Gottesdienst der Konfirmand:innen der Reformierten Stadtkirche

Zum Thema: Feminismus

EINGANGSGEBETE

Vater im Himmel!

Hilf uns, unsere Zeit nicht zu verschwenden, denn wir haben nicht so viel. Wir haben nur etwa 30.000 Tage zu leben, wir wollen keine davon verschwenden. Mit Sozialen Medien verschwenden wir mehr als 1.000 Tage davon. Gleichzeitig beklagen sich viele Menschen, dass sie keine Zeit haben, um ihre Hobbys auszuüben. Zeige ihnen den Weg zu mehr Zeit zu kommen und diese gewonnene Zeit dann auch weise zu nutzen. Bitte hilf uns, dass im Hinterkopf zu behalten und jeden Tag wie unseren letzten zu leben.

Lieber Vater, Danke für die Zeit, die wir haben. Auch wenn sie nicht unendlich ist, sollten wir uns nicht beklagen, weil egal in welcher Zeit ob in der besten Sekunde oder in der schlechtesten Stunde, du Vater, bist immer bei uns. Danke Vater, dass du uns Zeit schenkst, in der wir dich immer um Rat bitten können, uns immer bei dir bedanken können und wir immer um etwas bitten können.

Lieber Gott! Ich danke dir, dass du mich durch mein bisheriges Leben geführt hast. Danke, dass du mit uns durch alle Zeiten gehst. Auf diesem Weg habe ich viel dazu gelernt. Die Vergangenheit und die Gegenwart zeigen mir, was für mich wichtig ist. In der Zukunft will ich natürlich auch noch viel lernen erreichen und durch deine helfende Hand werde ich das auch bewältigen.

Lieber Gott, danke für meine Familie, meine Freunde, meine Bildung und meine Gesundheit. Ich bin dir jeden Tag dankbar dafür. Ich danke dir auch für all die Zeit, die ich mit der Familie und Freund*innen verbringen darf. Für die Zeit ohne Angst zu verhungern. Ich danke dir auch für die ganze Zeit, Sport betreiben zu dürfen und in die Schule gehen zu dürfen. Bitte schenke auch den Menschen, denen es gerade schwerfällt, Hoffnung, Kraft und Momente der Freude, damit auch sie ein Lächeln auf ihrem Gesicht tragen können.

Lieber Gott, Warum ist Zeit so wichtig? Durch Zeit entstehen viele Erinnerungen. Aber warum sind trotzdem noch so viele Menschen am Handy anstatt mit ihren Liebsten Zeit zu verbringen und Erinnerungen zu schaffen? Zum Beispiel verbringen Kinder und wir Jugendlichen mehr Zeit am Handy als mit Familienmitgliedern Spiele zu spielen. Ich selber bin oft am Handy und könnte stattdessen mit meiner Familie reden oder Spiele spielen. Ich bitte dich, hilf den Menschen zu erkennen, wie wertvoll die Zeit ist und dass sie mehr Zeit mit ihren geliebten Menschen verbringen.

Lieber Gott, wir danken dir dafür, dass wir in dieser schweren Zeit trotzdem Zeit für Familie und das gemeinsame am Tischsitzen finden. Danke, dass wir trotz dieser schweren Zeit noch Platz finden für Freund*innen, dass wir mit ihnen rausgehen und Sachen unternehmen können. Danke, dass wir in dieser schweren Zeit auch Zeit finden für Ruhe und um einfach mal entspannen zu können. AMEN

 „Für uns bedeutet Feminismus, dass man der Meinung ist, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sein sollen und niemand über jemand anderem steht. Alle sollen die gleichen Chancen haben.“

Predigt Teil 1 Jasmin Baumgartner

Lieben hat seine Zeit. Hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit. Friede hat seine Zeit. Schweigen hat seine Zeit. Reden hat seine Zeit, geboren werden hat seine Zeit, sterben hat seine Zeit. Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.   (aus Prediger 3)

Oder ist deine Zeit wie eines Menschen Zeit oder deine Jahre wie eines Mannes Jahre? (Hiob 10,5)

Es kommt die Zeit, in der hier kein Stein auf dem anderen bleiben wird. Alles, was ihr jetzt seht, wird nur noch ein großer Trümmerhaufen sein.   (Lukas 21,6)

Alles und alle sind der Zeit und dem Zufall ausgeliefert.     (Pred 9,11)

Alles braucht seine Zeit. Und alles endet. Und etwas Neues beginnt, das wieder endet. Zeit gehört zu den wenigen Dingen, die niemand festhalten kann, die wir nicht stoppen können, auf die wir keinen Einfluss haben, egal was man tut. Jeder Tag vergeht, jede Jahreszeit verändert sich, und auch wir selbst bleiben nie ganz dieselben. Manchmal macht uns das Angst. Wir wünschen uns Sicherheit, Beständigkeit und Kontrolle. Doch die Bibel erinnert uns daran: Veränderung ist kein Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat. Oft ist sie gerade der Ort, an dem Gott wirkt.

Im Buch des Predigers heißt es: „Alles hat seine Zeit.“ Aufbruch und Abschied. Kommen und Gehen. Doch wir müssen uns nicht fürchten, denn Gott führt uns nicht immer auf geraden und einfachen Wegen, aber er geht jeden Abschnitt unseres Lebens mit uns. Auch Jesus zeigt uns, dass Veränderung zum Glauben gehört. Menschen, die ihm begegneten, blieben nicht dieselben. Aus Angst wurde Mut, aus Schuld wurde Hoffnung, aus Zweifel wurde Vertrauen. Der Glaube bedeutet nicht, stehen zu bleiben, sondern sich von Gott verwandeln zu lassen. Gerade in unserer schnellen Welt spüren viele Menschen Druck und Unsicherheit. Doch unser Halt liegt nicht darin, dass alles gleich bleibt.

Unser Halt liegt darin, dass Gott derselbe bleibt — gestern, heute und in Ewigkeit. Egal was wir tun, wie wir werden und was passiert, er wird uns nie verlassen. Darum dürfen wir der Zukunft mit Vertrauen begegnen. Die Zeit verändert vieles, aber Gottes Liebe trägt uns durch jede Veränderung hindurch. Zeit verändert alles. Menschen, Gesellschaften, Gedanken und auch die Kirche bleiben nie vollkommen gleich. Und oft macht uns genau das Angst. Veränderung bedeutet Unsicherheit. Das Vertraute beginnt zu wanken, und wir fragen uns: „Was bleibt denn noch?“ Doch Angst vor Veränderung begleitet die Menschen schon seit biblischen Zeiten. Immer wieder wollten Menschen am Alten festhalten, während Gott sie weiterführte. Abraham musste seine Heimat verlassen. Die Jünger mussten lernen, alte Vorstellungen loszulassen.

Und auch wir stehen heute vor Veränderungen, die uns herausfordern. Doch Stehenbleiben ist keine Option. Angst vor Veränderung ist normal, doch denken Sie daran, was manche schaffen, indem sie diese Angst überwinden. Auch gesellschaftliche Entwicklungen wie der Feminismus lösen Diskussionen und Unsicherheit aus. Doch hinter dem Wunsch nach Gleichberechtigung steht auch ein zutiefst christlicher Gedanke: dass jeder Mensch von Gott geschaffen ist und dieselbe Würde besitzt. Schon in der Bibel steht, alle Menschen sind gleich. Alle haben ein Recht auf Leben. Wenn es doch schon dort geschrieben ist, was hält uns noch an den alten Formen? Gott liebt uns alle gleich und die Bibel erinnert uns daran, dass er den Menschen nicht nach Macht oder Geschlecht bewertet, sondern nach dem Herzen. Das bedeutet nicht, dass jede Veränderung leicht ist oder dass wir keine Fragen stellen dürfen.

Aber der Glaube ruft uns dazu auf, Veränderungen nicht zuerst mit Angst, sondern mit Offenheit, Weisheit und Vertrauen zu begegnen. Denn unser Fundament ist nicht eine unveränderte Welt. Unser Fundament ist unser Glaube. Der Glaube, der uns alle verbindet und der Glaube daran, dass Gott uns führen wird. Menschen ändern sich, Zeiten ändern sich, doch Gottes Schutz bleibt bestehen. Und vielleicht liegt gerade darin Trost: Dass wir nicht alles festhalten müssen, weil Gott uns auch durch unbekannte Wege begleitet.

Predigt 2. Teil von Sophie Grandpierre

Mental Load & Care Arbeit

Wann ist der nächste Termin? Um wie viel Uhr muss ich da sein? Wann beginnt mein Fußballtraining? Was essen wir heute? Kannst du mir dabei helfen? Wie fahr ich am besten dort hin? All diese Fragen, würde ich eher meiner Mutter stellen als meinem Vater. Und ich glaub damit bin ich nicht allein. Oft ist es ganz selbstverständlich, dass die Mutter den Überblick hat. Dass sie weiß, was ansteht. Dass sie plant, organisiert, sich kümmert. Vieler dieser Dinge sieht man gar nicht sofort. Sie passieren im Kopf. Nebenbei. Heutzutage nennt man das „Mental Load“. Also die ganze Arbeit, die wir nicht sehen – aber da ist. Unbewusste Fragen, die wir einer bestimmten Person stellen und von ihr eine Antwort erwarten.

Wer kauft ein? Wer denkt an Geburtstage? Es sind kleine Dinge. Aber man kann sie nicht einfach abhaken. Und genau das macht es so anstrengend. Und wenn wir ehrlich sind, wird diese Last eher von Frauen getragen. Nicht nur im Alltag, nein, sondern auch unsere Gesellschaft hat viele Erwartungen an Frauen. Sie sollen sich kümmern. Sie sollen glücklich sein. Sie sollen unterstützen. Sie sollen Entscheidungen treffen.

Ich würde jetzt mal einen Blick in die Entstehungsgeschichte von Adam und Eva werfen. Wenn wir an Adam denken, dann haben wir Adam von den Augen, der durch Eva in die verbotene Frucht gebissen hat. Und bei Eva, denken wir an die Frau, die der verbotenen Frucht nicht widerstehen konnte und Adam angestiftet hat, sie zu essen. Da sehen wir schon, dass Eva als die „Böse“ und „Hinterlistige“ dargestellt wird und Adam als der Unschuldige.  Wie ist es in der Bibel zu verstehen? Dort steht:

(1. Mose, 3, 1-14)

„Und die Schlange war listiger als alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu Eva: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allen Bäumen im Garten?

Da sprach Eva zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten; aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt:

Esset nicht davon, rühret sie auch nicht an, dass ihr nicht sterbet! Da sprach die Schlange zu Eva: Ihr werdet keineswegs des Todes sterben, sondern Gott weiß: an dem Tage, da ihr davon esst, werden eure Augen aufgetan, und ihr werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und Eva sah, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er eine Lust für die Augen wäre und verlockend, weil er klug machte. Und sie nahm von seiner Frucht und aß und gab Adam, der bei ihr war, auch davon und er aß.  Da wurden ihnen beiden die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

Und sie hörten Gott den HERRN, wie er im Garten ging, als der Tag kühl geworden war. Und Adam versteckte sich mit Eva vor dem Angesicht Gottes des HERRN zwischen den Bäumen im Garten. Und Gott der HERR rief Adam und sprach zu ihm: Wo bist du? Und er sprach: Ich hörte dich im Garten und fürchtete mich; denn ich bin nackt, darum versteckte ich mich. Und er sprach: Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot, du solltest nicht davon essen?

Da sprach Adam: Eva, die du mir zugesellt hast, gab mir von dem Baum und ich aß. Da sprach Gott der HERR zu Eva: Warum hast du das getan? Eva sprach: Die Schlange betrog mich, sodass ich aß.“

Man kann es auch so sehen, dass die Schlange Eva nicht betrogen hat, sondern ihr eine neue Perspektive gezeigt hat. Denn dadurch, dass sie einen Biss von der Frucht gegessen hat, hat Eva das „Gute“ und das „Böse“ entdeckt. Das Leben. Hass. Neid. Eifersucht. Leid. Scham. Aber auch Freude. Glück. Hoffnung. Zuversicht. Und Liebe. Ist das eigentlich nicht wundervoll? Und warum ist Eva meistens schuld? Eva stellt Fragen. Sie ist neugierig. Sie will verstehen. Eigentlich sind das Eigenschaften, die wir heute gut finden, oder? Und Adam? Adam ist genauso da. Er trifft genauso eine Entscheidung. Trotzdem wird die Schuld oft an Eva geschoben. Vielleicht zeigt sich hier ein Muster, dass wir auch heute noch kennen. Dass Frauen schneller bewertet werden. Dass mehr von ihnen erwartet wird. Und dass ihnen schneller Fehler zugeschrieben werden. Heutzutage gibt es ein Wort, das für mich genau das NICHT bedeutet: Feminismus. Feminismus bedeutet für mich nicht, dass Frauen besser sind als Männer. Auch nicht, dass es darum geht, Männer zu kritisieren. Feminismus bedeutet für mich, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben sollen. Und vor allem bedeutet es, dass wir hinterfragen, warum Dinge so sind, wie sie sind.

Warum wird von Frauen erwartet, sich um alles zu kümmern? Warum es „normal“ ist, dass sie die Verantwortung im Kopf tragen? Und warum fällt es uns oft gar nicht auf? Care-Arbeit ‒ also sich um andere kümmern ‒ ist unglaublich wichtig. Aber sie sollte nicht unsichtbar sein. Und sie sollte nicht einfach automatisch bei Frauen landen. Ich finde, wenn wir an Gott glauben, dann glauben wir, dass jeder Mensch gleich viel wert ist. Das bedeutet auch: Verantwortung sollte geteilt werden. Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, wer damals schuld war. Sondern darum, wie wir heute miteinander umgehen. Wer trägt Verantwortung? Wer kümmert sich? Wer denkt an alles? Und vor allem: Warum ist es oft immer noch dieselbe Person?

Wenn wir wirklich glauben, dass jeder Mensch gleich wertvoll ist, dann darf Verantwortung nicht einseitig sein. Dann bedeutet das: hinschauen. hinterfragen. Und verändern. Denn niemand sollte das Gefühl haben, alles allein tragen zu müssen. Und vielleicht beginnt Veränderung genau hier: Nicht bei großen Worten. Sondern bei kleinen Fragen im Alltag. Und vielleicht darin, wer sie beantwortet.

Predigt 3. Teil  von Constantin Resl

Haben Sie sich schon einmal die Frage gestellt, wie der Feminismus früher war? Wahrscheinlich nicht. Ich versuche Ihnen einen Überblick über die frühere und heutige Zeit verschaffen.

Vor dem 1. Weltkrieg durften Frauen weder wählen, noch studieren und waren rechtlich vom Ehemann abhängig. Diese Rollenverteilung spiegelt sich auch in verschiedenen Bibelversen nieder. So schrieb Apostel Paulus in seiner Gefangenschaft im Epheserbrief [Epheser 5,22]: „Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau.“ Und im Korinther 14,34 steht: „(es) sollen die Frauen schweigen in den Gemeindeversammlungen; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.“

Heute sind Frauen und Männer vor dem Gesetz gleichberechtigt. Das Wahlrecht, das Recht auf Bildung und die freie Berufswahl sind mittlerweile selbstverständlich. Trotzdem ist Gleichstellung im Alltag nicht vollständig erreicht.

Heutzutage geht es vor allem Fairness. Frauen verdienen bei gleicher Arbeit oft weniger als Männer. Diskriminierung durch Dienstgeber ist gesetzlich verboten. Aber wenn Frauen den Großteil der Hausarbeit, Kinderbetreuung und die Pflege von kranken Familienmitgliedern unentgeltlich übernehmen, ist es naheliegend, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen als Männer, welche sich vollständig auf ihre berufliche Karriere fokussieren können. Die moderne Frau, welche in jeder Beziehung gleiche Rechte fordert, steht aber nicht im Gegensatz zur Bibel. Die Bibel unterstützt, die gleichberechtige Frau an vielen Stellen. Im ersten Buch Mose steht:  „Und Gott schuf den Menschen als sein Bild… als Mann und Frau schuf er sie.“  Beide besitzen die gleiche Würde vor Gott.“ Und im Galaterbrief steht: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Knecht noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allzumal einer in Christus Jesus.“ Dies betont die absolute Gleichheit im Glauben. Und im Buch der Sprüche im Kapitel 31 wird eine Feministin, eine starke eigenständige Frau beschrieben: „Kraft und Würde sind ihr Gewand, und sie lacht des kommenden Tages.“ Die reformierte Kirche hat sich für eine moderne Interpretation der Bibel eingesetzt. In der Grundsatzerklärung unserer Kirche steht: „Jesus Christus hat eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern mit gleichen Rechten und Pflichten gestiftet. Darum hat die Kirche in ihrer Ordnung und in ihrem Handeln die Würde jedes einzelnen Menschen zu achten und für sie einzutreten. Niemand darf wegen seiner Herkunft oder seines Geschlechtes benachteiligt werden.“

Ich finde man sollte auf jeden Fall etwas gegen die Benachteiligung von Frauen unternehmen. Und es gibt Menschen mit einer anderen Meinung. Wichtig ist, dass man sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Oder was denken Sie darüber?

Predigt Teil 4 von Arno Hobusch

Eine einzelne Meinung nützt eh nichts! Wozu sie dann beibehalten, wenn der Preis dafür vielleicht der Ausschluss aus deiner liebsten Gemeinschaft, dem Freundeskreis oder der Familie ist? Doch dahinter steckt viel mehr als das. Viele, vor allem unsichere, jüngere Personen, gibt es, die sich, bevor sie etwas sagen, einmal umsehen, wofür sich die anderen aussprechen. Oder sie trauen sich gar nicht, sich zu melden aus Angst vor jeglicher Kritik. Doch was soll passieren? Wenn du in dieser Gruppe mit deiner Meinung nicht akzeptiert wirst, ist sie es dann wert, dass du an ihr festhältst? Individuelle Meinungen sind für unsere Gemeinschaften und ihren Erhalt so wichtig. Stellen wir uns einmal eine konkrete Situation vor, die es so schon oft gegeben hat. Alltägliche Fehlentscheidungen von Politikerinnen und Politikern kommen zustanden, weil kritische Stimmen fehlen, und genau an diesem Punkt kommen ihre individuellen Meinungen und Standpunkte ins Spiel.

Passend dazu heißt es im Zweiten Buch Mose 23,2: Folge nicht der Mehrheit, wenn sie im Unrecht ist! Musst du vor Gericht aussagen, sollst du nicht der Mehrheit nach dem Mund reden und so ein gerechtes Urteil verhindern. Damit komme ich zu einer Geschichte einer jüdischen Frau in den USA. Sie hatte mehrfach Schwierigkeiten. Erstens wegen ihres Geschlechts und zweitens wegen ihrer Religion. Beides machte es für sie schwer, ihre Traumstelle als Anwältin zu bekommen. Sie setzte sich trotz heftigsten Gegenwindes für die Gleichstellung von Mann und Frau ein. Und weil sie ihre Meinung beibehalten hat, hat sie dadurch weltweit Frauen geholfen. Sie wurde zu einer Art Idol für junge und alte Frauen und Männer. Diese tapfere Frau ist unzähligen vorangegangen. Sie heißt Ruth Bader Ginsburgh. Und so wie sie gibt es noch viele andere mutige Menschen, die unsere Welt immer weiterbringen.

 Das ist der Grund für die Wichtigkeit einer jeden individuellen Meinung und den Kampf dafür, die es in unserer Gesellschaft braucht. Gerade beim Thema FEMINISMUS erleben wir oft, wie schnell Meinungen laut werden, wie schnell geurteilt wird, wie rasch man in Schubladen gesteckt wird. Doch die Frage, die wir uns stellen sollten, lautet nicht: „Was sagen die anderen?“, sondern wir sollten uns fragen: „Was ist gerecht?“ Das merkt man vor allem in Kreisen von Buben und Männern. Und ja es mag unbequem sein, diese oder jene Haltung beizubehalten. Manchmal wird man missverstanden oder sogar ausgelacht und gemobbt. Doch Überzeugungen, die auf der Frage nach Gerechtigkeit beruhen, sind keine Modeerscheinungen. Sie sind ein Ausdruck unseres Charakters. Also es zählt nicht die Sicht der anderen. Es ist nicht gut für dein Gewissen und nicht gut für unsere Gemeinschaft. Und auch bei Hindernissen und bei Gegenwind ist das Einzige, was zählt, deine Meinung und die Tiefe deiner Handlungen. Unsere Individualität schweißt uns zusammen und macht diese Welt lebenswert.

GEMEINSCHAFTSGEBET

Lieber Gott! Über dieses Thema müssen wir uns einfach beklagen: Ungleichheit. Seit Wochen beschäftigt uns die soziale Ungerechtigkeit zwischen Männern und Frauen. Wie kann es sein, dass sich Millionen oder Milliarden Menschen den Kopf zerbrechen oder gar nicht wissen, wo ihnen der Kopf steht, weil sie sich alleine um die Bedürfnisse anderer kümmern müssen?

Wie kann es sein, dass sich Menschen beschweren, ohne den Hintergrund anderer zu kennen? Wieso sind die Rollen so unfair verteilt?  Wie kann es sein, dass Frauen den Haushalt meist alleine machen? Gott, wir verstehen diese Ungerechtigkeit einfach nicht. Bitte hilf uns, gute Ideen zu finden, um diese Probleme zu lindern und zu lösen.  Bitte hilf uns, die Gerechtigkeit herzustellen.  Bitte hilf uns, selbst zu einer Veränderung beizutragen und andere bei Veränderung zu unterstützen und sie dazu zu bewegen.

Bitte hilf uns, eine Gemeinschaft zu sein und zusammen etwas zu bewirken.

Lieber Gott! Warum haben viele Menschen nicht den Mut, anderen zu helfen, die es brauchen? Uns beschäftigt es immer wieder, dass Menschen nicht den Mut haben sich gegen andere zu wehren. Wieso, Vater, haben die Zeug*innen in einer schwierigen Situation nicht den Mut oder die Kraft, den Opfern zu helfen und beizustehen? Deshalb bitten wir dich, schenke den Unterdrückten mehr Hoffnung und denen, die helfen wollen, mehr Mut und Kraft.

Lieber Gott, wir bitten dich um Mut in Entscheidungsfällen, um die richtige Antwort zu wählen. Wir bitten dich um Mut in schweren Zeiten und dass du uns als leitende Hand den Weg zeigst. Wir bitten dich um Mut bei Schulprüfungen, damit wir selbstbewusst die Antwort wählen. Wir bitten dich um Mut in Situationen von Ungerechtigkeit, um diese Ungerechtigkeiten auszugleichen. Wir bitten dich um Überwindungskraft, um hinter unseren Werten zu stehen und diese zu verteidigen.

Lieber Vater! Gib uns den Mut für andere einzustehen und uns für uns selber einzusetzen. Gib uns die Kraft, über unseren Schatten zu springen und etwas Neues zu versuchen, um uns selbst zu finden. Gib uns den Willen, Freunde zu finden und vor keinem noch so groß scheinenden Hindernis zu verzagen.

AMEN