<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Predigt &#8211; Reformierte Stadtkirche Wien</title>
	<atom:link href="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/category/predigt/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp</link>
	<description>Website der Evangelischen Pfarrgemeinde H.B. Wien Innere Stadt - in Entwicklung</description>
	<lastBuildDate>Wed, 30 Sep 2026 07:24:45 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.1.3</generator>

<image>
	<url>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2020/11/cropped-Innen-F_Bwag-scaled-2-32x32.jpg</url>
	<title>Predigt &#8211; Reformierte Stadtkirche Wien</title>
	<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>27.09.2026: Predigt zu Matthäus 15,21-31</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/09/30/27-09-2026-predigt-zu-matthaeus-1521-31/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2026 07:24:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7849</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="pdfjs-fullscreen"><a href="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2026/09/Predigt_GoDi2026_09_27.pdf&#038;attachment_id=7850&#038;dButton=true&#038;pButton=false&#038;oButton=false&#038;sButton=true&#038;editButtons=true&#038;v=3.1.1&#038;_wpnonce=66c325f283#zoom=auto&#038;pagemode=none"  aria-label="PDF als Vollbild öffnen">Vollbildansicht</a></div><a href="#pdfjs-viewer-skip" class="screen-reader-text">Zum PDF-Inhalt springen</a><div role="region" aria-label="PDF-Anzeiger" id="pdfjs-viewer-skip"><iframe width="100%" height="800px" src="https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/plugins/pdfjs-viewer-shortcode/pdfjs/web/viewer.php?file=https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/wp-content/uploads/2026/09/Predigt_GoDi2026_09_27.pdf&#038;attachment_id=7850&#038;dButton=true&#038;pButton=false&#038;oButton=false&#038;sButton=true&#038;editButtons=true&#038;v=3.1.1&#038;_wpnonce=66c325f283#zoom=auto&#038;pagemode=none" title="PDF-Dokument: Predigt_GoDi2026_09_27.pdf" aria-label="PDF-Dokument: Predigt_GoDi2026_09_27.pdf" class="pdfjs-iframe" tabindex="0" loading="lazy" style="max-width: 100%;"></iframe></div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>6. September 2026 &#8222;Gottes Spuren&#8220; mit Harald Kluge zu Lukas 19, 1-10</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/09/06/6-september-2026-gottes-spuren-mit-harald-kluge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Sep 2026 16:32:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7793</guid>

					<description><![CDATA[Lukas 19 1&#160;Jesus zog mit seinen Jüngern durch Jericho. 2&#160;Dort lebte ein sehr reicher Mann namens Zachäus, der oberste Zolleinnehmer. 3&#160;Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<span id="more-7793"></span>



<figure class="wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio"><div class="wp-block-embed__wrapper">
<iframe title="&quot;Gottes Spuren&quot; Audio-Gottesdienst am 6.9.2026 mit Pfarrer Harald Kluge zu Lukas 19,1-10." width="500" height="281" src="https://www.youtube.com/embed/1uUezqBRqGI?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Lukas 19</p>



<p class="wp-block-paragraph">1&nbsp;Jesus zog mit seinen Jüngern durch Jericho. 2&nbsp;Dort lebte ein sehr reicher Mann namens Zachäus, der oberste Zolleinnehmer. 3&nbsp;Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die Menschenmenge machte ihm keinen Platz. 4&nbsp;Da rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, der am Weg stand. Von hier aus hoffte er, einen Blick auf Jesus werfen zu können. 5&nbsp;Als Jesus dort vorbeikam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich soll heute dein Gast sein!« 6&nbsp;Eilig stieg Zachäus vom Baum herunter und nahm Jesus voller Freude mit in sein Haus. 7&nbsp;Als die Leute das sahen, empörten sie sich über Jesus: »Wie kann er das nur tun? Er lädt sich bei einem Gauner und Betrüger ein!« 8&nbsp;Zachäus aber wandte sich an Jesus und sagte: »Herr, ich werde die Hälfte meines Vermögens an die Armen verteilen, und wem ich am Zoll zu viel abgenommen habe, dem gebe ich es vierfach zurück.« 9&nbsp;Da entgegnete ihm Jesus: »Heute hat Gott dir und allen, die in deinem Haus leben, Rettung gebracht. Denn auch du bist ein Nachkomme von Abraham. 10&nbsp;Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten.« 11&nbsp;Die Leute hörten Jesus aufmerksam zu. Sie meinten, Gottes Reich würde unmittelbar anbrechen, sobald Jesus in Jerusalem eintraf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Haben Sie in letzter Zeit einmal nach Spuren gesucht? Vielleicht beim Spaziergang im Wald nach den Abdrücken von Rehen im weichen Schlamm? Oder auf dem Asphalt nach den Reifenspuren eines Autos?  Wer Spuren sucht, sucht den Beweis für etwas, das da war oder noch da ist, aber nicht direkt ins Auge fällt. Eine Spur verrät mir: Hier ist etwas geschehen. Hier ist jemand entlanggegangen. Gott hinterlässt Fußabdrücke, Spuren. Doch wo suche ich danach? Wo erwarte ich, dass ich solche Zeichen finden kann? Wenn wir heute in die Erzählung von Jesus und Zachäus blicken, begegnen wir einem Mann, dessen ganzes Leben zu einer Verzweiflungsjagd nach genau diesen Spuren geworden war. Sein Name ist Zachäus. Wir kennen ihn meistens als den reichen, fiesen Zöllner aus Jericho. Als den Mann, der die eigenen Leute für die römischen Besatzer ausnahm und seine Taschen füllte. Aber treten wir heute einmal einen Schritt zur Seite und betrachten die Szene mit seinen Augen. Versetzen wir uns in die Perspektive dieses Mannes, der wegen seiner Profession als Zöllner, einen schlechten Ruf hatte, ausgegrenzt wurde, heute würden wir vielleicht sagen, gemobbt wurde.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zachäus war eher klein. Bei einer geschätzten Durchschnittsgröße von 1,65 m könnte Zachäus 1,40 oder 1,50 gewesen sein. Und wir erfahren, er sei gierig nach Geld und Steuern gewesen. Unter der äußeren Schicht aus Geld, Rang und Isolation brannte in ihm aber eine tiefsitzende Sehnsucht. Zachäus suchte Gott. Er sehnte sich nach Gott. Und er suchte ihn nicht halbherzig. Er suchte ihn mit ganzem Herzen, mit all seinen Sinnen, mit voller Leidenschaft und einem brennenden Gefühl im Bauch. Zachäus wollte wissen: Wo bist du, Gott? Wo ist das Leben, das nicht nach Münzen und Macht bemessen wird? Zuerst suchte Zachäus Gott bei den Priestern. Er ging dorthin, wo die Profis des Glaubens saßen. Ihm wurde bei den immergleichen Ritualen, dem Rauch der Opfergaben, und dieser Versessenheit nach feierlichen liturgischen Gewändern ganz schwindelig. Er fand dort nur ein gut geöltes System. Formeln, Abläufe, Traditionen. Keine Lebensspur Gottes für ein zerbrochenes Herz. Dann suchte er bei den Schriftgelehrten, den Intellektuellen und Weisen seiner Zeit. Er hörte ihren klugen Debatten zu, las in ihren Gesetzesauslegungen. Doch er fand nur Paragraphen, Fußnoten und moralische Zeigefinger und gescheite Phrasen. Gott schien in den Papierbergen und Klügeleien der Gelehrten erstickt zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zachäus suchte Gott direkt im Tempel zu Jerusalem. Er brachte Opfer mit – so viel er konnte, so viel er nur geben konnte. Er versuchte, sich Gottes Nähe zu erkaufen oder zu verdienen. Doch der Himmel blieb stumm. Der Tempel war eindrucksvoll, aber es ließ ihn kalt. Schließlich schloss er sich vielleicht sogar gedanklich den religiösen Eiferern an, den Pharisäern. Jenen Männern, die ihr gesamtes Leben an messerscharfen Regeln und Geboten ausrichten wollten, um Gott herab zu zwingen. Aber auch dort wurde Zachäus nicht fündig. Dort erlebte er nur Enge, Selbstgerechtigkeit und Abwertung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer den Maßstäben nicht entsprach – und ein Zöllner entsprach ihnen per Definition nicht –, blieb draußen. Nirgends eine Spur von Gott. Nur Religion. Nur Menschliches. Nur Fassade. Und dann hört Zachäus eines Tages dieses Gerücht: Jesus aus Nazareth kommt nach Jericho! Dieser Wanderprediger, von dem man sich Geschichten erzählt, die einem den Atem rauben. Dieser Mann, der Aussätzige anfasst, der mit Sündern isst, der Worte spricht, die wie frisches Wasser in der Wüste wirken. In Zachäus keimt eine wilde Hoffnung auf. Wenn Gott überhaupt irgendwo Spuren hinterlassen hat, dann in den Fußstapfen dieses Jesus. In seinen Worten, dem, was er sagt und spricht und seinem Blick und seiner Berührung. Aber als Jesus durch Jericho zieht, prallt Zachäus gegen eine unüberwindbare Wand. Und diese Wand besteht aus Menschen. Zachäus war klein im Vergleich zu seinen Mitmenschen. Doch sein größtes Hindernis war nicht seine Körpergröße, sondern der Argwohn seiner Mitbürger. Die Einwohner Jerichos blickten auf ihn herab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie kannten ihn. Sie verachteten ihn. Sie dachten: „Dieser Verräter? Dieser Gauner? Der hat hier nichts zu suchen!“ Keiner machte ihm Platz. Niemand rückte auch nur einen Zentimeter zur Seite. Sie bildeten eine dichte, undurchdringliche Mauer aus Schultern und Rücken. Sie versperren ihm den Blick. Wie oft passiert genau das in der Welt – und leider auch in den Kirchen? Menschen, die sich für beispielhaft und rechtgläubig halten, verstellen allen anderen die freie Sicht. Zachäus verzweifelte. Er stand da unten, im Staub, gedemütigt, abgeschnitten, zu klein für diese Welt. Doch die Sehnsucht war stärker als die Scham. Zachäus tut etwas völlig Verrücktes, seinem Stand ganz und gar nicht entsprechend. Er läuft voraus und klettert auf einen Maulbeerfeigenbaum. Er macht sich lächerlich, nur um einen einzigen Blick zu erhaschen. Oben im Geäst sitzt dieser Mann und wartet. Und während wir Zachäus da oben sitzen sehen, ruft uns der Predigttext zweierlei zu – zwei Haltungen, die unser Leben und unseren Glauben so oft vergiften: Erstens: Machen Sie sich nicht so groß – Sie sind nicht so klein! Dieser Satz geht an die Menge unten auf der Straße. An die Selbstgerechten, die Besserwisser, die Anständigen von Jericho. Sie fühlen sich ja so groß. Sie sind die Mehrheit. Sie wissen genau, wer zu Gott gehört und wer nicht. Sie blicken voller Stolz auf ihr regelkonformes Leben oder ihre Ansichten, die sie für unumstößlich wahr halten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Wahrheit ist: Wenn wir uns selbst so aufblasen, wenn wir uns über andere erheben und über andere richten, dann machen wir uns in Wirklichkeit winzig klein. Wer sich groß macht, aufbläht, verliert die Herzensweite. Wer meint, Gott gepachtet zu haben, baut Mauern, anstatt Türen zu öffnen. Wer sich so groß macht, übersieht, dass er vor Gott genauso ein Bedürftiger ist wie der Zöllner auf dem Baum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und der zweite Satz gilt Zachäus: Machen Sie sich nicht so klein – Sie sind nicht so groß! Dieser Satz gilt Zachäus da oben auf dem Baum – und vielleicht manchem von uns heute Morgen. Zachäus fühlt sich unendlich klein. Von den Menschen verachtet, von den religiösen Eliten abgelehnt, vor Gott gescheitert. Er denkt: „Ich bin nichts wert. Gott kann mit mir nichts anfangen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Botschaft Gottes lautet: Machen dich nicht so klein! Du bist in den Augen Gottes nicht so bedeutungslos, wie du denkst oder wie andere dich machen wollen. Aber überschätze dich auch nicht! Deine Schuld oder Verfehlungen – Deine Unvollkommenheit ist nicht so groß, dass Gottes Gnade sie nicht überwinden könnte! Kein Graben, den ein Mensch gräbt, ist zu tief für die Brücke, die Gott schlägt. Und dann passiert das Unerwartete. Jesus geht nicht einfach vorbei am Mann im Baum. Er bleibt unter diesem Baum stehen. Jesus blickt nach oben, schaut auffe. Er blickt nicht voller Verachtung auf den Zöllner herab, wie es die Bürger Jerichos tun. Jesus schaut ihm in die Augen. Und er spricht ihn mit seinem Namen an: „Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren!“ Der Philosoph Martin Buber hat den Satz geprägt: <strong>„Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“</strong> Zachäus hatte Jahre damit verbracht, nach Gott in Systemen zu suchen: in Institutionen, in Büchern, in Tempelritualen und in Moralregeln. Aber Gott lässt sich nicht in Dogmen einfangen. Gott begegnet uns nicht als abstrakte Idee, sondern als Person. In dem Moment, als Jesus ihn ansieht und seinen Namen ruft, versteht Zachäus: Die Spuren Gottes findet man nicht durch eigene Anstrengung oder religiöse Leistung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott lässt sich finden, indem er zu uns kommt. Nicht im Palast, nicht im verriegelten Heiligtum, sondern mitten im Leben, im Haus eines Sünders, an einem ganz normalen Tag in Jericho. Das ist die befreiende Wendung: Nicht Zachäus findet Gott – Gott findet Zachäus. Zachäus steigt eilig vom Baum herunter und nimmt Jesus voller Freude bei sich auf. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Menge draußen murrt: »Wie kann er das nur tun? Er lädt sich bei einem Gauner und Betrüger ein!« Sie verstehen nicht, was hier gerade geschieht. Sie sehen nur den Bruch der Regeln. Doch im Haus des Zachäus geschieht etwas Gewaltiges. Die Begegnung mit der Gnade verwandelt diesen Mann von innen heraus. Er steht auf und sagt: „Siehe, Herr, die Hälfte meines Begüterten gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ Kein Gebot hat ihn dazu gezwungen. Keine Strafe wurde ihm angedroht. Kein Priester hat ihm eine Buße auferlegt. Die Veränderung geschieht aus purer Dankbarkeit. Deshalb sei an dieser Stelle ein augenzwinkernder, aber zutiefst ernster Warnhinweis erlaubt: <strong>Vorsicht vor Erlebnissen mit religiösem Touch!</strong> Sie sind nicht ungefährlich. Sie können Spuren von Glauben, Liebe und Hoffnung enthalten! Wer sich auf eine echte Begegnung einlässt, so wie damals Zachäus mit Jesus, mag nicht derselbe bleiben. Der Glaube ist kein beruhigendes Schlafmittel für das Gewissen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Glaube ist eine lebendige Kraft. Er bringt festgefahrene Lebensentwürfe ins Wanken und uns womöglich zum Tanzen. Er lässt uns die Welt mit anderen Augen sehen – mit Augen der Liebe und der Versöhnung. Gott hinterlässt nicht nur Spuren in der Vergangenheit. Er hinterlässt seine Spuren heute – in jedem Herz, das sich für seine Zusage öffnet. Genau das haben wir auch in der Schriftlesung von Jakob gehört. Jakob schläft auf freiem Feld, mit einem Stein als Kopfkissen, auf der Flucht vor seinem Bruder. Und dort, am tiefsten Punkt, träumt er von der Himmelsleiter und Gott sagt ihm zu: „Ich bin mit dir.“ Als Jakob aufwacht, ruft er erstaunt aus: „Wahrlich, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gottes Spuren sind oft schon da, wo wir sie am wenigsten vermuten. Liebe Gemeinde! Jesus schließt die Szene in Jericho mit einem wunderbaren Satz ab: „Heute hat Gott dir und allen, die in deinem Haus leben, Rettung gebracht.“ Wir fühlen uns sicher manchmal wie Zachäus: müde von der Suche, enttäuscht von religiösen Phrasen, eingeengt von den Blicken anderer, klein gemacht oder verunsichert. Oder wir bemerken da und dort, dass wir uns über andere erheben, Richtlinien aufstellen und den Weg für andere versperren. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Machen wir uns nicht so groß – wir sind nicht so klein! Legen wir unseren falschen Stolz ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Machen wir uns nicht so klein – wir sind nicht so groß!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir müssen Gott nach dieser Begegnung eben nicht unerreichbaren Höhen oder in starren Systemen suchen. Wenn wir aufmerksam auf die Begegnungen im Alltäglichen achten, dann könnten wir die leisen Spuren von Glauben, Liebe und Hoffnung, entdecken. Jesus bleibt auch heute immer wieder stehen, schaut zu unseren hochgehängten Gemütern hoch und sagt: „Bei dir will ich heute sein.“ An uns ist es dann nur, den Baum runterzusteigen und einladend zu sein. </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>12.7.2026 1 Mose 25, 19-34 &#038; Matthäus 13, 1-23 von Pfarrer Harald Kluge</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/07/12/12-7-2026-1-mose-25-19-34-matthaeus-13-1-23-von-pfarrer-harald-kluge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Jul 2026 07:45:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7632</guid>

					<description><![CDATA[„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“ 1 Mose 25,19-34 Hier beginnt die Familiengeschichte von Isaak: Isaak war Abrahams Sohn. Isaak war 40 Jahre alt, als er Rebekka heiratete. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">„Du bist nicht du, wenn du hungrig bist!“</p>



<span id="more-7632"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>1 Mose 25,19-34</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier beginnt die Familiengeschichte von Isaak: Isaak war Abrahams Sohn. Isaak war 40 Jahre alt, als er Rebekka heiratete. Sie war die Tochter des Aramäers Betuël und Schwester von Laban, und sie stammte aus Mesopotamien. Rebekka blieb kinderlos. Isaak betete für sie zum HERRN, und der HERR erhörte seine Bitte. Rebekka wurde schwanger. Als sie merkte, dass es Zwillinge waren, die sich im Mutterleib gegenseitig stießen, seufzte sie: »Jetzt bin ich endlich schwanger. Warum müssen sich meine Kinder nun ausgerechnet bekämpfen?« Sie fragte den HERRN, und er antwortete ihr: »Von den zwei Söhnen in deinem Leib werden einmal zwei verfeindete Völker abstammen. Eins wird mächtiger sein als das andere, der Ältere wird dem Jüngeren dienen.« Und tatsächlich – als die Stunde der Geburt kam, brachte Rebekka Zwillinge zur Welt. Der erste war am ganzen Körper mit rötlichen Haaren bedeckt, wie ein Tierfell. Darum nannten ihn seine Eltern Esau, »der Behaarte«. Dann kam sein Bruder; er hielt bei der Geburt Esau an der Ferse fest, und so nannten sie ihn Jakob, »Fersenhalter«. Isaak war 60 Jahre alt, als die beiden geboren wurden. Die Jungen wuchsen heran. Esau wurde ein erfahrener Jäger, der gern im Freien umherstreifte. Jakob dagegen war ein ruhiger Mann, der lieber bei den Zelten blieb. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Isaak mochte Esau mehr als Jakob, weil er gern sein gebratenes Wild aß; Jakob war Rebekkas Lieblingssohn. Eines Tages – Jakob hatte gerade ein Linsengericht gekocht – kam Esau erschöpft von der Jagd nach Hause. »Lass mich schnell etwas von der roten Mahlzeit da essen, ich bin ganz erschöpft!«, rief er. Darum bekam er auch den Beinamen Edom, »Roter«. »Nur wenn du mir dafür das Vorrecht überlässt, das dir als dem ältesten Sohn zusteht!«, forderte Jakob. »Was nützt mir mein Vorrecht als ältester Sohn, wenn ich am Verhungern bin!«, rief Esau. Jakob ließ nicht locker. »Schwöre erst!«, sagte er. Esau schwor es ihm und verkaufte damit sein Recht, den größten Teil des Erbes zu bekommen, an seinen jüngeren Bruder. Jakob gab ihm das Brot und die Linsensuppe. Esau schlang es hinunter, trank noch etwas und ging wieder weg. So gleichgültig war ihm sein Erstgeburtsrecht. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Matthäus 13, 1-9. 18-23</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Geschichten von seiner Zeit als Wanderprediger und Heiler. Seine Geschwister und seine Mutter Maria hatten Jesus gesucht und gefunden und wollen ihn sprechen. Aber Jesus erteilt ihnen eine harsche Abfuhr. Dann heißt es weiter: Am selben Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Seeufer, um zu lehren. Bald hatte sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt. Darum stieg er in ein Boot und sprach von dort zu den Menschen am Ufer. Was er ihnen zu sagen hatte, erklärte er durch Gleichnisse: »Ein Bauer ging aufs Feld, um Getreide zu säen. Als er die Körner ausstreute, fielen ein paar von ihnen auf den Weg. Sofort kamen die Vögel und pickten sie auf. Andere Körner fielen auf felsigen Boden, wo nur wenig Erde war. In der dünnen Erdschicht ging die Saat zwar schnell auf, als dann aber die Sonne am Himmel hochstieg, vertrockneten die Pflänzchen. Sie konnten keine starken Wurzeln bilden und verdorrten deshalb in der Hitze. Wieder andere Körner fielen ins Dornengestrüpp, doch dieses hatte die junge Saat bald überwuchert, so dass sie schließlich erstickte. Die übrigen Körner aber fielen auf fruchtbaren Boden und brachten das Hundert-, Sechzig- oder Dreißigfache der Aussaat als Ertrag. Wer Ohren hat, der soll auf meine Worte hören!«</p>



<p class="wp-block-paragraph">… »Euch will ich nun das Gleichnis von dem Bauern erklären, der Getreide aussät. Manche Menschen hören zwar die Botschaft von Gottes Reich, verstehen sie aber nicht. Dann kommt der Böse und reißt die Saat aus ihrem Herzen. Bei solchen Menschen ist es also wie bei den Körnern, die auf den Weg fallen. Andere Menschen sind wie der felsige Boden, auf den die Körner fallen: Sie hören die Botschaft und nehmen sie sofort mit Begeisterung an. Aber ihr Glaube hat keine starken Wurzeln und deshalb keinen Bestand. Wenn solche Menschen wegen ihres Glaubens in Schwierigkeiten geraten oder gar verfolgt werden, wenden sie sich gleich wieder davon ab. Noch andere Menschen gleichen dem von Dornengestrüpp überwucherten Boden: Sie hören die Botschaft zwar, doch die Sorgen des Alltags und die Verlockungen des Reichtums ersticken diese bald wieder, so dass keine Frucht daraus entstehen kann. Aber dann gibt es auch Menschen, die sind wie der fruchtbare Boden, auf den die Saat fällt: Sie hören Gottes Botschaft, verstehen sie und bringen Frucht, hundert-, sechzig- oder dreißigfach.« </p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Wäre das jetzt nicht schön? Am Seeufer sitzen. An einem lauschigen Abend, dem Rauschen der Wellen zuhören und da und dort einen Fisch aus dem Wasser hüpfen sehen, Und am Himmel ziehen die Wolken vorüber. Die Menschen damals sind bei Jesus wohl auch zur Ruhe gekommen. Ein paar Minuten oder Stunden, obwohl man die Zeit früher ja so nicht gemessen hat, nicht arbeiten. Keine Netze flicken müssen bis zur Ausfahrt am nächsten Morgen. Kein Aufräumen, Wäsche waschen, vorkochen, backen, putzen, reparieren. Einfach nur sein dürfen und dem Wanderrabbi zuhören. Sich entschleunigen, mal runter vom Gas steigen. Wir leben aber in einer Welt, die so einen Müßiggang nicht belohnt. Schnelligkeit wird hingegen belohnt: Instant-Kaffee, Instant Noodles, Express-Lieferungen, und möglichst immer schnelle Antworten sofort per Klick. Wer wartet, verliert. Unsere Gesellschaft ist süchtig nach der sofortigen Erfüllung geworden. Jedes Bedürfnis muss am besten in dem Moment befriedigt werden, in dem es entsteht. Verlernen wir gerade das Warten und den Müßiggang?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Digitale Automationsprogramme – so nenne ich die Künstliche Intelligenz &#8211; beschleunigen dieses Geschwindigkeitskarussell nur noch weiter. Aber das Leben funktioniert, das wissen wir, völlig anders. Aus dem Umgang mit Kindern und Jugendlichen wissen wir: So wie beim Gras – es wächst nicht schneller, wenn wir mit Gewalt daran ziehen. &nbsp;Vor Gott gilt ein anderes Tempo als das, was wir im Alltag erleben. Gottes Tempo lässt sich nur schwer in den Takt unserer Hochgeschwindigkeitsgesellschaft pressen. Wenn ich mir überlege, wie ich für Aufgaben schnelle Lösungen suche, merke ich aber: &nbsp;Mein Leben ist keine Aneinanderreihung von Sofortlösungen. Im Rückblick gesehen, braucht es im Leben für alles seine Zeit. Wir können das meiste nicht erzwingen. Beziehungen, Freundschaften, Fähigkeiten – all das braucht Zeit und Geduld. Genau von dieser Spannung erzählen uns die Texte der Bibel. Sie fragen uns ganz direkt: Worauf baue ich mein Leben auf? Gebe ich gerne dem nach, was jetzt sofort meinen Hunger stillt? &nbsp;Oder lasse ich auch mal bewusst Zeit verstreichen, gehe es ruhiger an und schaue, was sich entwickelt? In der ersten Geschichte, die wir heute gehört haben, geht es um die Enkelsöhne Abrahams, die Söhne Isaaks, Esau und Jakob.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn die Bibel von Brüdern spricht, kommen diese meistens nicht gut weg. Denken wir an Kain und Abel – oder hier im ersten Buch Mose an Esau und Jakob. Die Zwillinge fangen bereits im Mutterleib an, miteinander zu ringen, und entwickeln sich völlig unterschiedlich. Sie verkörpern zwei grundverschiedene Lebensentwürfe. Esau ist der Erstgeborene, ein paar Minuten älter als Jakob. Aber diese Minuten machen einen riesigen Unterschied in der Erbfolge aus. Esau ist ein Mann der Tat, ein Jäger, in der Wildnis zu Hause. Er lebt im Augenblick, packt Gelegenheiten kraftvoll beim Schopf. Wenn Esau Hunger hat, jagt er. Wenn er müde ist, schläft er. „Ein echter Mann nimmt sich, was er will.“ Ganz anders ist Jakob: Er ist der Ruhige, Nachdenkliche, der zu Hause bleibt und in der Gemeinschaft hilft, wo er sich nützlich machen kann. „Ein richtiger Mann schaut darauf, was die Familie und seine Mitmenschen brauchen.“ Die überlieferte Szene ist ein Drama voller Tragik und ein wenig Komik. Esau kommt nach einer stundenlangen, anstrengenden Jagd erschöpft und kraftlos nach Hause. Plötzlich riecht er im Lager ein köstliches Gericht. Der Duft des roten Linseneintopfs, den Jakob gerade über dem Feuer kocht, zieht ihn an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Esaus gesamte Welt, seine Vergangenheit und seine Zukunft schrumpfen auf ein einziges, dringendes Bedürfnis zusammen: „Ich habe Hunger. Jetzt. Sofort. Ich will essen!“ Nichts anderes zählt mehr. Das Hier und Jetzt hat ihn vollkommen im Griff. Jakob hat das vorausgesehen. Er reagiert eiskalt, berechnend und nutzt die Schwäche seines Bruders für eine ungeheuerliche Forderung aus: „Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht.“ Das Erstgeburtsrecht bedeutete im Alten Orient den doppelten Anteil am Erbe, die Führung der Familie und die Trägerschaft der göttlichen Verheißung. Es war das Fundament für die Zukunft der Familie und Sippe. Esaus Antwort ist banal: „Was nützt mir mein Vorrecht als ältester Sohn, wenn ich am Verhungern bin!“ Er tritt sein kostbares Erbe für eine einzige, flüchtige Mahlzeit ab. Er isst, steht auf und geht. Die Bibel schließt diese Szene mit dem harten Satz: „So gleichgültig war Esau sein Erstgeburtsrecht.“ Wir lächeln über den dumpfen Esau wir sollten uns dann fragen, wie oft wir den Wert einer Sache unterschätzen, weil die Zukunft dahinter nicht sofort greifbar ist? Wie oft tauschen wir etwas Langfristiges gegen irgendeinen „Linseneintopf“ des Augenblicks ein?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Gesellschaft folgt diesem Hunger, den wir haben. Und Supermärkte öffnen immer länger. Nachrichten auf dem Smartphone wollen sofort gelesen sein. Und wer gibt nicht sofort dem Impuls nach, zu antworten? Wir ärgern uns, wenn was mal länger braucht, der Kellner, die Bedienung, die U-Bahn, politische Lösungen für die großen drängenden Fragen. Und überall dort wird auf Instant-Lösungen gedrängt. Übersehen wir da vielleicht, dass Beziehungen und auch gute Lösungen Zeit und Arbeit brauchen. Wann nehme ich mich mal zurück und denke: „Das hat Zeit“? Oft siegt das Gefühl: Jetzt muss ich funktionieren, jetzt meinen Hunger nach Erfolg stillen, jetzt brauche ich Ablenkung. Esau verachtet sein Recht nicht einmal bewusst, er schaut schlicht nicht auf das, was Reife braucht. Er will jetzt satt sein. Um alles andere will er sich später kümmern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz nach dem modernen Werbespruch: „Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.“ Jesus greift diese menschliche Verfassung im Matthäusevangelium auf. Im Gleichnis vom Sämann wird Gott als Bauer geschildert, der fast schon verschwenderisch mit seinem Saatgut umgeht. Er wirft das Wort überallhin, ohne Ansehen der Bodenbeschaffenheit. In den verschiedenen Böden spiegeln sich unsere Verhaltensweisen wider. Da ist zuerst der felsige Boden. Wir nehmen das Wort schnell auf, sind wie Esau sofort Feuer und Flamme. Keimt ein gutes Wort, lassen wir uns schnell begeistern. Aber unter der dünnen Erdschicht bleibt harter Fels. Es fehlt uns dann an Tiefe und Wurzeln. Sobald der Alltag einkehrt oder der Glaube etwas kostet, verfliegt die Euphorie. Es war nur ein Strohfeuer des Augenblicks.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann gibt es den Boden unter den Dornen. Er beschreibt unseren Alltag wohl am besten. Der Samen fällt auf guten Boden und schlägt Wurzeln. Aber parallel dazu wachsen die Sorgen um uns und die Welt, der Stress und der Hunger nach dem nächsten „Linseneintopf“. Alles andere wuchert so laut, dass das leise, geduldige Wort Gottes einfach erstickt wird. Wir sind so mit dem Management unseres Lebens beschäftigt, dass für uns und unser inneres Wachstum keine Luft bleibt. Das Wort Gottes funktioniert nicht auf digitalen Knopfdruck. Es ist wie ein Samen: klein, unscheinbar und verletzlich. Es braucht Zeit, Tiefe und Geduld. Jakob hatte diese Geduld auf seine eigene, trickreiche Weise. Er ist in der Geschichte kein Heiliger, sondern schon durchtrieben. Aber er besitzt eine entscheidende Eigenschaft: Er denkt vorausschauend. Jakob versteht, dass Gottes Segen mehr wiegt als jede schnelle Suppe. Heißt das, wir dürfen unsere Bedürfnisse gar nicht mehr befriedigen? Ein Psalmlied wie jenes Psalm 65 malt uns dafür ein wunderschönes Bild vor Augen. Es ist ein Erntedanklied mitten im Alltag, das den Blick weg von unseren eigenen Anstrengungen hin auf Gottes Handeln lenkt. Dort heißt es:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Du hast für das Land gesorgt und ihm Regen gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Fruchtbarkeit hast du es reich beschenkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deine Bäche sind mit Wasser gefüllt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Du gibst den Regen dazu, du segnest die Gewächse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So krönst du jedes Jahr mit deinen Gütern.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir können den Regen und das Wachstum nicht erzwingen. Wir können säen, aber die Güter, das Leben selbst bleiben ein reines Geschenk.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich muss zugeben: Die Linseneintöpfe des Alltags riechen wirklich gut. Der Druck im Beruf und in Beziehungen, sofort Ergebnisse sehen zu müssen, ist enorm. Vielleicht hilft es, wenn wir wieder lernen, schlicht empfangsbereit zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dem Wort Gottes Raum zu geben und vielem mehr Zeit zu lassen, Wurzeln zu schlagen – auch wenn man an der Oberfläche noch keine Frucht sieht. Im Leben braucht es zuallererst unsere Geduld. Alles andere wird wachsen. Amen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>28.6.2026 Predigt zu Matthäus 5, 1-12</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/06/28/28-6-2026-predigt-zu-matthaeus-5-1-12/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 Jun 2026 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7630</guid>

					<description><![CDATA[„Wen Jesus glücklich nennt.“ Pfarrer Harald Kluge LESUNG RÖMER 12, 17-21 17&#160;Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Verhaltet euch gegenüber allen Menschen vorbildlich. 18&#160;Soweit es irgend möglich ist und von euch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">„Wen Jesus glücklich nennt.“ Pfarrer Harald Kluge</p>



<span id="more-7630"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>LESUNG RÖMER 12, 17-21</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>17</em><em>&nbsp;</em><em>Vergeltet niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Verhaltet euch gegenüber allen Menschen vorbildlich. 18</em><em>&nbsp;</em><em>Soweit es irgend m</em><em>ö</em><em>glich ist und von euch abh</em><em>ä</em><em>ngt, lebt mit allen Menschen in Frieden. 19</em><em>&nbsp;</em><em>Liebe Freunde, verschafft euch nicht selbst Recht. </em><em>Ü</em><em>berlasst vielmehr Gott das Urteil, denn er hat ja in der Heiligen Schrift gesagt: </em><em>»</em><em>Es ist meine Sache, Rache zu </em><em>ü</em><em>ben. Ich, der Herr, werde ihnen alles vergelten.</em><em>«</em><em> 20</em><em>&nbsp;</em><em>Handelt so, wie es die Heilige Schrift von euch verlangt: </em><em>»</em><em>Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken. So wirst du ihn beschämen.«  21</em><em>&nbsp;</em><em>Lass dich nicht vom B</em><em>ö</em><em>sen überwinden, sondern überwinde das B</em><em>ö</em><em>se durch das Gute. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MATTHÄUS 5, 1-16&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; „Wen Jesus glücklich nennt“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>1&nbsp;Als Jesus die Menschenmenge sah, stieg er auf einen Berg. Er setzte sich, und seine Jünger versammelten sich um ihn. 2</em><em>&nbsp;</em><em>Dann begann er, sie mit den folgenden Worten zu lehren: 3&nbsp;»Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. 4</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die </em><em>ü</em><em>ber diese Welt trauern, denn sie werden Trost finden. 5</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die auf Frieden bedacht sind, denn sie werden die ganze Erde besitzen. 6</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden. 7</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die Barmherzigkeit </em><em>ü</em><em>ben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>8</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott sehen. 9&nbsp;Glücklich sind, die Frieden stiften, denn Gott wird sie seine Kinder nennen. 10</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben; denn ihnen geh</em><em>ö</em><em>rt sein himmlisches Reich. 11</em><em>&nbsp;</em><em>Gl</em><em>ü</em><em>cklich k</em><em>ö</em><em>nnt ihr euch sch</em><em>ä</em><em>tzen, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt. 12</em><em>&nbsp;</em><em>Ja, freut euch und jubelt, denn im Himmel werdet ihr daf</em><em>ü</em><em>r reich belohnt werden! Genauso hat man die Propheten fr</em><em>ü</em><em>her auch schon verfolgt.</em><em>«</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Wenn Sie heute nach dem Gottesdienst die Dorotheergasse hinunterspazieren, vorbei an den Schaukästen, hinein in den Wiener Sonntagstrubel, dann fragen Sie sich doch einmal: <strong>„Bin ich selig“</strong>? „Bin ich glücklich?“ „Wann war ich das letzte Mal glücklich?“ Am besten fragen Sie sich das aber natürlich gegenseitig. Wann sind wir selig? Das kommt drauf an, wo ich bin und als was ich da bin. Als Tourist fühl ich mich selig, wenn ich nach langem Anstehen endlich einen Platz im Kaffeehaus oder Eisgeschäft ergattere und den ersten Schluck Melange oder einen Eiscafe oder einen Milchshake trinke. Die Studentin fühlt sich selig, die vorgestern Abend die letzte schwere Prüfung bestanden hat. Und wir alle fühlen uns selig, wenn der Alltag mal für ein paar Stunden Pause macht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Selig“ – das ist im Wienerischen ja fast ein bisschen Alltagsbesitz geworden. <em>„Ich war gestern selig im Bett“</em>, sagen wir, wenn wir einfach erschöpft und glücklich waren. Es ist dieses Gefühl von: <em>Alles ist gut. Ich habe, was ich brauche. Ich bin wunschlos glücklich.</em> Wir haben die Seligpreisungen aus der Bergpredigt gehört und die eindringlichen Worte des Paulus aus dem Römerbrief. Zwei Texte, die uns nicht abkühlen, sondern eher aufheizen. Sie sind eher so, dass sie uns mitten im hitzigen und aufgeheizten Leben zusätzlich anfeuern wollen. Sie fordern mich heraus. Sie fordern mich auf, meine Perspektive zu wechseln, radikal, bedingungslos und mitten im Hier und Jetzt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Stellen wir uns die Szene bei Matthäus vor. Jesus sieht eine große Menschenmenge, die ihn sehen, berühren und hören will. Es war damals in Galiläa sicher weniger heiß als heute in Wien. Denn die Leute damals waren klug und schlau und wussten, in der Hitze des Tages sind nur Narren und Touristen draußen unterwegs. Jesus geht auf einen Berg, setzt sich, und die Leute drängen sich um ihn. Und dann – so wird es berichtet – spricht er von den wichtigen Dingen des Lebens, wie wir uns verhalten sollen. Jesus wackelt aber nicht mit dem moralischen Zeigefinger vor unserer Nase. Sonst müsste es lauten: Verflucht und unglücklich seid ihr Fröhlichen! Unglücklich sind die Menschen, die einander übervorteilen! Unglücklich sind diejenigen, die arrogant und besserwisserisch mit ihrer Weisheit oder ihren Titeln prahlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus spricht auch nicht von Gesetzen oder Geboten und ruft auch keine Drohungen aus. Und er sagt auch nicht das Offensichtliche. <em>„Selig seid ihr, wenn euer Bankkonto voll ist und das Leben wie am Schnürchen läuft.“</em> * <em>„Glücklich seid ihr, wenn ihr im Recht seid und alle euch zujubeln.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus beginnt mit einer Liebeserklärung. Geliebt von GOTT sind die Zu-Kurz-Gekommenen. Er dreht die Logik unserer Welt und der damaligen Welt komplett auf den Kopf: <em>„Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich. Glücklich sind, die über diese Welt trauern, denn sie werden Trost finden. Glücklich sind, die auf Frieden bedacht sind, denn sie werden die ganze Erde besitzen. Glücklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden. Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren.“ </em></p>



<p class="wp-block-paragraph">In einer Leistungsgesellschaft wie der unseren, und erst recht an einem Tag, an dem uns die Hitze alle Kräfte raubt, klingt das zynisch. Wer will schon „arm“ sein? Wer will „Leid tragen&#8220;? Wer will sich freiwillig von „Hunger und Durst“ quälen lassen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Welt belohnt die Starken, die Lauten, die Durchsetzungsfähigen. Wer sich auf dem Markt der Möglichkeiten behaupten will, darf nicht sanftmütig sein, sonst wird er überrollt. Wer Karriere machen will, darf nicht dauernd barmherzig sein, sondern muss meist den Ellenbogen ausfahren. Aber Jesus setzt hier einen Kontrapunkt. Er schafft ein neues Klima. Nicht ein Klima der glühenden Hitze des Konkurrenzkampfes, sondern ein Klima der göttlichen Erfrischung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Selig“ – das griechische Wort heißt makarioi. Es bedeutet: „Glücklich zu preisen sind sie.“ Aber es meint kein oberflächliches Wellness-Glück. Es meint eine tiefe, unerschütterliche Zusage: Ihr seid von Gott angesehen. Gerade ihr, die ihr am Ende eurer Kräfte seid. Gerade ihr, die ihr unter der Last des Lebens stöhnt; sei es die physische Hitze des Tages oder die existenzielle Hitze eurer Sorgen. Ihr seid gemeint. Jesus preist die Friedfertigen selig. Diejenigen, die Frieden stiften, wo andere zündeln. In einer Welt, die politisch, gesellschaftlich und oft auch im Privaten aufgeheizt ist, wo Debatten im Netz und auf der Straße oft mit einer Aggression geführt werden, die der heutigen Außentemperatur in nichts nachsteht. Da ruft uns diese Predigt am Berg zur Abkühlung auf. Sie will unsere Sanftmut hervorkitzeln. Sanftmut ist kein Zeichen von Schwäche. Sanftmut ist eine enorme Kraft, die eigene Stärke so zu zügeln, dass der andere Raum zum Atmen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie „Sanftmut“ konkret aussieht, das buchstabiert Paulus im Römerbrief aus. Und ich gebe zu, diese Zeilen können einem den Schweiß erst recht auf die Stirn treiben: <em>„Vergelte niemals Unrecht mit neuem Unrecht. Verhalte dich gegenüber allen Menschen vorbildlich. 18 Soweit es irgend möglich ist und von dir abhängt, lebe mit allen Menschen in Frieden!“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus war kein Träumer. Er war Realist. Er schreibt nicht: „Ihr müsst mit allen im Reinen sein.“ Er schreibt: „Ist es möglich, und wenn es an dir liegt &#8230;“ Frieden zu schließen oder zu halten scheitert oft, weil mein Gegenüber anderes im Sinn hat, weil er aus ist auf Streit, Kampf, Zwist, Krieg. Aber der Auftrag an uns bleibt eindeutig: Von unserer Seite aus darf ich kein Öl ins Feuer gießen. Und dann kommt der härteste Satz, die absolute Provokation für unser natürliches Gerechtigkeitsempfinden: <em>„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn mir jemand Unrecht zufügt, mich betrügt, belügt, beraubt, verletzt, beleidigt, dann kocht es in mir hoch. Wir alle haben unsere Zornesfalten. Und der männliche Instinkt ruft: Schlag zurück. Zeig es ihm oder ihr. Lass dir nichts gefallen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Aber Paulus sagt: Wenn du zurückschlägst, hat das Böse gewonnen. Warum? Dann hat es dich infiziert. Und du spielst nun nach denselben Regeln wie all diejenigen, die dich verletzt haben. Dann hab ich mich vom Bösen überwinden lassen, indem ich selbst böse geworden bin. Das Böse mit Gutem zu überwinden, bedeutet, wenn ich den Teufelskreis durchbrechen lerne. Es bedeutet, den glühenden Kohlen des Hasses das Löschwasser der Liebe entgegenzusetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Paulus zitiert hier ein altes Sprichwort: <em>»Wenn dein Feind hungrig ist, dann gib ihm zu essen; ist er durstig, gib ihm zu trinken. So wirst du ihn beschämen – du wirst feurige Kohlen auf seni Haupt sammeln.« </em> </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das klingt im ersten Moment nach einer subtilen Rachemethode. Wir machen anderen ein schlechtes Gewissen, bis deren Kopf glüht. Aber im antiken Orient war das Bild der feurigen Kohlen auf dem Kopf auch ein Symbol der Reinigung und der Buße. Und es war schlicht eine Geste der Scham, die zur Umkehr, zur Besinnung führt. „Wie blöd war ich da bloß!“ Indem wir einem Menschen, der uns angreift oder mit Worten verletzen will oder uns verdrängen möchte, wenn wir ihm oder ihr oder ihnen mit Güte, mit Sanftmut begegnen, entwaffnen wir sie nicht. Aber wir bleiben unserer eignen Überzeugung und Haltung treu. Wir lassen nicht zu, dass andere mit ihrem blöden Verhalten uns und unseren Charakter verändern. Im besten Fall der Fälle kann ich die brenzlige hitzige Situation abkühlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir feiern heute hier in der Inneren Stadt, im Herzen von Wien, nicht nur unsere Gottesdienste, sondern danach auch ein Straßenfest. Ein Fest, bei dem die Dorotheergasse belebt wird, bei dem wir zusammenkommen, essen, trinken und miteinander reden. Als reformierte Gemeinde stehen wir in einer Tradition, die den Glauben nie nur im stillen Kämmerlein oder hinter dicken Kirchenmauern versteckt hat. Für Johannes Calvin und die Reformatoren war klar: Die Ehre Gottes erweist sich mitten im Alltag, im Zusammenleben der Stadt, in der Gestaltung der Gesellschaft. Die Welt ist der Schauplatz dieser Herrlichkeit Gottes – auch diese erhitzte, erschöpfte Welt des Jahres 2026. Das Straßenfest nach dem Gottesdienst ist deshalb kein weltliches Zusatzprogramm. Es ist die Verlängerung, die Overtime des Gottesdienstes. Es ist die Praxis der Bergpredigt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir gleich hinausgehen, in die Hitze des Hofes, dann bringen wir etwas mit. Wir bringen die Zusage der Seligpreisungen mit nach draußen. Wir bringen den Auftrag des Paulus mit auf die Straße, der meint: „Achtet aufeinander!“ Ein Straßenfest bei über 40 Grad fordert uns heraus, aufeinander Acht zu geben. &nbsp;Wer braucht Wasser? Wer braucht einen Platz im Schatten? Wer ist einsam und sitzt abseits? Es sind die kleinen, unscheinbaren Gesten, in denen das Reich Gottes mitten unter uns aufleuchtet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Amen</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>21. Juni 2026 zu Micha 7, 1-3. 8-9. 18-20</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/06/21/21-juni-2026-zu-micha-7-1-3-8-9-18-20/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 08:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7621</guid>

					<description><![CDATA[&#8222;GOTT liebt es, barmherzig, gütig und freundlich zu sein.&#8220; Predigt von Pfr. Harald Kluge Lesung aus Lukas 15, 1-3.11-32 1 Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>&#8222;GOTT liebt es, barmherzig,</em> <em>gütig und freundlich zu sein.&#8220;</em> Predigt von Pfr. Harald Kluge</p>



<span id="more-7621"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lesung aus Lukas 15, 1-3.11-32</strong></p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">1 Immer wieder kamen viele Zolleinnehmer und andere verrufene Leute zu Jesus, um ihn zu hören. 2 Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgerten sich und schimpften: »Mit welchem Gesindel gibt der sich da ab! Er isst sogar mit ihnen!« 3 Da erzählte Jesus ihnen folgendes Gleichnis: 11 »Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Eines Tages sagte der jüngere zu ihm: ›Vater, ich will jetzt schon meinen Anteil am Erbe haben.‹ Da teilte der Vater seinen Besitz unter die beiden auf. 13 Nur wenige Tage später machte der jüngere Sohn seinen Anteil zu Geld, verließ seinen Vater und reiste ins Ausland. Dort leistete er sich, was immer er wollte. Er verschleuderte sein Geld, 14 bis er schließlich nichts mehr besaß. Da brach in jenem Land eine große Hungersnot aus. Es ging dem Sohn immer schlechter. 15 In seiner Verzweiflung bettelte er so lange bei einem Bauern, bis der ihn zum Schweinehüten auf die Felder schickte. 16 Oft quälte ihn der Hunger so sehr, dass er sogar über das Schweinefutter froh gewesen wäre. Aber nicht einmal davon erhielt er etwas. 17 Da kam er zur Besinnung: ›Bei meinem Vater hat jeder Arbeiter mehr als genug zu essen, und ich sterbe hier vor Hunger. 18 Ich will zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. 19 Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert. Lass mich bitte als Arbeiter bei dir bleiben!‹ </p>



<p class="has-text-align-left wp-block-paragraph">20 Er machte sich auf den Weg und ging zurück zu seinem Vater. Der erkannte ihn schon von weitem. Voller Mitleid lief er ihm entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 ›Vater‹, sagte der Sohn, ›ich bin schuldig geworden an Gott und an dir. Sieh mich nicht länger als deinen Sohn an, ich bin es nicht mehr wert.‹ 22 Sein Vater aber befahl den Knechten: ›Beeilt euch! Holt das schönste Gewand im Haus und legt es meinem Sohn um. Steckt ihm einen Ring an den Finger und bringt Schuhe für ihn! 23 Schlachtet das Mastkalb! Wir wollen essen und feiern! 24 Denn mein Sohn war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden.‹ Und sie begannen ein fröhliches Fest. 25 Inzwischen war der ältere Sohn nach Hause gekommen. Er hatte auf dem Feld gearbeitet und hörte schon von weitem die Tanzmusik. 26 Er rief einen Knecht herbei und fragte ihn erstaunt: ›Was wird denn hier gefeiert?‹ 27 ›Dein Bruder ist wieder da‹, antwortete er ihm. ›Und dein Vater freut sich sehr, dass er ihn wohlbehalten wiederhat. Deshalb hat er das Mastkalb schlachten lassen, und jetzt feiern sie ein großes Fest.‹ 28 Der ältere Bruder wurde wütend und wollte nicht ins Haus gehen. Da kam sein Vater zu ihm heraus und redete ihm gut zu: ›Komm und freu dich mit uns!‹ 29 Doch er entgegnete ihm bitter: ›All diese Jahre habe ich mich für dich abgerackert. Alles habe ich getan, was du von mir verlangt hast. Aber nie hast du mir auch nur eine junge Ziege gegeben, damit ich mit meinen Freunden einmal richtig hätte feiern können. 30 Und jetzt, wo dein Sohn zurückkommt, der dein Vermögen mit Huren durchgebracht hat, jetzt lässt du sogar das Mastkalb für ihn schlachten!‹ 31 Sein Vater redete ihm zu: ›Mein Sohn, du bist immer bei mir gewesen. Alles, was ich habe, gehört auch dir. 32 Darum komm, wir haben allen Grund, fröhlich zu feiern. Denn dein Bruder war tot, jetzt lebt er wieder. Er war verloren, jetzt ist er wiedergefunden!‹«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Johannes Calvin hat mal so schön formuliert: «Nichts tröstet mächtiger als die Gewissheit, mitten im Elend von der Liebe (und Gnade) Gottes umfangen zu werden.»  </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>MICHA 7, 1-3. 8-9. 18-20</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">1 Ich unglücklicher Mensch! Ich komme mir vor wie einer, der nach der Ernte hungrig durch die Weinberge streift oder die Feigenbäume nach Früchten absucht. Doch nichts: Keine Traube und keine Feige sind mehr zu finden! 2 Ja, im ganzen Land gibt es keine rechtschaffenen Menschen mehr, keiner fragt mehr nach Gott. Einer macht Jagd auf den anderen und wartet bloß auf eine Gelegenheit, um Blut zu vergießen. 3 Sie haben nur Böses im Sinn, und darin sind sie wahre Meister. Die führenden Männer lassen sich bestechen, die Richter sind käuflich, und die Mächtigen entscheiden aus reiner Willkür. So arbeiten sie alle Hand in Hand. </p>



<p class="wp-block-paragraph">8 Freut euch nur nicht zu früh, ihr Feinde! Wir liegen zwar am Boden, doch wir stehen wieder auf. Wir sitzen im Finstern, aber der HERR ist unser Licht. 9 Wir haben gegen ihn gesündigt und müssen nun seinen Zorn ertragen. Doch er wird wieder für uns eintreten und das Unrecht vergelten, das man uns angetan hat. Er führt uns von neuem hinaus ins Licht. Wir werden erleben, wie er für Recht sorgt! 18 Herr, wo ist ein Gott wie du? Du vergibst denen, die von deinem Volk übriggeblieben sind, und verzeihst ihnen ihre Schuld. Du bleibst nicht für immer zornig, denn du liebst es, gnädig zu sein! 19 Ja, der Herr wird wieder Erbarmen mit uns haben und unsere Schuld auslöschen. Er wirft alle unsere Sünden ins tiefste Meer. 20 Herr, du wirst uns, den Nachkommen von Abraham und Jakob, deine Treue und Gnade erweisen, wie du es einst unseren Vorfahren geschworen hast. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Gott liebt es, barmherzig, gütig und freundlich zu sein!“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde! Wenn wir heute, an diesem heißen Sonnentag, aus dem Trubel der Woche und der Wiener Innenstadt – nur wenige Schritte vom Graben und dem neu eröffneten Bräunerhofcafé entfernt – in unsere Kirche kommen, bringen wir da nicht ein wenig die ganze Welt mit hinein. Wir schleppen die Nachrichten mit uns herum, machen uns Gedanken über die Zustände unserer Gesellschaft und unserer Beziehungen. Aber mehr treibt uns doch die eigene ganz persönliche Lebensgeschichte um. Und diese hat es bei ihnen und mir gewiss in sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Texte, die wir Ihnen heute vorgelesen haben, spiegeln diese Wirklichkeit in ihrer wunderbaren und schmerzlichen Weise wider. Lukas 15 und Micha 7 beschreiben Zustände, die viele von uns nur zu gut kennen. Solche Sätze wie bei Micha machen Mut zum Weitermachen und zeigen sich auch bei einer Fußball-WM als allgemein gültig:</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Wir liegen zwar am Boden, doch wir stehen wieder auf. Wir sitzen im Finstern, aber der HERR ist unser Licht.“ Da kommt so das Gefühl von Erschöpfung auf, einer unendlichen Müdigkeit und nicht wenige sprechen heute schon gar zu häufig von Burnout und sagen: „Ich kann nicht mehr!“ „Ich kann so nicht mehr!“ Und viele und ich auch reiben sich an der moralischen Schieflage in der Welt. Aber wir alle teilen sicherlich diese tiefe Sehnsucht danach, dass alles noch einmal gut wird. Es muss ja nicht gleich besser werden. Wenn`s gut wird, wär das schon mal ein guter Anfang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Prophet Micha zeichnet im Alten Testament so einen guten Anfang, nachdem er ein düsteres Bild seiner Zeit malt, dass uns seltsam vertraut vorkommt: Micha der Moreschtiter, lebte vor 2.800 Jahren und hält seinen Mitmenschen eine Standpauke. Seinen Zeigefinger hält er mahnend oben und fuchtelt damit allen vorm Gesicht herum. Er muss furchtbar nervig gewesen sein. Micha ist als Name die Kurzform von Michaja und bedeutet so viel wie die wichtigste Frage aller Fragen, die auch die Wiener Festwochen gestellt haben: „Wer ist wie Gott?“ Das Motto der Wiener Festwochen 2026 hat <strong>&#8222;Republic of Gods&#8220;-</strong> <strong>&#8222;Time for New Gods&#8220;</strong> gelautet. Dieses 75. Jubiläum des Festivals hat sich in seinem Programm im Kern der Gotteskritik und Gottessehnsucht gewidmet. Es stellte die Frage nach alten Mythen, nach einer zeitgenössischen Spiritualität und neuen Gött:innen unserer heutigen Gesellschaft. „Wer ist wie GOTT?“ Eben hebräisch „Wer ist wie GOTT?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Micha spricht von Korruption, von einer Willkür der Mächtigen und Reichen. Er skizziert eine Gesellschaft, in der das Vertrauen erodiert ist. Und er sagt: <em>„Ich komme mir vor wie einer, der nach der Ernte hungrig durch die Weinberge streift&#8230; nichts zu finden.“</em> Micha stellt den Befund auf, dass sie sich einer spirituellen und moralischen Dürrezeit befinden. Ein Befund, den die Festwochenteilnehmerinnen auch bekommen konnten. Und genau in diese Dürre hinein erzählt Jesus 7 Jahrhunderte später eine Geschichte, die die Welt verändern sollte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus kannte die kritischen Worte des Propheten Micha nur zu gut. Und Jesus erzählt hier dazu eine Geschichte, die nicht im fernen Orient bleibt, sondern uns heute hier in Wien ganz direkt ansprechen kann. Wir kennen sie alle, die Geschichte vom sogenannten <strong>„verlorenen Sohn“</strong>. Wir könnten sie auch nennen: &#8222;Das Gleichnis vom Mann, der die Orientierung verloren und diese nach langer Suche wiedergefunden hat.&#8220; &#8222;Der 20jährige, der aus dem Fenster stieg und nach einer Begegnung mit Schweinen reumütig ins Vaterhaus zurückgekrochen kam.&#8220; Aber viel mehr ist es einfach die Geschichte: &#8222;Ein junger Mensch will raus.&#8220; Raus aus der Enge des Elternhauses, raus aus den Traditionen, raus aus allen Kasterln, in die man ihn hineingesteckt hatte. Er möchte den ihm vorgegeben Weg nicht gehen. Er will hinein ins Abenteuer, hinein ins Leben, in die Autonomie, die Selbstständigkeit. Der junge Mann, nennen wir ihn <strong>Merchav</strong> (מֶרְחָב). Denn das bedeutet große Weite, unendlicher Raum und symbolisiert die Freiheit, die man für sich selber sucht. Merchav fordert sein Erbe. Er sagt zum Vater das Schlimmste, dass ein Kind zu den Eltern sagen kann: „Du bist für mich schon tot, gib mir mein Geld.“ „Gib mir mein Erbe!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Vater, wohl auch ein wenig überrumpelt und enttäuscht, lässt seinen Sohn Merchav ziehen. Der Sohn Merchav zieht ins Ausland, lebt das schönste verführerische Leben und verprasst alles Geld, dass ihm der Vater vermacht hatte. Und dann kommt die Krise. Und eine Hungersnot bricht aus. Am Tiefpunkt seines Lebens landet Merchav im Schweinestall. Für die jüdischen Zuhörer von Jesus war das ein absolutes Maximum an Unreinheit, an Würdelosigkeit. Er hat Hunger, er ist einsam, tiefer kann niemand fallen. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Gibt es diese Schweineställe nicht auch mitten in unserer glänzenden Stadt? Die Orte, an denen Menschen feststellen, dass ihr Lebensentwurf komplett gescheitert ist? Wenn die Beziehungen zerbrechen, wenn die Karriere in die Sackgasse führt, wenn die Suche nach dem puren Selbstgenuss in einer inneren Leere oder in Sucht und Abhängigkeiten endet? Der Schweinestall wird hier zum Symbol tiefster Verlorenheit. Ich habe mich selbst verloren. Freiheit bedeutet eben auch die Freiheit, sich zu verirren und sich zu verlieren. Aber dann passiert in der Geschichte das Entscheidende. Es kommt zur dramatischen Wende. Nur vier Worte sind es. <em>„Da kam er zur Besinnung.“</em> Merchav wacht auf, denkt nach langer Zeit endlich mal wieder nach und gibt schließlich zu: Ich habe mich verrannt. Er formuliert eine Beichte, die er dem Vater sagen will, nicht aus Stolz, sondern aus purer Not: <em>„Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.“</em> So macht Merchav sich auf den Weg zurück.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nun möchte ich kurz auf den Namen des Vaters eingehen. Er hieß – sag ich mal &#8211; <strong>Noam</strong> (נוֹעַם), denn darin spiegeln sich auf Hebräisch Güte, Freundlichkeit und Lieblichkeit wider. Und beim Aufeinandertreffen des Vaters Noam und des Sohnes Merchav kommt es zur großen Versöhnung inklusive Umarmung. Es ist die Wende der Geschichte, die das Herz unseres christlichen Glaubens ausmacht. Darin ist der Glaube herzlich auf eine innige Art und Weise, wie sie uns fröhlich stimmen soll. Und es ist die Wende, die wir im eigenen Leben, wenn wir so etwas erleben, tief in uns bis zum letzten Atemzug verinnerlichen. So eine Begegnung mit Gnade, mit Güte, wenn uns jemand mit offenen Armen empfängt, verändert uns komplett. Der Vater Noam sieht seinen Sohn Merchav von weitem. Noam wartet nicht, bis der Sohn kriechend um Vergebung bittet. Er läuft ihm entgegen. Ein älterer orientalischer Herr, der läuft, das war damals hochgradig peinlich und unschicklich. Der Vater vergisst seine Würde vor lauter Liebe. Er fällt Merchav um den Hals, küsst ihn. Noch bevor der Sohn seine mühsam einstudierte Beichte ganz zu Ende sprechen kann, unterbricht ihn der Vater schon. Keine Standpauke. Kein „Ich habe es dir ja gleich gesagt“. „Was soll aus dir einmal werden!“ Stattdessen lässt der Vater das beste Gewand für seinen Sohn bringen und steckt ihm einen Ring an und ruft ein Fest aus. Ein Fest, ein Fest! Es ist Zeit für ein Fest!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde, das ist das Bild Gottes, das Jesus uns zeichnet. Und es passt genau zu dem, was der Prophet Micha jubelnd ausruft: <strong><em>„Herr, wo ist ein Gott wie du?</em></strong> <strong><em>Du verzeihst uns die Schuld.</em></strong> <strong><em>Du bleibst nicht zornig, denn du liebst es, gnädig zu sein! Du wirfst alle unsere Sünden ins tiefste Meer.“</em></strong> Gott rechnet nichts gegen uns auf. Gott ist kein Buchhalter meiner Fehler. Gottes Gnade uns gegenüber ist bedingungslos. Das kann man sich kaum vorstellen. Für uns Reformierte, die wir so stark betonen, dass das Heil allein aus Gottes Gnade (<em>sola gratia</em>) kommt, ist diese Szene das pure Evangelium. Wir können uns Gottes Liebe nicht erarbeiten. Sie ist schon da. Sie läuft uns entgegen wie NOAM, der Vater. In der vorletzten Woche hatte ich bei Reifeprüfungen zur Matura den Beisitz bei meiner Kollegin Réka Juhász. Und da konnten wir auch Maturafragen von unseren römisch-katholischen Lehrerkollegen hören. Und bei einer Antwort wurde vom Kandidaten auf die Frage wie das „mit allein aus Gnaden sei“ gesagt: „Bei den Protestanten gibt es diese Idee des Allein aus Gnade. Allein die Gnade Gottes ist es, die zählt.“ Und der Unterschied zu ihnen als katholischen Gläubigen sei es eben, dass hier noch die Werke dazukommen. Es braucht Werke, damit Gott gnädig gestimmt wird. Der Kandidat bekam ein Sehr Gut beim römisch-katholischen Lehrerkollegen und ich finde zurecht. Denn es ist ein völlig unterschiedlicher Zugang zur Frage: „Lässt sich GOTT gnädig stimmen?“ Durch Pilgerreisen, Almosengeben, Fasten, Gebete, Eucharistie, Gottesdienstbesuche und das Einhalten der Zehn Gebote. Evangelische antworten „Nein.“ Katholiken hingegen „Ja!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber auch die Geschichte von Noam und seinem Sohn Merchav ist hier nicht zu Ende. Und jetzt wird es unbequem für uns, die wir heute hier sind. Denn es folgt der Auftritt des älteren Bruders. Und auch ihm möchte ich hier gerne einen Namen geben. <strong>Menachem</strong> meint so viel wie: Der Tröster, der den Eltern Erleichterung bringt. Und Menachem hat sich auch aufgeopfert für seine Eltern, hat am Hof und im Betrieb mitgewirkt, geschuftet, war der Sohn, auf den sich Noam und seine Frau <strong>Ne&#8217;elama</strong> (נֶעֱלָמָה)<strong> „</strong>Die Unsichtbare“, „die Verborgene“, die verborgen oder unsichtbar bleibt, verlassen haben können. Menachem kommt müde vom Feld. Er hört die Musik, riecht den Braten und erfährt schließlich, was los ist. Und Menachem wird wütend. Er verweigert das Fest und den Mummenschanz, der rund um seinen Bruder Merchav getrieben wird.  Warum? Seine Argumente sind für mich absolut nachvollziehbar! Er sagt zum Vater: <em>„All diese Jahre habe ich mich für dich abgerackert. Nie habe ich dein Gebot übertreten. Aber für diesen Versager schmeißt du ein Fest?“</em> Können wir ihn nicht verstehen? Ist das nicht ungerecht?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erinnern wir uns an den Beginn. Die Pharisäer und Schriftgelehrten ärgern sich über Jesus, weil er mit den „Zöllnern und Sündern“ speist und spricht und scherzt und singt. Der ältere Bruder Menachem steht für die Frommen, die Anständigen, die Leistungsbereiten. Für diejenigen, die sich an die Regeln halten und nun neidisch auf die schauen, denen einfach so vergeben wird. Das Problem des älteren Bruders Menachem ist nicht, dass er fleißig war. Sein Problem ist, dass er im Haus des Vaters lebte, aber nicht versucht hat, seine Eltern wirklich innig zu verstehen. Sonst wäre ihm das Verhalten seines Vaters nicht so seltsam vorgekommen. Menachem sah sich nicht als ein geliebtes Kind seiner Eltern, sondern er fühlt sich als Knecht, der sich die Liebe hart erarbeiten muss. Und weil er seine eigene Leistung so hoch bewertet, kann er die Gnade für den anderen, seinen jüngeren Bruder Merchav, der die Freiheit und Weite gesucht hat, nicht ertragen. Der ältere brave Sohn macht aus der Beziehung zum Vater ein reines Tauschgeschäft. Wie reagiert man da nun als Vater oder als Mutter? Schließt man den älteren Sohn einfach aus? Sicher nicht. Man geht auf die Kinder zu, und NOAM geht auch <em>zum grantigen Menachem</em> hinaus. Er wirbt um seinen Sohn, will sich nicht für das eine oder andere Kind entscheiden wollen: <em>„Mein Kind, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.“</em> Er erinnert ihn an das Privileg, das er die ganze Zeit hatte: die Gemeinschaft mit dem Vater Noam und der Mutter Ne´elama.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus lässt das Gleichnis offen. Wir erfahren nicht, ob der ältere Bruder am Ende ins Haus hineingeht und mitfeiert. Das Gleichnis bricht ab – weil es eine Frage an uns als Zuhörer ist: Können wir die Gnade Gottes feiern und bejubeln oder auch nur annehmen und uns vorstellen, wenn sie den anderen gilt? Denen, die wir vielleicht insgeheim verurteilen? Den „verrufenen Leuten“ unserer Tage? Liebe Gemeinde, die Botschaft für diesen Sonntag im Juni 2026 ist klar: Gott lädt uns alle ein. Er lädt die ein, die gescheitert sind und im Schlamm des Lebens sitzen oder saßen. GOTT sagt hier: „<em>Kommt heim, eure Würde ist unantastbar.“</em> Und er lädt die Fleißigen, die Bitteren und die Korrekten ein und sagt ihnen: „<em>Hört auf zu rechnen! Freut euch an dem, was ihr habt, und feiert das Leben der anderen mit.“</em> Es ist sicher nicht leicht, sich aus der Dürre des Misstrauens und der Leistungsgesellschaft herausrufen zu lassen. Und dass Gott unsere Sünden ins tiefste Meer wirft, mögen wir für uns selbst gut annehmen können, aber für die anderen? Dabei müssen wir zusammen nur ein paar Schritte gehen, wir müssen nur hineingehen zum „Fest der Versöhnung“, dass der Vater Noam und seine Frau Ne`elama für ihren Sohn Merchav und ihren Sohn Menachem feiern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Verdient hatte es der junge Sohn nicht, aber das spielt bei GOTT eben keine Rolle. Und es sollte bei uns auch keine spielen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>24. Mai 2026 &#8222;PFINGSTEN: GOTT liebt Vielfalt&#8220;</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/24/24-mai-2026-pfingsten-gott-liebt-vielfalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 24 May 2026 05:04:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7385</guid>

					<description><![CDATA[Apostelgeschichte 2, 1-21 mit Pfr. Harald Kluge Liebe Gemeinde, haben Sie schon einmal auf einem belebten Marktplatz einer Weltmetropole gestanden? In London, New York, Paris – oder einfach am Wiener [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Apostelgeschichte 2, 1-21 mit Pfr. Harald Kluge</p>



<span id="more-7385"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde, haben Sie schon einmal auf einem belebten Marktplatz einer Weltmetropole gestanden? In London, New York, Paris – oder einfach am Wiener Brunnenmarkt, am Graben oder in der Kärntnerstraße? Wenn man dort die Augen schließt und nur lauscht, wird man Zeuge eines faszinierenden Phänomens: Ein dichtes, wogendes Meer aus Lauten brandet an unser Ohr. Das weiche Melodische des Spanischen, das Kehlige des Arabischen, die rhythmischen Klicks afrikanischer Dialekte, das fast singende Chinesische.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was zuerst wie ein unentwirrbares Chaos klingt, entpuppt sich bei genauem Hinhören als enorme Lebendigkeit. Jede Sprache ist ein eigenes Universum. Jede Sprache transportiert eine eigene Art, die Welt zu sehen, zu fühlen, zu lieben und zu trauern. Fühlen auf Spanisch „Feel“, lieben auf Arabisch الحب (al-ḥubb). Trauern auf Chinesisch 哀悼. (āidào – eidau).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor wenigen Tagen, am 21. Mai, haben wir weltweit den <em>„Tag der kulturellen Vielfalt für Dialog und Entwicklung“</em> begangen. Dieser Welttag wurde vor 25 Jahren von der UNO ins Leben gerufen – als Reaktion auf Ereignisse, die die Menschheit zutiefst erschütterten, wie die barbarische Sprengung der jahrhundertealten Buddha-Statuen von Bamiyan durch die Taliban im März 2001.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Solche Taten führen vor Augen, wie zerbrechlich Kulturen sind. Keine ist davor gefeit, mutwillig zerstört zu werden. Der „Tag der kulturellen Vielfalt“ ist im Grunde ein sperriger Name für etwas zutiefst Menschliches: Wir feiern die Tatsache, dass Gott uns eben gerade nicht aus einer einzigen Schablone gestanzt hat. Und heute, am Pfingstsonntag, feiern wir – so wird allgemein gesagt &#8211; den Geburtstag der Kirche, dem, was sie ausmacht. An diesem Tag haben die Anhängerinnen und Anhänger Jesu den Schritt aus ihrer Traurigkeit und ihrem Rückzug hinein ins Leben gewagt. Diese beiden Anlässe gehören untrennbar zusammen. Pfingsten ist das biblische Ur-Fest der kulturellen Vielfalt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hören wir dazu die Erzählung aus der Apostelgeschichte:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Zum Beginn des jüdischen Schawuotfestes waren alle, die zu Jesus gehörten, in Jerusalem beieinander. Plötzlich kam vom Himmel her ein Brausen wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus. Zugleich sahen sie etwas wie züngelndes Feuer, das sich auf jedem Einzelnen von ihnen niederließ. So wurden sie alle mit dem Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in fremden Sprachen zu reden, jeder so, wie der Geist es ihm eingab.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">In Jerusalem hatten sich viele fromme Juden aus aller Welt niedergelassen. Als sie das Brausen hörten, liefen sie von allen Seiten herbei. Fassungslos hörte jeder die Jünger in seiner eigenen Sprache reden. »Wie ist das möglich?«, riefen sie außer sich. »Alle diese Leute sind doch aus Galiläa, und nun hören wir sie in unserer Muttersprache reden; ganz gleich ob wir Parther, Meder oder Elamiter sind. Andere kommen aus Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus, Asia, Phrygien, Pamphylien, Ägypten, Libyen oder Rom. Wir sind Juden, Kreter und Araber.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Doch jeder von uns hört diese Menschen in seiner eigenen Sprache von Gottes großen Taten reden!« Erstaunt und ratlos fragte einer den anderen: »Was soll das bedeuten?« Einige aber spotteten: »Die haben doch nur zu viel getrunken!«</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Da erhob sich Petrus mit den elf Aposteln und rief der Menge zu: »Hört her! Diese Männer sind nicht betrunken, es ist ja erst neun Uhr morgens. Nein, hier erfüllt sich, was Gott durch den Propheten Joel vorausgesagt hat: ›In den letzten Tagen, spricht Gott, will ich die Menschen mit meinem Geist erfüllen. Eure Söhne und Töchter werden prophetisch reden, eure jungen Männer werden Visionen haben und die alten Männer Träume. Allen Männern und Frauen, die mir dienen, will ich in jenen Tagen meinen Geist geben. Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.‹«</p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Festgemeinde!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir an die Vielfalt von Sprachen denken, fällt uns meist zuerst der Turmbau zu Babel ein. Menschen wollten hoch hinaus, ein Denkmal der eigenen Macht setzen – ganz ähnlich wie heutige Tech-Milliardäre, die ihre Server ins Weltall verlagern wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Damals sprachen alle dieselbe Sprache. Doch Gott schritt ein, verwirrte ihre Sprache und zerstreute sie. Jahrhundertelang wurde diese Geschichte so ausgelegt, als sei Vielfalt eine Strafe Gottes, ein Fluch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Pfingstfest räumt gründlich mit diesem Missverständnis auf. 50 Tage nach Ostern bricht der Heilige Geist über die verlassenen Jünger herein. Nicht leise, sondern wie ein kosmischer Weckruf. Und was macht dieser Geist? Bringt er ihnen eine himmlische Einheitssprache bei? Verlangt er, ab jetzt nur noch auf Latein, Griechisch oder Aramäisch zu predigen? Nein! Gerade im Glauben soll es keine standardisierte Kommunikation geben. Der Geist Gottes lässt diese einfachen Fischer aus Galiläa, die man an ihrem Dialekt sofort erkannte, in den Muttersprachen der Völker reden. Das Wunder besteht darin, dass die Menschen sich nicht anpassen müssen, um Gott zu verstehen. Gott passt sich ihnen und ihrer Kultur an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für uns in der evangelisch-reformierten Tradition ist das ein zentraler Gedanke. Huldrych Zwingli in Zürich und Johannes Calvin in Genf predigten ganz bewusst in der Sprache des Volkes, nicht auf Latein. Warum? Weil das Evangelium die jeweilige Kultur nicht verdrängen, sondern bereichern will. In unserer heutigen Gesellschaft erleben wir eine merkwürdige Gleichzeitigkeit. Auf der einen Seite ist unsere Welt durch Globalisierung und Migration so vielfältig wie nie zuvor. In den Wiener Schulen haben über 50 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund – Wien war eben immer schon ein Schmelztiegel. Auf der anderen Seite erleben wir eine enorme Angst vor dieser Vielfalt. Die einen fordern radikale Assimilation, die anderen flüchten sich in aggressiven Nationalismus. Und Ewiggestrige faseln von „Remigration“, als ob man Menschen wie Waren hin- und herschieben könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Pfingsten zeigt uns einen dritten Weg.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geistausgießung schafft Einheit, aber nicht Gleichheit. Der Kreter bleibt Kreter, die Araberin bleibt Araberin. Ihre kulturelle Identität wird nicht ausgelöscht. Aber das Trennende, das Feindselige wird überwunden. Sie verstehen einander. Karl Barth schrieb einmal, dass die Gemeinde kein Monolith ist, sondern ein lebendiger Organismus, der von den Unterschieden seiner Glieder lebt. Wenn alle gleich wären, wäre der Leib Christi gelähmt. Gott liebt die Biodiversität des Geistes. Petrus wehrt sich gegen die Spötter, die sagen: „Mein Gott, sind die besoffen?!“ und zitiert den Propheten Joel. Dieser Text bricht alle Hierarchien auf:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Söhne <em>und</em> Töchter werden weissagen. Nicht die gelehrten und älteren angesehenen Männer. Junge <em>und</em> Alte arbeiten zusammen, anstatt sich in Grabenkämpfen zu zerreiben. Und sogar auf die Knechte und Mägde – die sozial Benachteiligten – wird der Geist ausgegossen. Hier wird eine radikale Gleichwertigkeit proklamiert, die jede soziale Barriere sprengt. Pfingsten ist ein zutiefst befreiendes, demokratisches Ereignis.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Kulturelle Vielfalt in der Kirche bedeutet deshalb nicht, einmal im Jahr ein „interkulturelles Buffet“ mit Hummus und Frühlingsrollen zu veranstalten. Es bedeutet Machtteilung. Es bedeutet anzuerkennen, dass unsere westlich-europäische Art, Christsein zu leben, nur eine von vielen Farben im göttlichen Malkasten ist. Was fangen wir nun an mit diesem Pfingstgeist?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Predigttext schließt mit den Worten: <em>„Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist die Kernbotschaft, die alle Kulturen verbindet. Unser Auftrag als reformierte Kirche – als <em>ecclesia semper reformanda</em>, die sich ständig erneuert – ist der Auftrag zur Übersetzung. Wir müssen Sprachbarrieren abbauen und Räume des Dialogs öffnen. Aber wir müssen die Botschaft von der Gnade Gottes auch in die Sprachen der heutigen Zeit übersetzen: in die Sprache der Digitalisierung, in die Sprache der sozialen Nöte, zu den Menschen, die mit traditionellen kirchlichen Begriffen nichts mehr anfangen können. Das Wunder von Pfingsten liegt nicht in der Vergangenheit. Pfingsten passiert auch heute noch – überall dort, wo wir den Mut aufbringen, aus unseren geschlossenen Räumen herauszutreten, direkt auf den Marktplatz des Lebens.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Vielfalt bedroht uns nicht, sie bereichert uns. Sie ist das lebendige Zeichen dafür, dass Gottes Geist weht, wo er will. Ein Tag der kulturellen und sprachlichen und religiösen Vielfalt gemeinsam mit dem Pfingstfest wäre toll als ein gemeinsames Fest einer weltweiten Geschwisterlichkeit. Das würde doch vieles heilen helfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Amen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>14. Mai 2026 Jeremia 1, 4-11 „Hoffnung, die man sehen kann“</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/14/14-mai-2026-jeremia-1-4-11-hoffnung-die-man-sehen-kann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 16:03:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7333</guid>

					<description><![CDATA[Harald Kluge Youtube Lesung aus dem Lukasevangelium 2, 41-52 – Jesus als 12 Jähriger wird von seinen Eltern in der großen Stadt Jerusalem gesucht. Sie finden ihn im Tempel wieder. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Harald Kluge <a href="https://youtu.be/lR7GCq4X-eo">Youtube</a></p>



<span id="more-7333"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Lesung aus dem Lukasevangelium 2, 41-52 – Jesus als 12 Jähriger wird von seinen Eltern in der großen Stadt Jerusalem gesucht. Sie finden ihn im Tempel wieder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Na, liebe Gemeinde! Und jetzt einmal Hand aufs Herz. Wer von euch hat sich nicht schon mal so große Sorgen gemacht wie Maria und Josef um ihren Sohn Jesus? Wer hat sein Kind nicht schon mal verzweifelt gesucht? In den letzten neun Monaten hattet ihr, liebe Eltern der Konfirmandinnen und Konfirmanden, es da leichter. Zumindest freitags zwischen 18:00 und 19:30 Uhr wusstet ihr genau, wo euer Nachwuchs steckt: Im Haus Gottes. In der Dorotheergasse 16.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Neun Monate Konfi-Kurs.</strong> Es war keine schwere Geburt, eher eine Punktlandung. Nach einem etwas stotternden Start haben wir flott den richtigen Kurs gefunden. An 23 Abenden, zu einem Zivilcourage-Training sind wir zusammengekommen. Und zwei Wochenenden haben wir gemeinsam in der Veitsch und am Stubenbergsee verbracht. Wir saßen, Konfis und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jeden Freitag, oft auch, wenn eigentlich gar kein Kurs angesetzt war, im Sesselkreis im Gemeindesaal. Und ihr habt untereinander diskutiert wie der zwölfjährige Jesus im Tempel mit den Gelehrten seiner Zeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugegeben, es war ein Schnellsiedekurs über das Leben. Wir haben über eure Berufsträume, Hobbys und Lieblingsspiele gesprochen, aber auch über den richtig schweren Fragen in unserem Nest gebrütet:</p>



<p class="wp-block-paragraph">Worauf hoffe ich eigentlich? Wie geht das: das Beten &amp; das Predigen? Und – ganz wichtig – wie streitet man richtig, ohne alles kaputt zu schlagen? Wir haben uns über Antisemitismus und Ausgrenzung aufgeregt, das Mahnmal am Albertinaplatz analysiert und bei „Orange the World“ ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen gesetzt. Ihr habt uns da am letzten Sonntag frisch aus dem 3D Drucker von Jakob auch gleich dieses starke  Zeichen gegen Gewalt – den White Ribbon mitgegeben. Übrigens hat Jakob da auch die Nummer der FRAUENHELPLINE gegen Gewalt eindrucken lassen &#8211; 0800 222 555. Da kommt man direkt österreichweit zur telefonischen Beratung, wenn man als Frau oder Mädchen mit Gewalt konfrontiert ist – rund um die Uhr, kostenlos, anonym, mehrsprachig, 365 Tage im Jahr. Am Ausgang gibt es da noch einige der White Ribbons für Sie. Danke Jakob! Wir haben miteinander Anfang Dezember sogar gemeinsam versucht, eine eigene Religion zu erfinden – inklusive Rituale und Räume und Zeiten: Wann würden wir am liebsten gemeinsam feiern und was machen wir dann?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Euch ist zu jeder Frage des Lebens etwas eingefallen. Unsere 20 Köpfe haben eine Gemeinschaft heraufbeschworen. Und ich bin überglücklich ein Teil davon zu sein. Wir haben uns mit <strong>„Jesus und die Frauen“ </strong>beschäftigt, was wohl die Initialzündung für euren eigenen Gottesdienst war: <strong><em>„Feminismus – ein Tag ist nicht genug!“</em></strong> Ihr habt gelernt: Wir sind Evangelische. Und wir sind Reformierte. In Österreich sind wir da ja eine kleine Herde (unter 10.000 Schäfchen), aber weltweit sind wir 100 Millionen. Unser gemeinsames reformiertes Motto könnte lauten: <strong>„In Vielfalt geeint!“ wie bei der EU.</strong> Das bedeutet: Jede und jeder soll sich eine eigene Meinung bilden. Keine Stimme ist zu leise, keine zu jung. Und wir müssen uns immer neu überlegen, wie will GOTT, dass wir leben und was hat Jesus mit seinen starken Aussagen und Handlungen gemeint? Woran soll ich mich orientieren?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wichtig war es uns, also dem Team der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Anna, Babsi, Cornelia, Leoni, Sarah, Emil, Lukas, Nandor, Oliver und Harald, dass gleich von Anfang an seit dem ersten Treffen klargestellt ist: Wir begegnen einander alle auf einem Niveau. </p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Lasst euch niemals also nicht einreden,</strong> ihr wärt zu jung, zu unerfahren oder „noch voll in der Pubertät“. Wenn euer Gewissen euch sagt: „Das hier ist der richtige Weg“, dann geht ihn. Denkt nicht: „Das kann ich eh nicht.“ GOTT hat uns dieses Gewissen als Kompass fürs Leben geschenkt!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Einem Jugendlichen, der damals genau in eurem Alter war, ging es vor gut 2600 Jahren ganz ähnlich: Jeremia. Er hatte eines Tages einen Anruf – oder besser: einen Ruf – der sein Leben veränderte.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Die Berufung (Jeremia 1, 4-11)</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Jeremia wird von Gott berufen4 Eines Tages sprach der HERR zu mir: 5 »Ich habe dich schon gekannt, ehe ich dich im Mutterleib bildete, und ehe du geboren wurdest, habe ich dich erwählt, um mir allein zu dienen. Du sollst ein Prophet sein, der den Völkern meine Botschaften verkündet.« 6 Ich aber erwiderte: »O nein, mein HERR und Gott! Ich habe keine Erfahrung im Reden, denn ich bin noch viel zu jung!« 7 Doch der HERR entgegnete: »Sag nicht: Ich bin zu jung! Zu allen Menschen, zu denen ich dich sende, sollst du gehen und ihnen alles verkünden, was ich dir auftrage. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen, ich bin bei dir und werde dich beschützen. Darauf gebe ich, der HERR, mein Wort.« 9 Er streckte mir seine Hand entgegen, berührte meinen Mund und sagte: »Ich lege dir meine Worte in den Mund 10 und gebe dir Vollmacht über Völker und Königreiche. Du wirst sie niederreißen und entwurzeln, zerstören und stürzen, aber auch aufbauen und einpflanzen!« 11 Dann fragte er mich: »Jeremia, was siehst du dort?« »Einen Mandelbaumzweig, dessen Blüten bald aufgehen.« </em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott sagt Jeremia: <em>„Bevor du überhaupt im Mutterleib warst, kannte ich dich schon. Ich hab dich ausgesucht. Du sollst mein Prophet sein.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein starker Satz. Gott sucht dich als Individuum aus – ganz persönlich, ganz intim. Jeremias Reaktion? Verständlich. <em>„O nein, Gott! Ich kann nicht gut reden, ich bin doch noch viel zu jung!</em>“ Doch Gott kontert sofort: <strong>„Sag nicht: Ich bin zu jung!“</strong> Was glauben Sie, wie alt Jeremia da war? Manche sagen ein Teenager, manche Anfang 20. Damals wie heute gilt: <strong>Die Jungen sollen mal schön still sein, die haben ja noch keine Ahnung.</strong> Aber wie viel mehr wissen wir Erwachsenen denn wirklich? Und wenn wir es wissen, warum handeln wir dann nicht? Jugendlicher Übermut ist zuallererst genau das: <strong>MUT.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind oft die Jüngeren, die gegen Umweltzerstörung und den blinden Glauben an die Wirtschaft, gegen den Kadavergehorsam, gegen das vermeintlich „Faktische“, gegen das von allen so genannte „Unvermeidbare“ aufstehen. &nbsp;Sich auflehnen und nicht abzufinden, sondern Lösungen finden zu wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Darum geht es doch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nicht nur den Kopf schütteln, wenn wir hören: FEMINISMUS?! Geh bitte. Das ist doch Schnee von gestern. Das haben wir hinter uns.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei eurem Them ahab ich mir gedacht: Es gibt wohl nur ein Thema mit dem ihr mehr Kopfschütteln erzeugt hättet – also ich finde es gut, wenn die Leute den Kopf schütteln, weil dann kommen die Schrauben und Rädchen im Gehirn vielleicht wieder in die richtige Position und man fängt neu zu denken an. Also statt FEMINISMUS hab ich mir gedacht. Ein Thema wäre wohl noch aufregender: Woke und Wokismus. Da hättet ihr wohl auch viel zu sagen. Denn WOKE heißt und meint: Wir sollten woke, also  wachsam sein gegenüber jeder Art und Form von Diskriminierung und Abwertung! Gott sagt zu euch Jüngeren, Jugendlichen und Junggebliebenen: „Lasst euch nicht einreden: Ihr seid nicht zu jung!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wir als Kirche müssen das irgendwann auch endlich begreifen, reifen: Ihr habt ein Gespür dafür, wenn etwas schiefläuft. In einer unserer Konfi-Stunden habt ihr als „Jugend-Gemeindevertretung“ getagt und über Verschiedenes abgestimmt. Die notwendige Sanierung unseres Kirchturms war euch etwa ein großes Anliegen. Euch ist der Turm, wie uns nicht egal. Und ihr, Konfis und Mitarbeiterinnenteam, habt euch einstimmig und euphorisch für die Initiative <strong>„A und O – akzeptierend und offen“</strong> eingesetzt. Dank euch hat unsere Gemeinde jetzt dieses Prädikat, das vermitteln soll: Wir wollen eine offene und akzeptierende Gemeinde sein, werden und bleiben. Ihr habt gezeigt, dass ihr gestalten wollt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gott sagt: <em>„Fürchte dich nicht. Ich bin bei dir und beschütze dich. Darauf hast du mein Wort.“</em> Gott will euer Selbstbewusstsein nicht nur ein bisschen pushen, er will es zementieren. <strong>Das Spiel des Lebens</strong> Und hier kommen wir zu einem unserer Lieblingsspiele im Jugendkeller: <strong>„Stadt, Land, Vollpfosten“</strong>. Lassen Sie uns das kurz gemeinsam spielen. Nehmen Sie die ersten beiden Buchstaben Ihres Vornamens. Ich stelle eine Frage, und wer zuerst eine Antwort mit einem dieser beiden Anfangsbuchstaben herausruft, gewinnt:</p>



<ol class="wp-block-list">
<li>Zum Einstieg: Das gehört für mich zu einem guten Frühstück…</li>



<li>Das verbinde ich mit KIRCHE…</li>



<li>Daran denke ich, wenn ich an die Konfirmandinnen und Konfirmanden denke…</li>



<li>Darüber hab ich mich in letzter Zeit gefreut&#8230;</li>



<li>Das macht mir Angst&#8230;</li>



<li>Das bringt mich zum Lächeln&#8230;</li>



<li>Das stärkt mein Selbstbewusstsein&#8230;</li>



<li>Das schenkt mir Hoffnung&#8230;</li>
</ol>



<p class="wp-block-paragraph"><em>(Kurze Interaktion mit der Gemeinde)</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Impuls reciht aus, um eine Stimme zu finden. Bei Jeremia war es so: Gott streckt seine Hand aus, berührt ganz sanft seinen Mund und sagt: <em>„Ich lege dir meine Worte in den Mund. Du wirst Dinge einreißen, aber auch aufbauen und einpflanzen!“</em> Dann fragte Gott: „Jeremia, was siehst du?“ Und er antwortete: <strong>„Einen Mandelbaumzweig, dessen Blüten bald aufgehen.“</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde, heute ist es leicht, Dinge niederzureißen. Das können wir in jedem Videospiel. Da sind wir bei Beziehungen leider auch ganz gut drin. Aber etwas aufzubauen und einzupflanzen und beim Wachsen zuzusehen – da müssen wir geduldig sein und uns Zeit nehmen. So wie ihr alle euch heute Zeit genommen habt, um euren Liebsten – den Konfis – den Rücken zu stärken. <strong>Der Mandelzweig ist ein ganz starkes Bild der Hoffnung.</strong> Ihr, liebe Konfis, seid genau solche Hoffnungsträger. Ihr seid die Botinnen und Boten für eine Hoffnung, die man sehen, hören und sogar angreifen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zuletzt noch einmal zurück zu „Stadt, Land, Vollpfosten“. Nehmen Sie den Anfangsbuchstaben Ihres Namens. Fällt Ihnen dazu etwas ein, worüber sie in Jubel ausbrechen? Mir fallen: <strong>Armin, Arno, Benedikt, Constantin, Emma, Florian, Jakob, Jasmin, Simon und Sophie.</strong> Eure Namen sind Namen einer neuen Generation und einer neuen Hoffnung. Wenn ihr an euren Namen denkt, denkt daran: Ihr seid die Zeichen der Freude und der Liebe Gottes gegen jede Form von Hoffnungslosigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>AMEN</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>10. Mai 2026 „Ein Tag ist nicht genug!“</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/10/10-mai-2026-ein-tag-ist-nicht-genug/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 10 May 2026 09:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7300</guid>

					<description><![CDATA[Gottesdienst der Konfirmand:innen der Reformierten Stadtkirche Zum Thema: Feminismus EINGANGSGEBETE Vater im Himmel! Hilf uns, unsere Zeit nicht zu verschwenden, denn wir haben nicht so viel. Wir haben nur etwa [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Gottesdienst der Konfirmand:innen der Reformierten Stadtkirche</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Thema: Feminismus</p>



<span id="more-7300"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>EINGANGSGEBETE</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Vater im Himmel!</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hilf uns, unsere Zeit nicht zu verschwenden, denn wir haben nicht so viel. Wir haben nur etwa 30.000 Tage zu leben, wir wollen keine davon verschwenden. Mit Sozialen Medien verschwenden wir mehr als 1.000 Tage davon. Gleichzeitig beklagen sich viele Menschen, dass sie keine Zeit haben, um ihre Hobbys auszuüben. Zeige ihnen den Weg zu mehr Zeit zu kommen und diese gewonnene Zeit dann auch weise zu nutzen. Bitte hilf uns, dass im Hinterkopf zu behalten und jeden Tag wie unseren letzten zu leben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Vater, Danke für die Zeit, die wir haben. Auch wenn sie nicht unendlich ist, sollten wir uns nicht beklagen, weil egal in welcher Zeit ob in der besten Sekunde oder in der schlechtesten Stunde, du Vater, bist immer bei uns. Danke Vater, dass du uns Zeit schenkst, in der wir dich immer um Rat bitten können, uns immer bei dir bedanken können und wir immer um etwas bitten können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott! Ich danke dir, dass du mich durch mein bisheriges Leben geführt hast. Danke, dass du mit uns durch alle Zeiten gehst. Auf diesem Weg habe ich viel dazu gelernt. Die Vergangenheit und die Gegenwart zeigen mir, was für mich wichtig ist. In der Zukunft will ich natürlich auch noch viel lernen erreichen und durch deine helfende Hand werde ich das auch bewältigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott, danke für meine Familie, meine Freunde, meine Bildung und meine Gesundheit. Ich bin dir jeden Tag dankbar dafür. Ich danke dir auch für all die Zeit, die ich mit der Familie und Freund*innen verbringen darf. Für die Zeit ohne Angst zu verhungern. Ich danke dir auch für die ganze Zeit, Sport betreiben zu dürfen und in die Schule gehen zu dürfen. Bitte schenke auch den Menschen, denen es gerade schwerfällt, Hoffnung, Kraft und Momente der Freude, damit auch sie ein Lächeln auf ihrem Gesicht tragen können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott, Warum ist Zeit so wichtig? Durch Zeit entstehen viele Erinnerungen. Aber warum sind trotzdem noch so viele Menschen am Handy anstatt mit ihren Liebsten Zeit zu verbringen und Erinnerungen zu schaffen? Zum Beispiel verbringen Kinder und wir Jugendlichen mehr Zeit am Handy als mit Familienmitgliedern Spiele zu spielen. Ich selber bin oft am Handy und könnte stattdessen mit meiner Familie reden oder Spiele spielen. Ich bitte dich, hilf den Menschen zu erkennen, wie wertvoll die Zeit ist und dass sie mehr Zeit mit ihren geliebten Menschen verbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott, wir danken dir dafür, dass wir in dieser schweren Zeit trotzdem Zeit für Familie und das gemeinsame am Tischsitzen finden. Danke, dass wir trotz dieser schweren Zeit noch Platz finden für Freund*innen, dass wir mit ihnen rausgehen und Sachen unternehmen können. Danke, dass wir in dieser schweren Zeit auch Zeit finden für Ruhe und um einfach mal entspannen zu können. AMEN</p>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Für uns bedeutet Feminismus, dass man der Meinung ist, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollen und niemand über jemand anderem steht. Alle sollen die gleichen Chancen haben.“</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Predigt Teil 1 Jasmin Baumgartner</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieben hat seine Zeit. Hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit. Friede hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit, geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.   (aus Prediger 3)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre? (Hiob 10,5)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es kommt die Zeit, in der hier kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Alles, was ihr jetzt seht, wird nur noch ein großer Trümmerhaufen sein. &nbsp; (Lukas 21,6)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles und alle sind der Zeit und dem Zufall ausgeliefert. &nbsp;&nbsp;&nbsp; (Pred 9,11)</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alles braucht seine Zeit. Und alles endet. Und etwas Neues beginnt, das wieder endet. Zeit gehört zu den wenigen Dingen, die niemand festhalten kann, die wir nicht stoppen können, auf die wir keinen Einfluss haben, egal was man tut. Jeder Tag vergeht, jede Jahreszeit verändert sich, und auch wir selbst bleiben nie ganz dieselben. Manchmal macht uns das Angst. Wir wünschen uns Sicherheit, Beständigkeit und Kontrolle. Doch die Bibel erinnert uns daran: Veränderung ist kein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat. Oft ist sie gerade der Ort, an dem Gott wirkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Buch des Predigers heißt es: <strong>„Alles hat seine Zeit.“ </strong>Aufbruch und Abschied. Kommen und Gehen. Doch wir müssen uns nicht fürchten, denn Gott führt uns nicht immer auf geraden und einfachen Wegen, aber er geht jeden Abschnitt unseres Lebens mit uns. Auch Jesus zeigt uns, dass Veränderung zum Glauben gehört. Menschen, die ihm begegneten, blieben nicht dieselben. Aus Angst wurde Mut, aus Schuld wurde Hoffnung, aus Zweifel wurde Vertrauen. Der Glaube bedeutet nicht, stehen zu bleiben, sondern sich von Gott verwandeln zu lassen. Gerade in unserer schnellen Welt spüren viele Menschen Druck und Unsicherheit. Doch unser Halt liegt nicht darin, dass alles gleich bleibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Halt liegt darin, dass Gott derselbe bleibt — gestern, heute und in Ewigkeit. Egal was wir tun, wie wir werden und was passiert, er wird uns nie verlassen. Darum dürfen wir der Zukunft mit Vertrauen begegnen. Die Zeit verändert vieles, aber Gottes Liebe trägt uns durch jede Veränderung hindurch. Zeit verändert alles. Menschen, Gesellschaften, Gedanken und auch die Kirche bleiben nie vollkommen gleich. Und oft macht uns genau das Angst. Veränderung bedeutet Unsicherheit. Das Vertraute beginnt zu wanken, und wir fragen uns: „Was bleibt denn noch?“ Doch Angst vor Veränderung begleitet die Menschen schon seit biblischen Zeiten. Immer wieder wollten Menschen am Alten festhalten, während Gott sie weiterführte. Abraham musste seine Heimat verlassen. Die Jünger mussten lernen, alte Vorstellungen loszulassen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und auch wir stehen heute vor Veränderungen, die uns herausfordern. Doch Stehenbleiben ist keine Option. Angst vor Veränderung ist normal, doch denken Sie daran, was manche schaffen, indem sie diese Angst überwinden. Auch gesellschaftliche Entwicklungen wie der Feminismus lösen Diskussionen und Unsicherheit aus. Doch hinter dem Wunsch nach Gleichberechtigung steht auch ein zutiefst christlicher Gedanke: dass jeder Mensch von Gott geschaffen ist und dieselbe Würde besitzt. Schon in der Bibel steht, alle Menschen sind gleich. Alle haben ein Recht auf Leben. Wenn es doch schon dort geschrieben ist, was hält uns noch an den alten Formen? Gott liebt uns alle gleich und die Bibel erinnert uns daran, dass er den Menschen nicht nach Macht oder Geschlecht bewertet, sondern nach dem Herzen. Das bedeutet nicht, dass jede Veränderung leicht ist oder dass wir keine Fragen stellen dürfen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Glaube ruft uns dazu auf, Veränderungen nicht zuerst mit Angst, sondern mit Offenheit, Weisheit und Vertrauen zu begegnen. Denn unser Fundament ist nicht eine unveränderte Welt. Unser Fundament ist unser Glaube. Der Glaube, der uns alle verbindet und der Glaube daran, dass Gott uns führen wird. Menschen ändern sich, Zeiten ändern sich, doch Gottes Schutz bleibt bestehen. Und vielleicht liegt gerade darin Trost: Dass wir nicht alles festhalten müssen, weil Gott uns auch durch unbekannte Wege begleitet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Predigt 2. Teil von Sophie Grandpierre</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Mental Load &amp; Care Arbeit</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wann ist der nächste Termin? Um wie viel Uhr muss ich da sein? Wann beginnt mein Fußballtraining? Was essen wir heute? Kannst du mir dabei helfen? Wie fahr ich am besten dort hin? All diese Fragen, würde ich eher meiner Mutter stellen als meinem Vater. Und ich glaub damit bin ich nicht allein. Oft ist es ganz selbstverständlich, dass die Mutter den Überblick hat. Dass sie weiß, was ansteht. Dass sie plant, organisiert, sich kümmert. Vieler dieser Dinge sieht man gar nicht sofort. Sie passieren im Kopf. Nebenbei. Heutzutage nennt man das „Mental Load“. Also die ganze Arbeit, die wir nicht sehen &#8211; aber da ist. Unbewusste Fragen, die wir einer bestimmten Person stellen und von ihr eine Antwort erwarten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer kauft ein? Wer denkt an Geburtstage? Es sind kleine Dinge. Aber man kann sie nicht einfach abhaken. Und genau das macht es so anstrengend. Und wenn wir ehrlich sind, wird diese Last eher von Frauen getragen. Nicht nur im Alltag, nein, sondern auch unsere Gesellschaft hat viele Erwartungen an Frauen. Sie sollen sich kümmern. Sie sollen glücklich sein. Sie sollen unterstützen. Sie sollen Entscheidungen treffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich würde jetzt mal einen Blick in die Entstehungsgeschichte von Adam und Eva werfen. Wenn wir an Adam denken, dann haben wir Adam von den Augen, der durch Eva in die verbotene Frucht gebissen hat. Und bei Eva, denken wir an die Frau, die der verbotenen Frucht nicht widerstehen konnte und Adam angestiftet hat, sie zu essen. Da sehen wir schon, dass Eva als die „Böse“ und „Hinterlistige“ dargestellt wird und Adam als der Unschuldige. &nbsp;Wie ist es in der Bibel zu verstehen? Dort steht:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">(1. Mose, 3, 1-14)</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">„Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu Eva: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Da sprach Eva zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zu Eva: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und Eva sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab Adam, der bei ihr war, auch davon und er aß. &nbsp;Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit Eva vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?</p>



<p class="wp-block-paragraph" style="font-style:italic;font-weight:400">Da sprach Adam: Eva, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zu Eva: Warum hast du das getan? Eva sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man kann es auch so sehen, dass die Schlange Eva nicht betrogen hat, sondern ihr eine neue Perspektive gezeigt hat. Denn dadurch, dass sie einen Biss von der Frucht gegessen hat, hat Eva das „Gute“ und das „Böse“ entdeckt. Das Leben. Hass. Neid. Eifersucht. Leid. Scham. Aber auch Freude. Glück. Hoffnung. Zuversicht. Und Liebe. Ist das eigentlich nicht wundervoll? Und warum ist Eva meistens schuld? Eva stellt Fragen. Sie ist neugierig. Sie will verstehen. Eigentlich sind das Eigenschaften, die wir heute gut finden, oder? Und Adam? Adam ist genauso da. Er trifft genauso eine Entscheidung. Trotzdem wird die Schuld oft an Eva geschoben. Vielleicht zeigt sich hier ein Muster, dass wir auch heute noch kennen. Dass Frauen schneller bewertet werden. Dass mehr von ihnen erwartet wird. Und dass ihnen schneller Fehler zugeschrieben werden. Heutzutage gibt es ein Wort, das für mich genau das NICHT bedeutet: Feminismus. Feminismus bedeutet für mich nicht, dass Frauen besser sind als Männer. Auch nicht, dass es darum geht, Männer zu kritisieren. Feminismus bedeutet für mich, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen. Und vor allem bedeutet es, dass wir hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Warum wird von Frauen erwartet, sich um alles zu kümmern? Warum es „normal“ ist, dass sie die Verantwortung im Kopf tragen? Und warum fällt es uns oft gar nicht auf? Care-Arbeit ‒ also sich um andere kümmern ‒ ist unglaublich wichtig. Aber sie sollte nicht unsichtbar sein. Und sie sollte nicht einfach automatisch bei Frauen landen. Ich finde, wenn wir an Gott glauben, dann glauben wir, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Das bedeutet auch: Verantwortung sollte geteilt werden. Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, wer damals schuld war. Sondern darum, wie wir heute miteinander umgehen. Wer trägt Verantwortung? Wer kümmert sich? Wer denkt an alles? Und vor allem: Warum ist es oft immer noch dieselbe Person?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn wir wirklich glauben, dass jeder Mensch gleich wertvoll ist, dann darf Verantwortung nicht einseitig sein. Dann bedeutet das: hinschauen. hinterfragen. Und verändern. Denn niemand sollte das Gefühl haben, alles allein tragen zu müssen. Und vielleicht beginnt Veränderung genau hier: Nicht bei großen Worten. Sondern bei kleinen Fragen im Alltag. Und vielleicht darin, wer sie beantwortet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Predigt 3. Teil&nbsp; von Constantin Resl</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wie der Feminismus früher war? Wahrscheinlich nicht. Ich versuche Ihnen einen Überblick über die frühere und heutige Zeit verschaffen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem 1. Weltkrieg durften Frauen weder wählen, noch studieren und waren rechtlich vom Ehemann abhängig. Diese Rollenverteilung spiegelt sich auch in verschiedenen Bibelversen nieder. So schrieb Apostel Paulus in seiner Gefangenschaft im Epheserbrief [Epheser 5,22]: <em>„Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau.“</em> Und im Korinther 14,34 steht: <em>„(es) </em><em>sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Heute sind Frauen und Männer vor dem Gesetz gleichberechtigt. Das Wahlrecht, das Recht auf Bildung und die freie Berufswahl sind mittlerweile selbstverständlich. Trotzdem ist Gleichstellung im Alltag nicht vollständig erreicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Heutzutage geht es vor allem Fairness. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit oft weniger als Männer. Diskriminierung durch Dienstgeber ist gesetzlich verboten. Aber wenn Frauen den Großteil der Hausarbeit, Kinderbetreuung und die Pflege von kranken Familienmitgliedern unentgeltlich übernehmen, ist es naheliegend, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, welche sich vollständig auf ihre berufliche Karriere fokussieren können. Die moderne Frau, welche in jeder Beziehung gleiche Rechte fordert, steht aber nicht im Gegensatz zur Bibel. Die Bibel unterstützt, die gleichberechtige Frau an vielen Stellen. Im ersten Buch Mose steht:  <em>„Und Gott schuf den Menschen als sein Bild&#8230; als Mann und Frau schuf er sie.&#8220;  Beide besitzen die gleiche Würde vor Gott.“</em> Und im Galaterbrief steht: <em>&#8222;Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus.&#8220;</em> Dies betont die absolute Gleichheit im Glauben. Und im Buch der Sprüche im Kapitel 31 wird eine Feministin, eine starke eigenständige Frau beschrieben: <em>„Kraft und Würde sind ihr Gewand, und sie lacht des kommenden Tages.“ </em>Die reformierte Kirche hat sich für eine moderne Interpretation der Bibel eingesetzt. In der Grundsatzerklärung unserer Kirche steht: <em>„Jesus Christus hat eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern mit gleichen Rechten und Pflichten gestiftet. Darum hat die Kirche in ihrer Ordnung und in ihrem Handeln die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten und für sie einzutreten. Niemand darf wegen seiner Herkunft oder seines Geschlechtes benachteiligt werden.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich finde man sollte auf jeden Fall etwas gegen die Benachteiligung von Frauen unternehmen. Und es gibt Menschen mit einer anderen Meinung. Wichtig ist, dass man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Oder was denken Sie darüber?</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Predigt Teil 4 von Arno Hobusch</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine einzelne Meinung nützt eh nichts! Wozu sie dann beibehalten, wenn der Preis dafür vielleicht der Ausschluss aus deiner liebsten Gemeinschaft, dem Freundeskreis oder der Familie ist? Doch dahinter steckt viel mehr als das. Viele, vor allem unsichere, jüngere Personen, gibt es, die sich, bevor sie etwas sagen, einmal umsehen, wofür sich die anderen aussprechen. Oder sie trauen sich gar nicht, sich zu melden aus Angst vor jeglicher Kritik. Doch was soll passieren? Wenn du in dieser Gruppe mit deiner Meinung nicht akzeptiert wirst, ist sie es dann wert, dass du an ihr festhältst? Individuelle Meinungen sind für unsere Gemeinschaften und ihren Erhalt so wichtig. Stellen wir uns einmal eine konkrete Situation vor, die es so schon oft gegeben hat. Alltägliche Fehlentscheidungen von Politikerinnen und Politikern kommen zustanden, weil kritische Stimmen fehlen, und genau an diesem Punkt kommen ihre individuellen Meinungen und Standpunkte ins Spiel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Passend dazu heißt es im Zweiten Buch Mose 23,2: <em>„</em><strong><em>Folge nicht der Mehrheit</em></strong><em>, wenn sie im Unrecht ist! Musst du vor Gericht aussagen, sollst du <strong>nicht der Mehrheit</strong> nach dem Mund reden und so ein gerechtes Urteil verhindern.</em> Damit komme ich zu einer Geschichte einer jüdischen Frau in den USA. Sie hatte mehrfach Schwierigkeiten. Erstens wegen ihres Geschlechts und zweitens wegen ihrer Religion. Beides machte es für sie schwer, ihre Traumstelle als Anwältin zu bekommen. Sie setzte sich trotz heftigsten Gegenwindes für die Gleichstellung von Mann und Frau ein. Und weil sie ihre Meinung beibehalten hat, hat sie dadurch weltweit Frauen geholfen. Sie wurde zu einer Art Idol für junge und alte Frauen und Männer. Diese tapfere Frau ist unzähligen vorangegangen. Sie heißt Ruth Bader Ginsburgh. Und so wie sie gibt es noch viele andere mutige Menschen, die unsere Welt immer weiterbringen.</p>



<p class="wp-block-paragraph"> Das ist der Grund für die Wichtigkeit einer jeden individuellen Meinung und den Kampf dafür, die es in unserer Gesellschaft braucht. Gerade beim Thema FEMINISMUS erleben wir oft, wie schnell Meinungen laut werden, wie schnell geurteilt wird, wie rasch man in Schubladen gesteckt wird. Doch die Frage, die wir uns stellen sollten, lautet nicht: „Was sagen die anderen?“, sondern wir sollten uns fragen: „Was ist gerecht?“ Das merkt man vor allem in Kreisen von Buben und Männern. Und ja es mag unbequem sein, diese oder jene Haltung beizubehalten. Manchmal wird man missverstanden oder sogar ausgelacht und gemobbt. Doch Überzeugungen, die auf der Frage nach Gerechtigkeit beruhen, sind keine Modeerscheinungen. Sie sind ein Ausdruck unseres Charakters. Also es zählt nicht die Sicht der anderen. Es ist nicht gut für dein Gewissen und nicht gut für unsere Gemeinschaft. Und auch bei Hindernissen und bei Gegenwind ist das Einzige, was zählt, deine Meinung und die Tiefe deiner Handlungen. Unsere Individualität schweißt uns zusammen und macht diese Welt lebenswert.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>GEMEINSCHAFTSGEBET</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott! Über dieses Thema müssen wir uns einfach beklagen: Ungleichheit. Seit Wochen beschäftigt uns die soziale Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Wie kann es sein, dass sich Millionen oder Milliarden Menschen den Kopf zerbrechen oder gar nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht, weil sie sich alleine um die Bedürfnisse anderer kümmern müssen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie kann es sein, dass sich Menschen beschweren, ohne den Hintergrund anderer zu kennen? Wieso sind die Rollen so unfair verteilt? &nbsp;Wie kann es sein, dass Frauen den Haushalt meist alleine machen? Gott, wir verstehen diese Ungerechtigkeit einfach nicht. Bitte hilf uns, gute Ideen zu finden, um diese Probleme zu lindern und zu lösen. &nbsp;Bitte hilf uns, die Gerechtigkeit herzustellen. &nbsp;Bitte hilf uns, selbst zu einer Veränderung beizutragen und andere bei Veränderung zu unterstützen und sie dazu zu bewegen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bitte hilf uns, eine Gemeinschaft zu sein und zusammen etwas zu bewirken.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott! Warum haben viele Menschen nicht den Mut, anderen zu helfen, die es brauchen? Uns beschäftigt es immer wieder, dass Menschen nicht den Mut haben sich gegen andere zu wehren. Wieso, Vater, haben die Zeug*innen in einer schwierigen Situation nicht den Mut oder die Kraft, den Opfern zu helfen und beizustehen? Deshalb bitten wir dich, schenke den Unterdrückten mehr Hoffnung und denen, die helfen wollen, mehr Mut und Kraft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Gott, wir bitten dich um Mut in Entscheidungsfällen, um die richtige Antwort zu wählen. Wir bitten dich um Mut in schweren Zeiten und dass du uns als leitende Hand den Weg zeigst. Wir bitten dich um Mut bei Schulprüfungen, damit wir selbstbewusst die Antwort wählen. Wir bitten dich um Mut in Situationen von Ungerechtigkeit, um diese Ungerechtigkeiten auszugleichen. Wir bitten dich um Überwindungskraft, um hinter unseren Werten zu stehen und diese zu verteidigen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lieber Vater! Gib uns den Mut für andere einzustehen und uns für uns selber einzusetzen. Gib uns die Kraft, über unseren Schatten zu springen und etwas Neues zu versuchen, um uns selbst zu finden. Gib uns den Willen, Freunde zu finden und vor keinem noch so groß scheinenden Hindernis zu verzagen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">AMEN</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>3. Mai 2026 „Wenn der gute Wille da ist, dann ist jeder willkommen.“</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/05/03/3-mai-2026-wenn-der-gute-wille-da-ist-dann-ist-jeder-willkommen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Harald]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 May 2026 12:11:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7287</guid>

					<description><![CDATA[Psalm 98, 2 Korinther 8, 7-15 von Harald Kluge Psalm 98 &#160; Freut euch mit uns Gott hat uns befreit! Ein Lied. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Psalm 98, 2 Korinther 8, 7-15 von Harald Kluge</p>



<span id="more-7287"></span>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>Psalm 98 &nbsp; Freut euch mit uns Gott hat uns befreit!</strong> Ein Lied. Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er hat Wunder getan! Der heilige Gott hat den Sieg errungen durch seine gewaltige Kraft. Alle Völker konnten sehen, wie der HERR befreit, seine Gerechtigkeit hielt er der Welt vor Augen! Er erfüllte das Versprechen, seinem Volk gnädig und treu zu sein. Bis in die fernsten Länder ist die Nachricht gedrungen: »Gott hat Israel gerettet!« Jubelt dem HERRN zu, ihr Menschen auf der Erde! Preist ihn mit Liedern, singt und jubelt laut vor Freude! Lasst für ihn die Saiten der Harfe erklingen und erfreut den HERRN mit eurem Gesang! Trompeten und Hörner sollen für Gott, euren König, erschallen! Das Meer mit allem, was in ihm lebt, soll zu seiner Ehre brausen und tosen! Die ganze Welt soll in Jubel ausbrechen! Ihr Flüsse, klatscht in die Hände; ihr Berge, preist unseren HERRN, denn er kommt, um die Welt zu richten. Sein Urteil über die Völker ist unbestechlich und gerecht. </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em><strong>2 Korinther 8, 7-15 „Mit anderen teilen“</strong> Ihr seid durch so vieles überaus reich beschenkt: durch euren Glauben, durch Worte, die der Heilige Geist euch schenkt, durch das Verständnis der Botschaft Gottes, euren Einsatz für den Herrn und die Liebe, die wir in euch geweckt haben. Lasst diesen Reichtum nun auch sichtbar werden, indem ihr der Gemeinde in Jerusalem helft. Natürlich will ich euch nichts befehlen. Aber angesichts der Opferbereitschaft der anderen würde ich gern sehen, wie echt eure Liebe ist.&nbsp;Ihr wisst ja, was unser Herr Jesus Christus in seiner Liebe für euch getan hat: Er war reich und wurde doch arm, um euch durch seine Armut reich zu machen. Nach meiner Meinung kann es nur gut für euch sein, wenn ihr die Sammlung durchführt. Ihr habt sie euch ja im vorigen Jahr vorgenommen und auch schon damit begonnen. Jetzt solltet ihr die Sache zu Ende bringen, damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt. Gebt so viel, wie es euren Möglichkeiten entspricht! Wenn nämlich der gute Wille da ist, dann ist jeder willkommen mit dem, was er hat, und man fragt nicht nach dem, was er nicht hat. Denn es geht nicht darum, dass ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft; es geht um einen Ausgleich.&nbsp;Im Augenblick soll euer Überfluss ihrem Mangel abhelfen, damit auch ihr Überfluss einmal eurem Mangel abhilft. So soll ein Ausgleich entstehen,&nbsp;wie es in der Schrift heißt: „Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel, und wer wenig, hatte nicht zu wenig.“ </em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe Gemeinde! Liebe Sängerinnen und liebe Sänger!</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ Das hat uns der Psalm 98 heute zugerufen. Wir alle wissen, dass Singen mehr ist als nur Töne treffen – oder es zumindest zu versuchen. Was ich nicht sagen will, kann ich mit Singen ausdrücken. Das Singen war und ist und bleibt immer ein Protest gegen die Hoffnungslosigkeit.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>In der Bibel sind es nicht nur die Menschen, die singen. Hier jubelt und singt die gesamte Schöpfung. Und physikallisch gesehen ist es ja auch so, dass alles schwingt, die gesamte &nbsp;Materie existiert allein durch die in ihr vorhandenen Schwingungen. Deshalb singt das Meer, weil es braust, die Ströme singen, weil sie in die Hände klatschen, die Berge singen, weil sie frohlocken.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Es ist der Sound der Natur, den wir hier in der Großstadt nur leise und selten durch all die Kakophonien hören können.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Aber wir hören es beim Zwitschern und Singen der Vögel, die auch hier in den Ranken an unserem Gebäude ihre Nester gebaut haben und bauen werden. Wir hören es beim Sausen des Windes und im Sturm und hoffentlich bald auch im Platschen und Klatschen der Regentropfen auf den Dächern.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wir hören die Schöpfung jubeln, wenn ein Wal, der auf Grund gelaufen war, nach Wochen der Anstrengungen wieder frei in die Ozeane losschwimmen kann.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wer ein Leben rettet, rettet die gesamte Art. Weil sie und er zeigen, dass wir Anstrengungen unternehmen und nicht einfach nur beim Sterben zuschauen wollen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Jubel und Singen und Klatschen und Musizieren wir. Warum?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Weil Gott kommt. Das allein ist schon eine tolle Botschaft. GOTT bleibt nicht fern, unberührt, sodnern GOTT kümmert`s, was hier passiert.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>GOTT kommt, um das Erdenreich zu richten, die Erdenreiche zu bewerten. Welche Reiche entsprechen am ehesten den Vorstellungen des gnädigen und liebenden GOTTES? Reiche, die allein auf Kraft und Macht und Waffen und Drohgebärden setzen? Oder nicht eher Reiche, in denen man sich anstrengt, einen gerechten Ausgleich zu schaffen, zwischen denen, die ausreichend und jenen, die zu wenig haben.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Und darauf geht der Apostel Paulus, einst als Saulus ein gewalttätiger Verfolger der Christengemeinden und dann als Paulus ein glühender Verfechter der frohen Botschaft, des Evangeliums unseres Herrn Jesus Christus.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wie klingt dieses „neue Lied“, von dem wir in den Psalmen hören im Alltag? Paulus wird im zweiten Korintherbrief da schon sehr konkret. Er schreibt über eine Kollekte, eine Spendensammlung für die damals arg gebeutelte arme christliche Gemeinde in Jerusalem.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Übrigens geht es den christlichen Gemeinden und Kirchen in Jerusalem derzeit auch wieder eher schlecht. Der Abt der Dormitio-Abtei in Jerusalem </em><em>&nbsp;Benediktinerpater Nikodemus Schnabel sagt</em><em>: </em><em>„Meine Sorge ist, dass das Heilige Land zu einer Art ‚christlichem Disneyland‘ werden könnte.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Grund dafür sind die Anfeindungen und der dadurch erzeugte Druck für Christinnen und Christen, Jerusalem und Israel zu verlassen. Es gebe Anspucken auf offener Straße, Vandalismus, Brandstiftung, Schändung und Hassgraffiti.&nbsp;</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Der Benediktiner Nikolaus Schnabel verwies darauf, dass viele Christen im Heiligen Land weder in der israelischen noch in der palästinensischen nationalen Erzählung als zugehörig wahrgenommen werden. Vor dem Hintergrund wachsender Polarisierung bekräftigt Schnabel die Haltung der Kirchen vor Ort:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„Wir sind weder proisraelisch noch propalästinensisch, sondern pro Mensch.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Gemeinde in Jerusalem war und ist eine Gemeinde mit einer einzigartigen Geschichte und damals vor 2000 Jahren hat sie Geld benötigt, da viele der Anhänger des Glaubens an Jesus nicht zu den finanzstarken Einwohnerinnen und Einwohnern gezählt haben.</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Sie können mir jetzt gerne vorwerfen, die Zusammenschau von Psalm 98 und dem Text aus dem Korintherbriefsei schon arg divergierend: Da der kosmische Jubel eines Psalms, dann die Buchhaltung einer Gemeinde, wie wir sie heute auch machen müssen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Für Paulus gehören der Jubel und die Buchhaltung zusammen. Er schreibt:</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„7&nbsp;Ihr seid durch so vieles überaus reich beschenkt: durch euren Glauben, durch Worte, die der Heilige Geist euch schenkt, durch das Verständnis der Botschaft Gottes, euren Einsatz für den Herrn und die Liebe, die wir in euch geweckt haben. Lasst diesen Reichtum nun auch sichtbar werden, indem ihr der Gemeinde in Jerusalem helft.“</em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Ein neues Lied zu singen bedeutet, wir können den Rhythmus der Welt verändern. Und oft meinen wir, im Rhythmus klingt das so: „Jeder für sich, ich für mich, und Gott gegen alle.“</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Das Lied Gottes aber zielt schon irgendwie auf einen <strong>Ausgleich</strong>.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Die Einstellung: „Alle sind willkommen“ muss in der Folge auch heißen: „Alle haben genug“.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Paulus entwirft hier ein damals schon für viele und immer mehr Menschen faszinierendes Modell von Gemeinschaft. Ein Zusammenleben, in dem alle einen Platz haben, Sklavinnen und Sklaven, wie Herren Und Damen des Hauses, Soldaten und Bauersleute, Handwerker und Menschen, die gepflegt werden. Fremde und Einheimische, Männer und Frauen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>„13&nbsp;Ihr sollt nicht selbst in Not geraten, weil ihr anderen aus der Not helft. Es geht nur um einen gewissen Ausgleich. 14&nbsp;Heute habt ihr so viel, dass ihr ihnen helfen könnt. Ein andermal werden sie euch von ihrem Überfluss abgeben, wenn es nötig ist. Das meine ich mit Ausgleich.“ </em><em></em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wenn wir sagen „Alle sind willkommen und werden akzeptiert“, dann meinen wir nicht nur, dass die Tür offensteht. Wir meinen, dass wir auch das Schicksal und alles, was die Zukunft bringt, gemeinsam anpacken.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Wer gerade viel hat (an Kraft, an Geld, an Hoffnung), gibt etwas ab.</em> <em>Wer gerade wenig hat, darf empfangen, ohne sich zu schämen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Paulus zitiert in dem Zweiten Brief an die Christinnen und Christen in Korinth hier das „Manna-Wunder“ aus dem Alten Testament, Exodus 16.</em> <strong><em>„Wer viel sammelte, hatte keinen Überfluss, und wer wenig sammelte, hatte keinen Mangel.“</em></strong> <em>Das <strong>Mannawunder</strong> gehört zu einer der eindrücklichsten Erzählungen des Alten Testaments als Geschichte GOTTES mit seinem Volk. In Exodus 16 finden wir bei den Anweisungen, die GOTT Mose und den aus Ägypten geflohenen Hebräerinnen und Hebräern gibt, das spirituelle Rückgrat für das Motiv des Teilens. Und das zitiert Paulus hier ganz bewusst.</em> <em>Das Volk Israel zog damals nach ihrer Flucht vor den Truppen des Pharaos durch die Wüste. Ihre Vorräte sind erschöpft, der Hunger groß, und die Stimmung kippt in Murren und Verzweiflung um. Gott antwortet jetzt darauf nicht mit Strafe, sondern mit Fürsorge: Jeden Morgen nach dem Tauen liegt etwas „Feines, Flockiges“ auf dem Boden, wie Reif. Die Israeliten fragen: „Man hu?“ „Was ist das?“ Daher hat diese Nahrung den Namen <strong>Manna</strong>.</em> <em>Gott knüpft dieses Wunder aber an zwei Bedingungen, die heute noch radikal sind:</em> <strong><em>Es kam täglich neu.</em></strong><em> Manna konnte man nicht horten. Wer versucht, Vorräte für den nächsten Tag anzulegen &#8211; aus Angst, morgen gäbe es nichts mehr -, bei dem verfaulte es und wurde wurmig. Alle mussten lernen, auf das Morgen zu vertrauen.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong><em>GOTT verordnet ein Maß des Bedarfs.</em></strong><em> Alle durften nur so viel sammeln, wie sie zum Essen brauchten. Nicht mehr.</em> <em>Das Entscheidende geschah dann beim Nachmessen. Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel; und wer wenig gesammelt hatte, hatte nicht zu wenig. Es entstand eine <strong>natürliche Gerechtigkeit durch das Teilen</strong>.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Dieses Manna ist ein echt starkes Symbol, dass wir ins „Brot des Lebens“ unser Vertrauen setzen. GOTT gibt es uns gegen die Angst.</em> <em>In einer Welt, die auf Anhäufung und Absicherung setzt, erinnert uns das Mannawunder daran, dass genug für alle da wäre, wenn wir nicht aus Angst horten würden.</em> <em>Bei Gott sollte es keinen „Überfluss“ auf Kosten anderer geben. Der Reichtum ist in der Bibel nie Selbstzweck, sondern immer eine Ressource, die gut verwaltet sein muss, und zum Ausgleich beitragen soll.</em> <em>Das Manna in der Wüste ist auch das Vorbild für das „tägliche Brot“ im Vaterunser, um das wir bitten. „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Und das Manna hat auch eine Verbindung zum Abendmahl. So wie das Manna, das vom Himmel fiel, ist die Gnade Gottes ein Geschenk, das wir uns nicht verdienen können. Die Gnade und Liebe Gottes liegen aber jeden Tag neu „vor unserer Haustür“.</em> <em>Es wär schön, wenn unsere Stadtkirche sich zu einem „Manna-Ort“ entwickeln würde. Hier am Tisch können wir lernen, dass wir genug haben, wenn wir bereit sind, den Tisch mit anderen zu teilen.</em> </p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Liebe Gemeinde, der Gottesdienst heute am 3. Mai, zwei Tage nach dem Tag der Arbeit, könnten wir als Generalprobe für das Leben da draußen ansehen. Wenn wir gleich das Abendmahl feiern, dann schmecken wir diese „Gleichheit“. Am Tisch des Herrn gibt es keine Hierarchien. Da sind wir alle Gästinnen und Gäste.</em> <em>In der Nüchternheit des Paulus können wir uns nachher selber fragen: Wo kann ich in dieser Woche für Ausgleich sorgen? Wo kann ich jemanden willkommen heißen, der oder die sich sehnlichst Zuwendung wünscht?</em><br></p>



<figure class="wp-block-pullquote has-small-font-size"><blockquote><p><strong>Ein bisschen mehr…</strong><br>Ein bisschen mehr Friede <br>und weniger Streit,<br>ein bisschen mehr Güte <br>und weniger Neid,<br>ein bisschen mehr Liebe <br>und weniger Hass,<br>ein bisschen mehr Wahrheit,<br>das wär doch schon was.<br>&nbsp;<br>Statt soviel Hast <br>ein bisschen mehr Ruh’.<br>Statt immer nur Ich <br>ein bisschen mehr Du!<br>Statt Angst und Hemmungen<br>ein bisschen mehr Mut<br>und Kraft zum Handeln,<br>das wäre gut.<br>&nbsp;<br>Kein Trübsinn und Dunkel,<br>mehr Freude und Licht.<br>Kein quälend Verlangen,<br>ein froher Verzicht<br>und viel mehr Blumen<br>so lange es geht,<br>nicht erst auf Gräbern,<br>da blühn sie zu spät!<br><em><a href="https://www.aphorismen.de/autoren/person/3206/Peter%20Rosegger">Peter Rosegger</a> (1843 – 1918)</em></p></blockquote></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>26.4.2026 Pfr. Johannes Wittich</title>
		<link>https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/2026/04/28/26-4-2026-pfr-johannes-wittich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Brigitte Nestinger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 07:04:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Predigt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.reformiertestadtkirche.wien/wp/?p=7252</guid>

					<description><![CDATA[Psalm 10, 1-10 Predigttext: Psalm 10, 1-10: Ein Klagepsalm 1Warum, HERR, bist du fern, (Lamed)verbirgst dich in der Zeit der Not?2In seinem Hochmut verfolgt der Frevler den Elenden.Sie sollen sich [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Psalm 10, 1-10</p>



<span id="more-7252"></span>



<p class="wp-block-paragraph">Predigttext: Psalm 10, 1-10: Ein Klagepsalm<br></p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>1Warum, HERR, bist du fern, (Lamed)<br>verbirgst dich in der Zeit der Not?<br>2In seinem Hochmut verfolgt der Frevler den Elenden.<br>Sie sollen sich fangen in den Ränken, die sie ersonnen haben.<br>3Es rühmt der Frevler seine freche Gier,<br>und der Habsüchtige lästert, verachtet den HERRN.<br>4Hochmütig wähnt der Frevler:<br>Er greift nicht ein, es ist kein Gott.<br>Das ist all sein Denken.<br>5Seine Wege haben jederzeit Bestand.<br>Fern von ihm, hoch droben sind deine Gerichte,<br>alle seine Gegner fährt er an.<br>6Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nicht wanken,<br>von Generation zu Generation bin ich vom Unglück verschont.<br>7Voll Fluch ist sein Mund, voll Trug und Gewalttat, (Pe)<br>unter seiner Zunge ist Verderben und Unheil.<br>8In Verstecken liegt er auf der Lauer,<br>im Verborgenen bringt er den Unschuldigen um.<br>Seine Augen spähen nach dem Wehrlosen, (Ajin)<br>9er lauert im Versteck wie ein Löwe im Dickicht.<br>Er lauert darauf, den Elenden zu fangen,<br>er fängt den Elenden, schleppt ihn fort in seinem Netz.<br>10Zerschmettert sinken die Wehrlosen nieder<br>und fallen durch seine Gewalt.<br>11Er spricht in seinem Herzen: Gott hat es vergessen,<br>er hat sein Angesicht verborgen, er sieht es nimmermehr.<br>12Steh auf, HERR! Gott, erhebe deine Hand, (Qof)<br>vergiss nicht die Gebeugten.<br></em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Gemeinde, liebe Brüder und Schwestern!<br></p>



<p class="wp-block-paragraph">„Das kann doch nicht sein!“ So könnte man den gerade gehörten Psalm in knappen fünf<br>Worten zusammenfassen.<br>„Das kann doch nicht sein!“ – Der Psalm ist ein Gebet; hier lässt ein Mensch ungefiltert sei-<br>nen Gefühlen freien Lauf. Er ist entsetzt, schockiert, vermag es nicht zu fassen: wie kann es<br>sein, dass die „Frevler“, also die, die sich bewusst an keine Regeln halten, damit immer<br>durchkommen?<br>„Das kann doch nicht sein!“ – so der Grundtenor des Psalms. Das kann doch nicht sein –<br>also mach etwas, Gott! Greif ein, bremse du die ein, die sich von keinem Menschen ein-<br>bremsen lassen!<br>Im Psalm ist vom Frevler in der Einzahl die Rede. Aber ich nehme nicht an, dass der Beter<br>nur einen einzelnen Menschen im Blickfeld hatte. Vielmehr geht es um einen bestimmten<br>Typus Mensch, mit erschreckenden Denk- und Verhaltensmustern.<br>Denkmuster und Verhaltensmuster – davon zählt der Psalmbeter einige auf. Der Typ<br>Mensch, den er im Blickfeld hat, zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Er ist überheblich.</li>



<li>Er nützt Schwächere aus.</li>



<li>Wenn er den Mund aufmacht, macht er andere nieder.</li>



<li>Er ist gierig, rafft Reichtum an sich mit fragwürdigsten Methoden &#8211; und gibt damit<br>auch noch an.</li>



<li>Er hat keinen Respekt vor Gott. Vielmehr ist Gott irgendwo weit weg und wird ihm<br>schon nichts tun.</li>



<li>Er ist davon überzeugt, dass ihm nichts passieren kann.</li>



<li>Er hält sich für unbesiegbar. Seine Macht bleibt für immer bestehen, so seine Mei-<br>nung.</li>



<li>Wer ihn kritisiert, wird fertig gemacht.</li>



<li>Ständig lügt er; bedient sich einer gewalttätigen Sprache.</li>



<li>Nicht nur das: er handelt auch gewalttätig; lässt Wehrlose gefangen nehmen,<br>selbst töten; nichts hält ihn davon ab, denn</li>



<li>seiner Überzeugung nach ist Gott das alles egal. Gott will sich gar nicht mit all die-<br>sen Sachen beschäftigen. Damit hat der „Frevler“ freie Hand.<br>Puh – eine ganz schöne Liste. In nur 9 Versen Psalmgebet. Eine Liste an Grauslichkeiten,<br>über 2500 Jahre alt. Schön wär’s, wenn es das heute nicht mehr gäbe. Leider, wir wissen<br>es, ist es nicht so.<br>Mehr noch: wir leben in einer Zeit, in der genau diese Denk- und Verhaltensmuster wieder<br>Hochkonjunktur haben. Selbst wenn man das arrogante Ignorieren der Gebote Gottes in<br>der Liste ausklammert: es sind dann halt andere Regeln, die dreist und unverschämt gebro-<br>chen werden: Gesetze zum Schutz von Schwächeren wie das Asylrecht, die Deklaration der<br>Menschenrechte, internationale Verträge und Vereinbarungen, oder einfach das, was Mit-<br>menschlichkeit und Anstand gebieten.<br>Wir lesen und hören die Aufzählung, und haben ganz bestimmte Menschen vor Augen. Sol-<br>che, die jeden einzelnen Punkt in der Liste erfüllen. Aber auch solche, die gerne auf einzel-<br>ne „Tools“ in der Liste zurückgreifen. Mit grundsätzlich dem selben Ziel: was ich will, kriege<br>ich! Kommt mir doch nicht Moral oder Anstand oder Fairness oder Menschlichkeit! Das gilt<br>alles nicht für mich! Um so etwas kümmere ich mich nicht. Das ist das Geheimnis meines<br>Erfolgs!<br>Wenn man auf solche Denk- und Handlungsmuster trifft, dann macht das auch heute Angst.<br>Wenn Mächtige nicht nur ihre Macht missbrauchen, sondern auch noch der Meinung sind,<br>sie hätten ein Recht darauf, das zu tun. Sich als gottgleich inszenieren. Und, noch viel<br>schlimmer: wenn unsere Mitmenschen auch noch genau solchen Typen zujubeln, sie sich<br>zum Vorbild nehmen, und meinen: ja, genauso muss man’s machen, wenn man weiter-<br>kommen will im Leben! Man denke nur an die „Life Coaches“, die Egoismus – Trainings<br>verkaufen.<br>Wie der Beter des Psalms vor langer, langer Zeit, sind auch wir verzweifelt angesichts sol-<br>cher Entwicklungen. Wenn wir sehen, wie es zugeht. Wie die „Frevler“ von heute sich<br>durchsetzen. Wir fühlen uns wehrlos, können anscheinend nichts dagegen tun. Und das<br>macht Angst. Angst um den Lauf der Welt, um die Weltpolitik. Aber auch Angst um den Zu-<br>sammenhalt in unserem Land, in unserer Stadt. Wo ist da der „Kitt“ in einer Gesellschaft,<br>wenn es so aussieht, als seien Egoismus und Verantwortungslosigkeit das Erfolgsrezept?<br>Bei meiner Arbeit am neuen Evangelischen Gesangbuch bin ich auf die Neudichtung eines<br>vertrauten Kirchenliedes gestoßen. Diese nimmt genau diese angesprochenen Fragen auf.<br>Singen wir es miteinander!</li>



<li><br>Lied: Ich will mich nicht gewöhnen, nach der Melodie von EG 365: Von Gott will ich nicht<br>lassen</li>
</ul>



<ol class="wp-block-list">
<li>Ich will mich nicht gewöhnen<br>an Waffen, an Gewalt,<br>an Hunger, Flucht und Tränen,<br>die Welt als Schreckgestalt.<br>Gott setzt ein andres Licht.<br>Gewalt hat keinen Segen.<br>Den Frieden soll’n wir pflegen,<br>den Christus uns zuspricht</li>



<li>Ich will mich nicht vergleichen<br>mit dem was jeder tut,<br>will nicht dem Zeitgeist weichen,<br>Gott gibt uns Geist und Mut.<br>Selig, wer ihm vertraut.<br>Er ist der Weg zum Leben,<br>kommt täglich uns entgegen.<br>Sein Reich ist schon gebaut.</li>



<li>Gott wird die Wunden heilen,<br>die Tränen wischt er ab.<br>Die Gräben wird er schließen,<br>wenn kommen wird sein Tag.<br>Den Frevler löscht er aus<br>vom Lauf seiner Geschichte,<br>er macht ihn ganz zunichte,<br>stürzt um sein Schreckenshaus.</li>



<li>Ich will mich nicht gewöhnen,<br>gewöhne dich nur nicht.<br>Die Welt braucht uns als Segen,<br>als Zeichen und als Licht.<br>Selig, wer Frieden schafft,<br>vergibt und überwindet,<br>versöhnt und sich verbündet<br>aus Gottes ewger Kraft.<br>(Frieder Dehlinger, 2022)<br>Eine vertraute Melodie, ein neuer Text, ein Weiterdenken der Fragen, die im Psalm 10 an-<br>gerissen werden:<br>„Ich will mich nicht gewöhnen“. Vielleicht ist das ein brauchbarer Ansatz: genau so, wie die<br>„Frevler“ sich nicht an die Regeln halten, halten wir uns nicht an ihre Regeln. Gehen vor<br>deren Regellosigkeit nicht in die Knie. Setzen ihrer Unverschämt unseren gläubigen Trotz<br>entgegen. Nehmen sie ganz einfach nicht für voll.<br>Das wird zunächst einmal nicht so schnell etwas ändern. Zumindest nicht bei denen, die<br>sich weiter ungebremst durch die Weltgeschichte freveln. Aber bei uns ändert sich was.<br>Wie im Lied angesprochen, geben wir nicht auf. Überlassen nicht die Welt und unser Leben<br>irgendeinem unbeeinflussbaren Schicksal. Mit Hilfe Gottes können wir sagen: wir durch-<br>schauen, was läuft. Hemmungsloser Egoismus, die Bereitschaft, über Leichen zu gehen,<br>seien es seelische oder tatsächliche, das ist kein Erfolgsrezept. Das ist zum Scheitern ver-<br>urteilt. Mehr noch: das ist bereits Ausdruck von Scheitern. Wer es nicht schafft, den guten<br>Vorstellungen Gottes von einem gelingenden Miteinander zwischen Menschen und zwi-<br>schen Menschen und Gott zu folgen, der ist ein Versager. Nicht die, die leiden und die Kon-<br>sequenzen von skrupellosem Handeln erdulden müssen. Nicht die, die dem Leistungsdruck<br>in unserer Gesellschaft nicht entsprechen. Nicht die, die über den Tisch gezogen und abge-<br>zockt werden. Nicht die sind die Versager. Sondern die, die so schwach sind, dass sie nur<br>mit Skrupellosigkeit weiterkommen. Die das, was Mensch-Sein ausmacht, nicht schaffen:<br>nämlich Empathie, Verständnis, Freude an Gemeinschaft.<br>Im Lied wird das angesprochen, aber auch im Psalm klingt das an: wir, Menschen, die Gott<br>vertrauen, glauben an eine andere Realität und leben in einer anderen Realität. Nicht unse-<br>re Glaubenswelt von Frieden, von Shalom, von Gottes- und Menschenliebe ist eine Illusion.<br>Vielmehr sitzen, die, die glauben, dass es das Alles nicht braucht, einem Trugbild auf.<br>Ja, diese Überzeugung darf man dann auch einmal selbstbewusst, sogar frech und trotzig<br>rüberbringen. Vor Jahren hat Desmond Tutu, anglikanischer Bischof aus Südafrika, für sei-<br>nen Einsatz gegen das Apartheitsregime die Ehrendoktorwürde der Universität Wien be-<br>kommen. Ich war damals bei der Feier dabei und habe eine recht unkonventionelle Dankes-<br>rede erlebt. Eigentlich keine Rede, sondern mehr eine sehr emotionale Predigt. Desmond<br>Tutu hat aus seinem Leben im Kampf gegen die Apartheid erzählt. Was da alles war, an<br>Niederträchtigkeit und Boshaftigkeit. Ohne direkt Namen zu nennen, hat er konkrete Bei-<br>spiele aufgezählt, was Menschen alles an Schrecklichem in dieser Welt tun können. So wie<br>im Psalm: was macht die „Frevler“ aus? Und hat dann bei jedem Punkt dieser Aufzählung,<br>wie in einer Art liturgischen Formel, über diese „Frevler“ gesagt: „They will bite the dust!“ –<br>„Sie werden den Staub fressen!“ „They will bite the dust!“<br>Nicht gerade das, was man in einer Predigt erwarten würde. Aber jemandem wie Desmond<br>Tutu, der als Schwarzer Jahrzehnte eines brutalen rassistischen Regimes am eigenen Leib<br>verspüren musste, ist zuzugestehen, so emotional und auf den Punkt gebracht zu formulie-<br>ren. Ich muss zugeben: es hat mich mitgerissen. Ein Glaube, der ausspricht: Gott hat das<br>letzte Wort. Und das wird auch sichtbare Konsequenzen haben. Keine diffuse Vorstellung<br>von einer Gerechtigkeit irgendwann einmal irgendwo im Himmel. Sondern sichtbar im hier<br>und jetzt. Oder, wie der Psalmbeter es ausdrückt: „Die Frevler sollen sich fangen in den<br>Ränken, die sie ersonnen haben.“<br>Wobei wichtig ist: bei beiden, dem Psalmbeter wie bei Desmond Tutu, sind es nicht wir<br>Menschen mit unserer Verzweiflung, die die „Frevler“ zu strafen haben. Es ist keinesfalls ein<br>Aufruf zur Gewalt. Es ist die Hoffnung, ja die Glaubensgewissheit: Gott schaut nicht einfach<br>weg. Gott weiß genau, was läuft. Und wenn er will, dann greift er ein. Und dann kann es<br>auch möglicherweise einmal ordentlich krachen – wenn er es will, nicht wenn wir es be-<br>stimmen.<br>Hoffnung auf Gerechtigkeit. Die müssen wir uns nicht nehmen lassen. Wir können da oder<br>dort unsere kleinen Beiträge leisten, und sollen das auch tun. Im festen Glauben: Gott<br>schaut nicht weg.<br>Das nimmt Angst. Das erleichtert. Es gibt eine Gerechtigkeit jenseits dessen, was wir aus<br>eigener Kraft schaffen können.<br>Unser Gott ist Gerechtigkeit.<br>Amen.</li>
</ol>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
