„leidenschaftlicher GOTT“ Galater 4, 1-7
Nun seid ihr alle zu Kindern Gottes geworden, weil ihr durch den Glauben mit Jesus Christus verbunden seid.
Ihr gehört zu Christus, denn ihr seid auf seinen Namen getauft. Jetzt ist es nicht mehr wichtig, ob ihr Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen seid: In Jesus Christus seid ihr alle eins. Gehört ihr aber zu Christus, dann seid auch ihr Nachkommen von Abraham. Als seine Erben bekommt ihr alles, was Gott ihm zugesagt hat.
Überlegt einmal: Solange der Erbe noch nicht volljährig ist, besteht zwischen ihm und einem Sklaven kein Unterschied, obwohl ihm als Erben schon alles gehört.
Bis zu dem vom Vater festgesetzten Zeitpunkt untersteht er einem Vormund, und Vermögensverwalter bestimmen über den Besitz.
Genauso ging es auch uns. Wie Unmündige waren wir allen Mächten und Zwängen dieser Welt ausgeliefert.
Als aber die von Gott festgesetzte Zeit kam, sandte er seinen Sohn zu uns. Christus wurde wie wir als Mensch geboren und den Forderungen des Gesetzes unterstellt.
Er sollte uns befreien, die wir Gefangene des Gesetzes waren, damit wir zu Kindern Gottes werden und alle damit verbundenen Rechte empfangen konnten.
Weil ihr nun seine Kinder seid, schenkte euch Gott seinen Geist, denselben Geist, den auch der Sohn hat.
Jetzt können wir zu Gott kommen und zu ihm sagen: »Abba, lieber Vater!«
Ihr seid also nicht länger Gefangene des Gesetzes, sondern Söhne und Töchter Gottes. Und als Kinder Gottes seid ihr auch seine Erben, euch gehört alles, was Gott versprochen hat.
Galater 4, 1-7
Liebe Gemeinde!
Weihnachten. Ein Feiertag mitten in der Woche. Und ich hoffe, Sie sind ein wenig zur Ruhe und zum Nachdenken gekommen.
Diese Weihnachtsabende verändern uns ja ganz schön. Besonders wenn wir Eltern werden oder sind. Plötzlich gibt es da ein kleines, süßes und hilfsbedürftiges Kind, das man gar nicht ablegen will, nur noch im Arm halten, wie damals Maria und Josef sich glücklich und wie im siebenten Himmel gefühlt haben werden. Auch.
Weil ansonsten sah es auch damals vor 2025 +/- ein paar Jahre düster aus.
Eine Mutter und ein Vater spüren: Jetzt werde ich dringend gebraucht. Ich bin jetzt mit verantwortlich für den Schutz eines neuen Lebens.
Dazu gehört ja auch immer die Frage: Was geben wir unseren Kindern eigentlich mit?
Ich hatte am letzten Sonntag zur Kinderweihnacht die Gemeinde gefragt: Wie schenkt man Hoffnung? Wie schenken wir unseren Kindern Hoffnung? Es folgte eine gespenstische ratlose Stille. Aber ich hab die Besucherinnen und Besucher heimgeschickt mit der Hausaufgabe: Denken Sie bitte darüber nach, wie wir Hoffnung verschenken können.
Und was haben ihre Eltern Ihnen mitgegeben? Außer den Genen.
Welche Werte hab ich bekommen, hab ich und wie geb ich sie weiter?
Welchen Überzeugungen nach gestalte ich mein Leben? Welche Hoffnungen habe ich und welche für meine Kinder, wenn ich welche hab?
Das sind Fragen, die an einem Abend, wo sich so ein bisserl der Horizont öffnet, sogar bis zum Himmel.
Denn wenn wir Gottes geliebte Kinder sind, zeigen sich einige Ungereimtheiten.
Warum müssen auch heute Nacht so viele Kinder, die ja alle Kinder Gottes wie wir sind, leiden, hungern, Durst haben, frieren, in einer zerbombten Stadt vegetieren, nahezu ohne Hoffnung und ohne Bildung ihr Leben fristen? Und es sind so viele Kinder wie nie zuvor.
Auch der am Montag verstorbene von mir gemochte englische Popsänger Chris Rea hat sich diese Fragen gestellt, sich stellen müssen. 1983 haben seine Frau und er die erste Tochter bekommen – Josephine. Ihr hat er einen großartigen Song gewidmet „Josephine“.
Da heißt es
There’s rain on my window
But I’m thinking of you
Tears on my pillow
But I will come through
Josephine, I’ll send you all my love
And every single step I take
I take for you
Josephine
Sechs Jahre später kommt die zweite Tochter, Julia, zur Welt. Während nun der liebevolle Chris Rea Julia als Baby im Arm hält, ist die ältere Schwester Josephine mit ihren sechs Jahren bereits ein vifes Mädchen.
Wir wissen ganz genau, in diesem Alter bekommen Kinder schon viel mit, wovor wir sie gerne bewahren wollen. Auch den Kummer in unserer Welt fangen sie in diesem Alter immer mehr an zu spüren. Viele leiden unter Not und Ungerechtigkeit. Viele verlieren sogar ihr Leben durch Krieg und Gewalt. Das treibt das kleine Mädchen um.
Mit ihrer Kinderseele fragt Josephine ihren Papa Chris:
Warum ist das so? Warum gibt es so viel Ungerechtigkeiten und Kriege und Not und Elend auf Welt?
Und Josie wünscht sich, dass alles wieder heil werden möge. Irgendwie und irgendwo und irgendwann.
Chris hat darüber später einen Song geschrieben, in dem er seiner rauen Rock-Stimme ungewohnt sanfte Töne entlockt.
Es ist ein zärtliches Wiegenlied eines liebenden Vaters. Der Titel lautet: „Tell me there is a heaven“ – “Sag mir, dass es einen Himmel gibt“. Und so klingt der Refrain:
„Sag mir, dass es einen Himmel gibt.
Sag mir, dass es wahr ist.
Sag mir, dass es einen Grund gibt, warum ich das sehe, was ich sehe.
Sag mir, dass es einen Himmel gibt, wo all diese Leute hingehen.
Sag mir, dass sie jetzt glücklich sind. Papa, sag mir, dass das so ist!“
Seine Tochter Josie hatte zuvor am Abend in den Nachrichten Aufnahmen eines Aufruhrs in Südafrika gesehen.
Da zeigten sie, wie Menschen brennende Autoreifen auf andere Menschen werfen. Es hat mir den Hals zugeschnürt, meint Chris in einem Interview. Und ein Mann ist von einem Reifen direkt getroffen worden und verbrannt.
Heute sind es die Bilder und Aufnahmen etwa von Bondi Beach in Australien, wo zwei Männer vor zehn Tagen eine Chanukah-Feier „Chanukah by the Sea“ von Familien, Männern, Frauen und Kinder, etwa 1.000 Menschen waren dabei, attackiert und 15 Menschen getötet haben, darunter die zehnjährige Mathilda und der 87jährige Alexander, ein Holocaustüberlebender. Mehr als 40 Menschen wurden schwer verletzt.
Damals waren es Gewaltakte in Südafrika, die Josie aufgewühlt haben. Und ihr Vater Chris Rea erinnert sich:
„Joans Vater, mein Schwiegervater, wusste damals nicht, was er Josie über das, was sie gesehen hatte, sagen solle. Also sagte er einfach: ‚Der Mann ist in den Himmel gekommen‘.
Und so entstehen Lieder. Ich bin später in ihr Zimmer gegangen und sie schlief ganz fest.
Also schaute ich raus aus dem Fenster und sagte zu mir:
„Opa hat dir gesagt, es gibt einen Himmel, und ich wünsche mir, dass mir jemand sagt, dass es einen Himmel gibt.“
„Sag mir, dass es einen Himmel gibt“, das fragt, ja, das fordert das kleine Mädchen von seinem Papa Chris. Das wünscht sich der erwachsene Chris und das fordern wir doch heute Abend auch von GOTT unserem Vater.
Das spiegelt sich und ist wie in einem leuchtenden Strahl doch die Botschaft von Weihnachten und der rote Faden bei der Geschichte rund um Jesus.
Seine Geburt, sein aufregendes kurzes Leben und sein brutaler Tod und seine Auferstehung wollen eine Antwort sein. Oder etwa nicht?
In den Kirchen wird heute gerne die eine oder andere biblische Geschichte erzählt, wie Jesus geborgen wurde, Maria und Josef Besuch bekommen haben. Da haben sich die Engelsboten, Hirten, Magier getroffen.
Menschen denken heute an Jesus, die sich an ihm reiben, die Hoffnung bei ihm schöpfen, bei dem, was er sagt, was er tut und was mit ihm geschieht.
Für die Menschen in biblischer Zeit war das alles gar nicht so schwer zu verstehen.
Es war nicht die erste Auferstehung, nicht die erste Himmelfahrt und Himmel war kein abstrakter Begriff, sondern er war ihr Glaubenszelt.
Für sie ist der Himmel an sich unerreichbar. Sie konnten nicht fliegen und konnten auch noch nicht mit großen Teleskopen in ferne Galaxien blicken. Für sie war das alles eins, und zwar das Reich Gottes im Himmel. Und nun sollte es auf Erden anfangen.
Ich weiß: Viele Menschen auch in unserer Gemeinde sind skeptisch, ob es so etwas überhaupt gibt: einen Himmel, in dem Gott wohnt und mit ihm auch sein Sohn Jesus Christus, der uns die Wohnungen vorbereitet.
Viele glauben auch nicht, dass sie selbst dort einen Platz haben könnten.
Merkwürdig und wundervoll ist aber, dass dieser verlorene Himmel immer noch durch unsere deutsche Sprache geistert: Da ist eine Frau frisch verliebt und erzählt, dass sie gerade im Siebten Himmel schwebt.
Oder ein Vater schaut liebevoll auf sein Kind und sagt: Die Kleine ist ein Geschenk des Himmels.
Es gibt Situationen, da brauch ich den Himmel, weil alles andere einfach zu klein ist. Ich brauche den Himmel als Fixpunkt für die wirklich großen Fragen nach dem Wert, nach dem Warum und dem Wohin des Lebens.
Genau diesen Fragen ist auch das kleine Mädchen Josie auf der Spur, über das Chris Rea in seinen Song singt.
„Tell me there is a Heaven“ „Sag mir, dass es einen Himmel gibt“. Die erste Strophe stellt die Fragen des Mädchens:
„Das kleine Mädchen fragte mich:
Was bedeuten all die Dinge, die ich sehen kann.
Jeden Abend wenn ich von der Schule nach Hause komme. Wenn Mama mich zum Tee hereinruft. Jede Nacht stirbt ein kleines Kind. Und jede Nacht weint eine Mutter. Was lässt diese Männer das tun, was sie tun – Jemanden grün und blau schlagen?\“
Musik
Das kleine Mädchen hat etwas von der Brutalität der Welt gesehen. Das treibt sie um. Das treibt uns doch irgendwie alle um. Mit ihren bangen Fragen geht sie zu ihrem Vater und bringt den damit ganz schön ins Nachdenken.
Gut so! Wir stehen doch ständig vor solchen Fragen, außer wir verdrängen sie:
Was geschieht mit denen, die nicht zu ihrem Leben finden?
Was geschieht mit den Opfern von Gewalt und Krieg?
Und für manche fängt die Gewalt ja schon zuhause in der Familie an, leider zu Weihnachten noch verstärkt.
Was geschieht mit den Hungernden?
Wird der Hunger irgendwann endlich ausgerottet sein?
Und was geschieht mit all den Flüchtlingen weltweit, die auf ihrem Weg ertrinken, erfrieren, verhungern?
Sind sie nur sinnlose Opfer für nichts?
Oder macht ihr Leben dennoch etwas aus?
Kommen sie in den Himmel?
Was sagt man dazu als liebevoller Vater, als Mutter zu seinem Kind?
Und: Was sag ich dazu zu mir selbst?
Josie im Lied sehnt sich nach einer umfassenden einleuchtenden Lösung, nach einem himmlischen Happy End für alle.
„Also erzähle ich ihr, dass das wahr ist.
Dass es einen Platz gibt für mich und dich, wo hungernde Kinder lächeln und sagen: Wir hätten es nicht anders haben wollen.
Dass jedes schmerzhafte Knochenknacken ein Schritt auf dem Weg ist.
Jede Untat gehört zum Spielplan für jenen großartigen und glückseligen Tag.“
Chris Rea lässt Josie und damit auch uns alle hoffen auf den Himmel als Sinn und Ziel allen Lebens.
Ist das nicht in Wahrheit eine Lüge?
Ein hohler Spruch, der das Kind nur beschwichtigen soll?
Lullt uns der Glaube an Gott nur ein und vertröstet der Glaube uns, wo wir doch durch Wut und Mut und Aktionen etwas Besseres erreichten könnten.
Ich halte dagegen und behaupte: Wer dem kleinen Mädchen die Hoffnung auf den Himmel nimmt, nimmt ihm auch die Kraft zum Leben und zum Kämpfen.
Und was macht der Singer und Songwriter Chris Rea?
Er wagt einen Schritt in Richtung Gottvertrauen. Vielleicht eher getrieben als freiwillig. Zunächst womöglich nur, weil er dem kleinen Mädchen, seiner Tochter Josie, die Hoffnung nicht gänzlich nehmen will.
Chris Rea macht sich am Ende nicht nur die Sorgen des Mädchens zu eigen, sondern auch ihre Sehnsucht nach einem heilenden Himmel.
Es fehlt ihm, so meint er, der Glaube und er sehnt sich selbst danach. Das ist jedenfalls laut Definition Glaube.
Glaube ist oft nicht mehr als eben dieses: die Sehnsucht danach, dass es Gott gibt, der das geschundene, vernichtete, getötete Leben bei sich im Himmel aufnimmt.
Diesen Gott spricht Chris Rea an.
Chris bleibt der fragende und verletzliche Vater, der die Frage nach Hoffnung seiner Tochter nicht vorschnell mit lapidaren Sprüchen beantwortet. Er teilt diese Frage mit ihr. Und ich teile diese Frage mit ihnen.
„Und ich schaue auf den Vater und den Sohn.
Und ich schaue auf die Mutter und die Tochter.
Und ich beobachte, wie sie vor Schmerz weinen.
Und ich beobachte, wie sie leiden.
Sag’ es nicht dem kleinen Mädchen, sag es mir.
Sag es mir, dass es einen Himmel gibt.
Sag mir, dass es wahr ist.
Sag mir, dass es einen Grund gibt, warum ich das sehe, was ich sehe.“
„Sag mir, dass es einen Himmel gibt.“
Lesen wir in der Bibel, finden wir manche Zusagen.
Wir sind alle Kinder Gottes, weil wir durch den Glauben mit Jesus Christus verbunden sind.
Wir gehören zu Christus.
Und dann ist es nicht mehr wichtig, woher wir kommen, wer wir sind. In Jesus Christus sind wir alle eins.
Wir sind die Erben von Christus und von GOTT.
Wir sind nicht mehr den Zwängen und Vorurteilen und der Gewaltakte dieser Welt unterworfen.
Jesus hat uns befreit von den Fesseln der Gesetze. Wir sind Kinder Gottes und die Gesetze sind für uns da und nicht wir für die Gesetze.
Weil wir Kinder GOTTES sind, haben wir das tollste Geschenk bekommen, GOTTES Geist.
Jetzt können wir wirklich zu Gott kommen. Und wir dürfen zu ihm sagen: »Abba, Papa, lieber Vater!«
Wir sind nicht länger Gefangene irgendeines Gesetzes, sondern Söhne und Töchter Gottes.
Und als Kinder Gottes sind wir auch GOTTES Erben. Uns gehört alles, was Gott versprochen hat.
Das ist doch mit das größte Geschenk, das möglich ist.
GOTT schenkt uns sein Erbe und will, dass wir in Frieden leben können.
Der Frieden – Eva Rechlin (1928-2011)
Die Angst vor Streit und Hass und Krieg
lässt viele oft nicht ruhn.
Doch wenn man Frieden haben will,
muss man ihn selber tun.
Der Frieden wächst, wie Rosen blühn,
so bunt, so schön und still.
Er fängt bei uns zu Hause an,
bei jedem, der ihn will.
Vom Frieden reden hilft nicht viel,
auch nicht, dass man marschiert.
Er kommt wie Lachen, Dank und Traum,
schon wenn man ihn probiert.
Man braucht zum Frieden Liebe,
natürlich auch Verstand,
und wo es was zu heilen gibt:
jede Hand.