachdem er ein düsteres Bild seiner Zeit malt, dass uns seltsam vertraut vorkommt: Micha der Moreschtiter, lebte vor 2.800 Jahren und hält seinen Mitmenschen eine Standpauke. Seinen Zeigefinger hält er mahnend oben und fuchtelt damit allen vorm Gesicht herum. Er muss furchtbar nervig gewesen sein. Micha ist als Name die Kurzform von Michaja und bedeutet so viel wie die wichtigste Frage aller Fragen, die auch die Wiener Festwochen gestellt haben: „Wer ist wie Gott?“ Das Motto der Wiener Festwochen 2026 hat <strong>&#8222;Republic of Gods&#8220;-</strong> <strong>&#8222;Time for New Gods&#8220;</strong> gelautet. Dieses 75. Jubiläum des Festivals hat sich in seinem Programm im Kern der Gotteskritik und Gottessehnsucht gewidmet. Es stellte die Frage nach alten Mythen, nach einer zeitgenössischen Spiritualität und neuen Gött:innen unserer heutigen Gesellschaft. „Wer ist wie GOTT?“ Eben hebräisch „Wer ist wie GOTT?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Micha spricht von Korruption, von einer Willkür der Mächtigen und Reichen. Er skizziert eine Gesellschaft, in der das Vertrauen erodiert ist. Und er sagt: <em>„Ich komme mir vor wie einer, der nach der Ernte hungrig durch die Weinberge streift&#8230; nichts zu finden.“</em> Micha stellt den Befund auf, dass sie sich einer spirituellen und moralischen Dürrezeit befinden. Ein Befund, den die Festwochenteilnehmerinnen auch bekommen konnten. Und genau in diese Dürre hinein erzählt Jesus 7 Jahrhunderte später eine Geschichte, die die Welt verändern sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus kannte die kritischen Worte des Propheten Micha nur zu gut. Und Jesus erzählt hier dazu eine Geschichte, die nicht im fernen Orient bleibt, sondern uns heute hier in Wien ganz direkt ansprechen kann. Wir kennen sie alle, die Geschichte vom sogenannten <strong>„verlorenen Sohn“</strong>. Wir könnten sie auch nennen: &#8222;Das Gleichnis vom Mann, der die Orientierung verloren und diese nach langer Suche wiedergefunden hat.&#8220; &#8222;Der 20jährige, der aus dem Fenster stieg und nach einer Begegnung mit Schweinen reumütig ins Vaterhaus zurückgekrochen kam.&#8220; Aber viel mehr ist es einfach die Geschichte: &#8222;Ein junger Mensch will raus.&#8220; Raus aus der Enge des Elternhauses, raus aus den Traditionen, raus aus allen Kasterln, in die man ihn hineingesteckt hatte. Er möchte den ihm vorgegeben Weg nicht gehen. Er will hinein ins Abenteuer, hinein ins Leben, in die Autonomie, die Selbstständigkeit. Der junge Mann, nennen wir ihn <strong>Merchav</strong> (מֶרְחָב). Denn das bedeutet große Weite, unendlicher Raum und symbolisiert die Freiheit, die man für sich selber sucht. Merchav fordert sein Erbe. Er sagt zum Vater das Schlimmste, dass ein Kind zu den Eltern sagen kann: „Du bist für mich schon tot, gib mir mein Geld.“ „Gib mir mein Erbe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vater, wohl auch ein wenig überrumpelt und enttäuscht, lässt seinen Sohn Merchav ziehen. Der Sohn Merchav zieht ins Ausland, lebt das schönste verführerische Leben und verprasst alles Geld, dass ihm der Vater vermacht hatte. Und dann kommt die Krise. Und eine Hungersnot bricht aus. Am Tiefpunkt seines Lebens landet Merchav im Schweinestall. Für die jüdischen Zuhörer von Jesus war das ein absolutes Maximum an Unreinheit, an Würdelosigkeit. Er hat Hunger, er ist einsam, tiefer kann niemand fallen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibt es diese Schweineställe nicht auch mitten in unserer glänzenden Stadt? Die Orte, an denen Menschen feststellen, dass ihr Lebensentwurf komplett gescheitert ist? Wenn die Beziehungen zerbrechen, wenn die Karriere in die Sackgasse führt, wenn die Suche nach dem puren Selbstgenuss in einer inneren Leere oder in Sucht und Abhängigkeiten endet? Der Schweinestall wird hier zum Symbol tiefster Verlorenheit. Ich habe mich selbst verloren. Freiheit bedeutet eben auch die Freiheit, sich zu verirren und sich zu verlieren. Aber dann passiert in der Geschichte das Entscheidende. Es kommt zur dramatischen Wende. Nur vier Worte sind es. <em>„Da kam er zur Besinnung.“</em> Merchav wacht auf, denkt nach langer Zeit endlich mal wieder nach und gibt schließlich zu: Ich habe mich verrannt. Er formuliert eine Beichte, die er dem Vater sagen will, nicht aus Stolz, sondern aus purer Not: <em>„Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.“</em> So macht Merchav sich auf den Weg zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun möchte ich kurz auf den Namen des Vaters eingehen. Er hieß – sag ich mal &#8211; <strong>Noam</strong> (נוֹעַם), denn darin spiegeln sich auf Hebräisch Güte, Freundlichkeit und Lieblichkeit wider. Und beim Aufeinandertreffen des Vaters Noam und des Sohnes Merchav kommt es zur großen Versöhnung inklusive Umarmung. Es ist die Wende der Geschichte, die das Herz unseres christlichen Glaubens ausmacht. Darin ist der Glaube herzlich auf eine innige Art und Weise, wie sie uns fröhlich stimmen soll. Und es ist die Wende, die wir im eigenen Leben, wenn wir so etwas erleben, tief in uns bis zum letzten Atemzug verinnerlichen. So eine Begegnung mit Gnade, mit Güte, wenn uns jemand mit offenen Armen empfängt, verändert uns komplett. Der Vater Noam sieht seinen Sohn Merchav von weitem. Noam wartet nicht, bis der Sohn kriechend um Vergebung bittet. Er läuft ihm entgegen. Ein älterer orientalischer Herr, der läuft, das war damals hochgradig peinlich und unschicklich. Der Vater vergisst seine Würde vor lauter Liebe. Er fällt Merchav um den Hals, küsst ihn. Noch bevor der Sohn seine mühsam einstudierte Beichte ganz zu Ende sprechen kann, unterbricht ihn der Vater schon. Keine Standpauke. Kein „Ich habe es dir ja gleich gesagt“. „Was soll aus dir einmal werden!“ Stattdessen lässt der Vater das beste Gewand für seinen Sohn bringen und steckt ihm einen Ring an und ruft ein Fest aus. Ein Fest, ein Fest! Es ist Zeit für ein Fest!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde, das ist das Bild Gottes, das Jesus uns zeichnet. Und es passt genau zu dem, was der Prophet Micha jubelnd ausruft: <strong><em>„Herr, wo ist ein Gott wie du?</em></strong> <strong><em>Du verzeihst uns die Schuld.</em></strong> <strong><em>Du bleibst nicht zornig, denn du liebst es, gnädig zu sein! Du wirfst alle unsere Sünden ins tiefste Meer.“</em></strong> Gott rechnet nichts gegen uns auf. Gott ist kein Buchhalter meiner Fehler. Gottes Gnade uns gegenüber ist bedingungslos. Das kann man sich kaum vorstellen. Für uns Reformierte, die wir so stark betonen, dass das Heil allein aus Gottes Gnade (<em>sola gratia</em>) kommt, ist diese Szene das pure Evangelium. Wir können uns Gottes Liebe nicht erarbeiten. Sie ist schon da. Sie läuft uns entgegen wie NOAM, der Vater. In der vorletzten Woche hatte ich bei Reifeprüfungen zur Matura den Beisitz bei meiner Kollegin Réka Juhász. Und da konnten wir auch Maturafragen von unseren römisch-katholischen Lehrerkollegen hören. Und bei einer Antwort wurde vom Kandidaten auf die Frage wie das „mit allein aus Gnaden sei“ gesagt: „Bei den Protestanten gibt es diese Idee des Allein aus Gnade. Allein die Gnade Gottes ist es, die zählt.“ Und der Unterschied zu ihnen als katholischen Gläubigen sei es eben, dass hier noch die Werke dazukommen. Es braucht Werke, damit Gott gnädig gestimmt wird. Der Kandidat bekam ein Sehr Gut beim römisch-katholischen Lehrerkollegen und ich finde zurecht. Denn es ist ein völlig unterschiedlicher Zugang zur Frage: „Lässt sich GOTT gnädig stimmen?“ Durch Pilgerreisen, Almosengeben, Fasten, Gebete, Eucharistie, Gottesdienstbesuche und das Einhalten der Zehn Gebote. Evangelische antworten „Nein.“ Katholiken hingegen „Ja!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch die Geschichte von Noam und seinem Sohn Merchav ist hier nicht zu Ende. Und jetzt wird es unbequem für uns, die wir heute hier sind. Denn es folgt der Auftritt des älteren Bruders. Und auch ihm möchte ich hier gerne einen Namen geben. <strong>Menachem</strong> meint so viel wie: Der Tröster, der den Eltern Erleichterung bringt. Und Menachem hat sich auch aufgeopfert für seine Eltern, hat am Hof und im Betrieb mitgewirkt, geschuftet, war der Sohn, auf den sich Noam und seine Frau <strong>Ne&#8217;elama</strong> (נֶעֱלָמָה)<strong> „</strong>Die Unsichtbare“, „die Verborgene“, die verborgen oder unsichtbar bleibt, verlassen haben können. Menachem kommt müde vom Feld. Er hört die Musik, riecht den Braten und erfährt schließlich, was los ist. Und Menachem wird wütend. Er verweigert das Fest und den Mummenschanz, der rund um seinen Bruder Merchav getrieben wird.  Warum? Seine Argumente sind für mich absolut nachvollziehbar! Er sagt zum Vater: <em>„All diese Jahre habe ich mich für dich abgerackert. Nie habe ich dein Gebot übertreten. Aber für diesen Versager schmeißt du ein Fest?“</em> Können wir ihn nicht verstehen? Ist das nicht ungerecht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erinnern wir uns an den Beginn. Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgern sich über Jesus, weil er mit den „Zöllnern und Sündern“ speist und spricht und scherzt und singt. Der ältere Bruder Menachem steht für die Frommen, die Anständigen, die Leistungsbereiten. Für diejenigen, die sich an die Regeln halten und nun neidisch auf die schauen, denen einfach so vergeben wird. Das Problem des älteren Bruders Menachem ist nicht, dass er fleißig war. Sein Problem ist, dass er im Haus des Vaters lebte, aber nicht versucht hat, seine Eltern wirklich innig zu verstehen. Sonst wäre ihm das Verhalten seines Vaters nicht so seltsam vorgekommen. Menachem sah sich nicht als ein geliebtes Kind seiner Eltern, sondern er fühlt sich als Knecht, der sich die Liebe hart erarbeiten muss. Und weil er seine eigene Leistung so hoch bewertet, kann er die Gnade für den anderen, seinen jüngeren Bruder Merchav, der die Freiheit und Weite gesucht hat, nicht ertragen. Der ältere brave Sohn macht aus der Beziehung zum Vater ein reines Tauschgeschäft. Wie reagiert man da nun als Vater oder als Mutter? Schließt man den älteren Sohn einfach aus? Sicher nicht. Man geht auf die Kinder zu, und NOAM geht auch <em>zum grantigen Menachem</em> hinaus. Er wirbt um seinen Sohn, will sich nicht für das eine oder andere Kind entscheiden wollen: <em>„Mein Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.“</em> Er erinnert ihn an das Privileg, das er die ganze Zeit hatte: die Gemeinschaft mit dem Vater Noam und der Mutter Ne´elama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus lässt das Gleichnis offen. Wir erfahren nicht, ob der ältere Bruder am Ende ins Haus hineingeht und mitfeiert. Das Gleichnis bricht ab – weil es eine Frage an uns als Zuhörer ist: Können wir die Gnade Gottes feiern und bejubeln oder auch nur annehmen und uns vorstellen, wenn sie den anderen gilt? Denen, die wir vielleicht insgeheim verurteilen? Den „verrufenen Leuten“ unserer Tage? Liebe Gemeinde, die Botschaft für diesen Sonntag im Juni 2026 ist klar: Gott lädt uns alle ein. Er lädt die ein, die gescheitert sind und im Schlamm des Lebens sitzen oder saßen. GOTT sagt hier: „<em>Kommt heim, eure Würde ist unantastbar.“</em> Und er lädt die Fleißigen, die Bitteren und die Korrekten ein und sagt ihnen: „<em>Hört auf zu rechnen! Freut euch an dem, was ihr habt, und feiert das Leben der anderen mit.“</em> Es ist sicher nicht leicht, sich aus der Dürre des Misstrauens und der Leistungsgesellschaft herausrufen zu lassen. Und dass Gott unsere Sünden ins tiefste Meer wirft, mögen wir für uns selbst gut annehmen können, aber für die anderen? Dabei müssen wir zusammen nur ein paar Schritte gehen, wir müssen nur hineingehen zum „Fest der Versöhnung“, dass der Vater Noam und seine Frau Ne`elama für ihren Sohn Merchav und ihren Sohn Menachem feiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdient hatte es der junge Sohn nicht, aber das spielt bei GOTT eben keine Rolle. Und es sollte bei uns auch keine spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amen.</p>
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		<title>Herbstreise nach Südtirol</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/06/11/herbstreise-nach-suedtirol/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2026 10:09:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelles]]></category>
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		<title>Johannes Langhoff: Das süße Gift der Eifersucht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Uz Potyka-Reiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Jun 2026 15:25:56 +0000</pubDate>
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		<title>Johannes Langhoff: Sammeln und Zeigen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Uz Potyka-Reiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jun 2026 16:36:36 +0000</pubDate>
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		<title>Das Blatt 2/2026</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 08:36:00 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[Das Blatt]]></category>
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		<title>Johannes Langhoff: Was für ein (Un-)Sinn</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/31/johannes-langhoff-was-fuer-ein-un-sinn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Uz Potyka-Reiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 31 May 2026 16:39:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
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		<title>24. Mai 2026 &#8222;PFINGSTEN: GOTT liebt Vielfalt&#8220;</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/24/24-mai-2026-pfingsten-gott-liebt-vielfalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:04:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
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					<description><![CDATA[Apostelgeschichte 2, 1-21 mit Pfr. Harald Kluge Liebe Gemeinde, haben Sie schon einmal auf einem belebten Marktplatz einer Weltmetropole gestanden? In London, New York, Paris – oder einfach am Wiener [&#8230;]]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph">Apostelgeschichte 2, 1-21 mit Pfr. Harald Kluge</p>



<span id="more-7385"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde, haben Sie schon einmal auf einem belebten Marktplatz einer Weltmetropole gestanden? In London, New York, Paris – oder einfach am Wiener Brunnenmarkt, am Graben oder in der Kärntnerstraße? Wenn man dort die Augen schließt und nur lauscht, wird man Zeuge eines faszinierenden Phänomens: Ein dichtes, wogendes Meer aus Lauten brandet an unser Ohr. Das weiche Melodische des Spanischen, das Kehlige des Arabischen, die rhythmischen Klicks afrikanischer Dialekte, das fast singende Chinesische.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zuerst wie ein unentwirrbares Chaos klingt, entpuppt sich bei genauem Hinhören als enorme Lebendigkeit. Jede Sprache ist ein eigenes Universum. Jede Sprache transportiert eine eigene Art, die Welt zu sehen, zu fühlen, zu lieben und zu trauern. Fühlen auf Spanisch „Feel“, lieben auf Arabisch الحب (al-ḥubb). Trauern auf Chinesisch 哀悼. (āidào – eidau).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor wenigen Tagen, am 21. Mai, haben wir weltweit den <em>„Tag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung“</em> begangen. Dieser Welttag wurde vor 25 Jahren von der UNO ins Leben gerufen – als Reaktion auf Ereignisse, die die Menschheit zutiefst erschütterten, wie die barbarische Sprengung der jahrhundertealten Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban im März 2001.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Taten führen vor Augen, wie zerbrechlich Kulturen sind. Keine ist davor gefeit, mutwillig zerstört zu werden. Der „Tag der kulturellen Vielfalt“ ist im Grunde ein sperriger Name für etwas zutiefst Menschliches: Wir feiern die Tatsache, dass Gott uns eben gerade nicht aus einer einzigen Schablone gestanzt hat. Und heute, am Pfingstsonntag, feiern wir – so wird allgemein gesagt &#8211; den Geburtstag der Kirche, dem, was sie ausmacht. An diesem Tag haben die Anhängerinnen und Anhänger Jesu den Schritt aus ihrer Traurigkeit und ihrem Rückzug hinein ins Leben gewagt. Diese beiden Anlässe gehören untrennbar zusammen. Pfingsten ist das biblische Ur-Fest der kulturellen Vielfalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hören wir dazu die Erzählung aus der Apostelgeschichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Zum Beginn des jüdischen Schawuotfestes waren alle, die zu Jesus gehörten, in Jerusalem beieinander. Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus. Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf jedem Einzelnen von ihnen niederließ. So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in fremden Sprachen zu reden, jeder so, wie der Geist es ihm eingab.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">In Jerusalem hatten sich viele fromme Juden aus aller Welt niedergelassen. Als sie das Brausen hörten, liefen sie von allen Seiten herbei. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden. »Wie ist das möglich?«, riefen sie außer sich. »Alle diese Leute sind doch aus Galiläa, und nun hören wir sie in unserer Muttersprache reden; ganz gleich ob wir Parther, Meder oder Elamiter sind. Andere kommen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus, Asia, Phrygien, Pamphylien, Ägypten, Libyen oder Rom. Wir sind Juden, Kreter und Araber.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Doch jeder von uns hört diese Menschen in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!« Erstaunt und ratlos fragte einer den anderen: »Was soll das bedeuten?« Einige aber spotteten: »Die haben doch nur zu viel getrunken!«</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Da erhob sich Petrus mit den elf Aposteln und rief der Menge zu: »Hört her! Diese Männer sind nicht betrunken, es ist ja erst neun Uhr morgens. Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt hat: ›In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich in jenen Tagen meinen Geist geben. Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.‹«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Festgemeinde!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir an die Vielfalt von Sprachen denken, fällt uns meist zuerst der Turmbau zu Babel ein. Menschen wollten hoch hinaus, ein Denkmal der eigenen Macht setzen – ganz ähnlich wie heutige Tech-Milliardäre, die ihre Server ins Weltall verlagern wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals sprachen alle dieselbe Sprache. Doch Gott schritt ein, verwirrte ihre Sprache und zerstreute sie. Jahrhundertelang wurde diese Geschichte so ausgelegt, als sei Vielfalt eine Strafe Gottes, ein Fluch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Pfingstfest räumt gründlich mit diesem Missverständnis auf. 50 Tage nach Ostern bricht der Heilige Geist über die verlassenen Jünger herein. Nicht leise, sondern wie ein kosmischer Weckruf. Und was macht dieser Geist? Bringt er ihnen eine himmlische Einheitssprache bei? Verlangt er, ab jetzt nur noch auf Latein, Griechisch oder Aramäisch zu predigen? Nein! Gerade im Glauben soll es keine standardisierte Kommunikation geben. Der Geist Gottes lässt diese einfachen Fischer aus Galiläa, die man an ihrem Dialekt sofort erkannte, in den Muttersprachen der Völker reden. Das Wunder besteht darin, dass die Menschen sich nicht anpassen müssen, um Gott zu verstehen. Gott passt sich ihnen und ihrer Kultur an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns in der evangelisch-reformierten Tradition ist das ein zentraler Gedanke. Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf predigten ganz bewusst in der Sprache des Volkes, nicht auf Latein. Warum? Weil das Evangelium die jeweilige Kultur nicht verdrängen, sondern bereichern will. In unserer heutigen Gesellschaft erleben wir eine merkwürdige Gleichzeitigkeit. Auf der einen Seite ist unsere Welt durch Globalisierung und Migration so vielfältig wie nie zuvor. In den Wiener Schulen haben über 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund – Wien war eben immer schon ein Schmelztiegel. Auf der anderen Seite erleben wir eine enorme Angst vor dieser Vielfalt. Die einen fordern radikale Assimilation, die anderen flüchten sich in aggressiven Nationalismus. Und Ewiggestrige faseln von „Remigration“, als ob man Menschen wie Waren hin- und herschieben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pfingsten zeigt uns einen dritten Weg.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geistausgießung schafft Einheit, aber nicht Gleichheit. Der Kreter bleibt Kreter, die Araberin bleibt Araberin. Ihre kulturelle Identität wird nicht ausgelöscht. Aber das Trennende, das Feindselige wird überwunden. Sie verstehen einander. Karl Barth schrieb einmal, dass die Gemeinde kein Monolith ist, sondern ein lebendiger Organismus, der von den Unterschieden seiner Glieder lebt. Wenn alle gleich wären, wäre der Leib Christi gelähmt. Gott liebt die Biodiversität des Geistes. Petrus wehrt sich gegen die Spötter, die sagen: „Mein Gott, sind die besoffen?!“ und zitiert den Propheten Joel. Dieser Text bricht alle Hierarchien auf:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Söhne <em>und</em> Töchter werden weissagen. Nicht die gelehrten und älteren angesehenen Männer. Junge <em>und</em> Alte arbeiten zusammen, anstatt sich in Grabenkämpfen zu zerreiben. Und sogar auf die Knechte und Mägde – die sozial Benachteiligten – wird der Geist ausgegossen. Hier wird eine radikale Gleichwertigkeit proklamiert, die jede soziale Barriere sprengt. Pfingsten ist ein zutiefst befreiendes, demokratisches Ereignis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kulturelle Vielfalt in der Kirche bedeutet deshalb nicht, einmal im Jahr ein „interkulturelles Buffet“ mit Hummus und Frühlingsrollen zu veranstalten. Es bedeutet Machtteilung. Es bedeutet anzuerkennen, dass unsere westlich-europäische Art, Christsein zu leben, nur eine von vielen Farben im göttlichen Malkasten ist. Was fangen wir nun an mit diesem Pfingstgeist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Predigttext schließt mit den Worten: <em>„Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist die Kernbotschaft, die alle Kulturen verbindet. Unser Auftrag als reformierte Kirche – als <em>ecclesia semper reformanda</em>, die sich ständig erneuert – ist der Auftrag zur Übersetzung. Wir müssen Sprachbarrieren abbauen und Räume des Dialogs öffnen. Aber wir müssen die Botschaft von der Gnade Gottes auch in die Sprachen der heutigen Zeit übersetzen: in die Sprache der Digitalisierung, in die Sprache der sozialen Nöte, zu den Menschen, die mit traditionellen kirchlichen Begriffen nichts mehr anfangen können. Das Wunder von Pfingsten liegt nicht in der Vergangenheit. Pfingsten passiert auch heute noch – überall dort, wo wir den Mut aufbringen, aus unseren geschlossenen Räumen herauszutreten, direkt auf den Marktplatz des Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vielfalt bedroht uns nicht, sie bereichert uns. Sie ist das lebendige Zeichen dafür, dass Gottes Geist weht, wo er will. Ein Tag der kulturellen und sprachlichen und religiösen Vielfalt gemeinsam mit dem Pfingstfest wäre toll als ein gemeinsames Fest einer weltweiten Geschwisterlichkeit. Das würde doch vieles heilen helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Johannes Langhoff: Von unbändiger Freude bis zu herzerweichender Trauer</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/23/johannes-langhoff-von-unbaendiger-freude-bis-zu-herzerweichender-trauer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ludwig Uz Potyka-Reiter]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 May 2026 10:29:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7391</guid>

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