Psalm 96

Zu Weihnachten gehören Lieder dazu. Und in unserer Konfirunde zuletzt haben wir uns gefragt, was sind die tollsten Weihnachtslieder für uns. Und dazu die fast gleichlautende Frage: Welche sind die nervigsten Lieder zur Advent- und Weihnachtszeit für uns.

Wenn ich sie, liebe Gemeinde, fragen würde, können wohl auch die folgenden Lieder, die in einer repräsentativen Umfrage genannt wurden. Also mit KI😉

Top 20 der schönsten Weihnachtslieder aller Zeiten

  • All I Want for Christmas Is You. Red Christmas Lady.
  • Last Christmas – Radio Version. Xmas Boyz.
  • Driving Home for Christmas – Chris Rea
  • Stille Nacht, heilige Nacht. – singen wir noch
  • Rudolph the Red Nosed Reindeer.
  • Do they know ist Christmas time at all
  • Leise rieselt der Schnee.
  • We Wish You a Merry Christmas – Instrumental.

Warum ist das Lied „We wish you a merry Christmas“ nur in der Instrumentalversion unter den TOP 10? Wahrscheinlich, weil viel Menschen Christmas/ Weihnachten feiern, so mit Baum und Geschenken und Lichtern und Kerzen und Punsch und Glühwein und Keksen und Rausch und Verschuldung aber bitte nicht mit zu viel Christ im Christmas. Deshalb hat sich das X-Mas als Beschreibung dieses christlichen Festes weltweit vielfach durchgesetzt.

Dass mit dem „Mas“ wohl Mass also eine Messe, bei uns ein Gottesdienst gemeint ist, wird den wenigsten klar sein. So wie das die drei Heiligen Könige, die am 6. Jänner ihren Feiertag haben, eben keine drei waren und keine Könige. Aber sei`s drum. Es waren wie Andreas Berghöfer so schön übersetzt „Schdeandeita“, Astrologen, Sternderlgucker. Aber das waren sie eigentlich auch nicht. Weil laut den Verfassern des Matthäus waren es Magier, Mágoi apὸ anatolôn. Nur heute verstehen wir ja unter Magiern so Typen wie Siegfried und Roy oder Magic Christian oder Tony Rei oder einen David Copperfield.

Unsere Magier, deren Zahl wir nicht kennen, hatten sich aufgemacht, aus einem Land im Osten, einem Land weit weit weg. Ob es Persien war oder nur der östliche Nachbar oder gar Indien wissen wir nicht. Was wir wissen, sie folgten einem astronomischen Ereignis, hier lapidar Stern genannt.

Und dieses Ereignis hat sie ins Land Judäa geführt. Sie suchen einen neuen König, der da zur Welt gekommen sein soll und landen schließlich in dem kleinen Dörfchen Bethlehem, heute würden wir Kaff sagen in einem ganz gewöhnlichen Haus. Jedenfalls finden sie den neuen König nicht in einem prunkvollen Palast bei Herodes dem König, sondern in einem Haus bei der Familie eines Zimmermanns, sicherlich eines geschickten aber doch eines Mannes der holzverarbeitenden Techniken zur damaligen Zeit. Also eine gewöhnliche Familie der unteren Handwerkerschicht.

Für die Magier ändert sich alles mit dieser kurzen Begegnung mit Maria und Josef, die ihnen ihre Geschichten erzählt haben werden, wie sie von Gabriel dem Engel die Botschaft bekommen haben: Ihr Sohn soll Jesus heißen Jeschua, „GOTT ist Rettung! Heilung, Erlösung“.

Und eines fehlt an dieser Stelle im Bericht des Matthäus. Eines tun sie in den Berichten nicht, zumindest wird es nicht erwähnt.

Aber die Hirten haben es getan und die Engel haben es getan und Zacharias und Elisabeth und Maria und Josef werden es getan haben, weil es alle Menschen getan haben. Und sie werden es bestimmt auch manchmal tun, vielleicht nur unter der Dusche oder beim Autofahren, wenn sie alleine sind.

Sie werden sicherlich gesungen haben. Damals hat Mann und Frau zu allen Zeiten gesungen. Es gab keinerlei Radio, kein Fernsehen, IPOD, Handy – heute kaum vorstellbar. Die Leute haben sich ihre Stimmung selbst fabriziert, indem sie gesungen haben.

Also werden die Magier aus dem Osten ein Lied angestimmt haben. Und hier kommen die Psalmlieder ins Spiel und ganz besonders der Song, den wir mit der Nummer 96 betiteln.

„Singet dem HERRN ein neues Lied; singet dem HERRN, alle Welt! 

Singet dem HERRN und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil! 

Erzählet unter den Heiden von seiner Herrlichkeit, unter allen Völkern von seinen Wundern! 

Denn der HERR ist groß und hoch zu loben, mehr zu fürchten als alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind Götzen; aber der HERR hat den Himmel gemacht. Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum. 

Ihr Völker, bringet dar dem HERRN, bringet dar dem HERRN Ehre und Macht! Bringet dar dem HERRN die Ehre seines Namens, bringet Geschenke und kommt in seine Vorhöfe! Betet an den HERRN in heiligem Schmuck; es fürchte ihn alle Welt! 

Sagt unter den Heiden: Der HERR ist König. Er hat den Erdkreis gegründet, dass er nicht wankt. Er richtet die Völker recht. 

Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich. Das Meer brause und was darinnen ist. Das Feld sei fröhlich und alles, was darauf ist.

Jauchzen sollen alle Bäume im Walde vor dem HERRN; denn er kommt, denn er kommt, zu richten das Erdreich. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit.“

PSALM 96

Liebe Gemeinde!

Dieser Satz hat mich in diesem Jahr getroffen wie ein Blitz: „Der Himmel freue sich, und die Erde sei fröhlich.“

Und ich verrate ihnen jetzt ein Geheimnis, welches mein Lieblingslied zur Adventszeit ist.

Es ist nicht Last Christmas, dieser leidvolle Song eines notorischen Frauenhelden oder Männerhelden. Obwohl „Wham“ eine Supergruppe war und der Song „Faith“ von George Michael ist ein Hammer. Die 80er des letzten Jahrhunderts waren eben musikalisch noch echt stark.

Für mich ist einer der schönsten Songs zu Weihnachten von Chris Rea. „Driving home for Christmas“ – Für Weihnachten fahr ich grad nach Hause.

Der Musiker Chris Rea, mit irischen und italienischen Wurzeln und Temperament, war ja bekannt für seine rauchig-sanfte Stimme und er starb mit nur 74 Jahren nach kurzer Krankheit vorgestern in einer Klinik, heißt es. Aber seine Lieder werden seinen Tod überdauern und in Endlosschleife die Weihnachtszeit durchziehen.

Millionen Menschen in der ganzen Welt hören dieses schöne Lied, indem es um Erwartung geht und Vorfreude. Chris Rea singt davon, wie es sich anfühlt vor dem Weihnachtsfest nach Hause zu fahren und im Stau festzustecken. Das war seine besondere Gabe. Er hat etwas Alltägliches genommen und daraus einen Song fabriziert, der uns untereinander mit der Gefühlswelt und der Gefühlsorgel als Menschen ganz tief verbindet.

Man steht im Stau, wie es zu den Weihnachtsfeiertagen so oft passiert aber er beschreibt vor allem die positiven Gefühle, etwa die Erinnerungen an und die Vorfreude auf zu Hause oder das seltsame Gemeinschaftsgefühl mit den anderen Autofahrerinnen und Autofahrern.

Fun-Fact am Rande ist, dass Chris Rea die Idee und ersten Zeilen zu dem Song wirklich in einer solchen Situation 1976 hatte. Aber er saß am Beifahrersitz, weil er zuvor seinen Führerschein abgeben musste und seine Plattenfirma ihm das Taxi nach Hause nicht zahlen wollte.

Aber Chris beobachtet die Menschen, die auch so wie er und seine Frau feststecken, an zu Hause denken, an die Familie, an das Weihnachtsessen, den Baum und die Geschenke und in dem allen verpackt, an die Liebe. Machen Sie sich diesen Spaß und schauen Sie sich mal um. Wie wir heute hier sind, stehen wir auch kurz vor dem Weihnachtsfest.

Frustrierend hat es sich für ihn angefühlt, schreibt er. Aber es war auch irgendwie hoffnungsvoll und auch tröstlich, so beschreibt er diesen Moment.

Und unsere Magier auf Besuch bei dem jungen Paar Maria und Josef mit ihren Neugeborenen Jesus, werden auch frustriert gewesen sein, nicht einen wahrhaftigen König mit königlichen Eltern und in einem Palast angetroffen zu haben.

Sie machen sich aber, so lesen wir, hoffnungsvoll auf ihren Heimweg – they are driving home for Christmas – beglückt, selig, glücklich, glückselig. Die Magier, diese drei oder zwölf oder 15 Männer mit ihrem Tross, den Dienern, Leibwächtern, Ehefrauen sind von GOTT getröstet worden.

Hier haben sie etwas Epochales, Weltbewegendes aber auch etwas erlebt, ganz nah, hautnah, sie konnten Jesus berühren und das hat sie innerlich bewegt und getroffen. Vielleicht sind ihnen sogar Tränen gekommen, weil es so schön und so klein und so unscheinbar aber so magisch war.

Und frustrierend ist es schon, so wie für uns es frustrierend und ärgerlich ist, weil wir genau wissen, wir sind nur eine gewisse Zeit hier auf Erden, wie lange wissen wir nicht. Und wir werden nicht das gesamte Leben unserer Kinder mitbekommen, auch nicht der Enkerl und es wird immer jemanden geben, den wir verlieren im Leben.

Aber dieser Moment damals an diesem magischen Heiligen Abend, ohne es übersteigern zu wollen, macht uns frei.

GOTT ist Rettung und Heil und Heilung und unsere Erlösung kommt von GOTT. Das ist die Botschaft von Jesus, das steckt in seinem Namen dieses Versprechen, dass allen gilt.

Denn die Magier waren keine Christen, auch Maria und Josef waren es nicht und auch Herodes nicht und Jesus wird es auch nie sein.

Das Versprechen GOTTES auf Erlösung und Befreiung von aller Angst, gilt allen Menschen. Das ist eine universale Botschaft, wie es auch die Lieder sind, wie es auch der Psalm 96 besagt.

Deshalb feiern wohl Menschen überall in der ganzen Welt Weihnachten und auch wenn sie eine andere Religion haben oder Atheisten sind oder Agnostiker, von GOTT glauben nichts wissen zu können oder nichts wissen wollen und sich sagen, so einen GOTT kann es nicht geben. Deshalb gibt es Weihnachtsfeiern, wo es nur noch ein kleiner oder gar kein Rest des biblischen und christlichen Ursprungs gibt.

Aber irgendetwas spricht die Menschen an. Dieses kleine Jesuskind hat was. Nur was?

Ist alles bloße Geschäftemacherei und ein riesiger Schwindel?

Die Magier werden den neuen König Jeschua, den Sohn GOTTES nicht aufwachsen sehen. Diese Magier werden vielleicht kein einziges Sterbenswörtchen mehr von ihm hören, werden nicht erfahren, was er sagen wird und wie er Kranke, Aussätzige, Taube, Stumme, Gelähmte heilen wird und wie er von vielen bewundert aber dann auch bespuckt und gefangen genommen wird, abgeurteilt, gefoltert, getötet, begraben.

Und sie werden nichts von seiner Auferstehung zu ihren Lebzeiten hören. Denn das alles wird sich drei Jahrzehnte später ereignen.

Aber in diesen Tagen ihrer Reise und bei ihrem Eintreffen und als sie den kleinen Jesus in der Krippe liegen sehen, verändert sich für sie ihr gesamtes Weltbild. Die Besucher aus dem fernen Anatolien werden wohl Zoroastrier gewesen sein, Priester der indoiranischen Religion, die 1800 v. u. Z. entstanden sein könnte und der schätzungsweise noch 130.000 Menschen, genannt Parsen, angehören.

Im Judentum und im Christentum sind manche Ansichten und Geschichten des Zoroastrismus neu gedichtet übernommen worden.

Und ein Aspekt kommt dabei zu Weihnachten besonders zum Vorschein. Weihnachten ist auch das Fest, zu/ an dem wir am heftigsten merken, wenn uns ein Mensch fehlt, der immer selbstverständlich da gewesen ist. Und Einsamkeit ist ja ein Phänomen, dem in den Medien gerade jetzt viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Zu Recht.

Bevor Chris Rea am Montag gestorben ist, trauerte auch er und seine Familie bereits um zwei seiner Geschwister. Sein Bruder Nicholas ist mir nur 66 Jahren wenige Wochen zuvor an einem Hirntumor gestorben.

Ihre Schwester Geraldine starb mit 79 Jahren ganz plötzlich. „Es ist tragisch. Wir können es nicht ändern“, sagt eine andere Schwester Camille.

Und doch gab es vor dem Tod von Chris Rea auch einen Lichtblick. Denn er als Vater von zwei Töchtern hat noch einen Enkelsohn in die Arme nehmen können, der vor kurzem geboren worden war.

So nahe liegen Geburt und Tod beieinander.

Und auch ein anderes Lieblingslied von Chris Rea passt leider gut zu Weihnacht. „Driving Home For Christmas“ wird von Chris Rea ergänzt durch „We Are On The Road To Hell“.

Auch die Idee zu diesem Lied sei ihm im Stau auf der Autobahn gekommen. Das Lied „We Are On The Road To Hell“ drückt eine allgemeine Unzufriedenheit mit den sozialen Zuständen aus, über die Umweltzerstörung, die Vergiftung der Atmosphäre und der Luft und des gesellschaftlichen Klimas und das Weiterbestehen und Vergrößern einer sozialen Kälte.

„We are on the road to hell“, wenn wir nicht anfangen umzudrehen, auch einmal das Auto stehen zu lassen, aber mehr noch aktiv der sozialen Kälte entgegenzutreten.

Wenn eine Gruppe, sei es religiöser Art wie der Islam oder vom Lebensstil her, sei es die LGBTQI* Community, angegriffen werden, werden wir alle angegriffen.

Jesus hätte vieles nicht gefallen, was heute schon gang und gebe ist und sich selbst politische Parteien der Mitte öffentlich posten trauen.

So hat sich jemand heute bei mir entschuldigt mit den Worten: „Wir kommen nicht in deinen Gottesdienst, weil es dann schon dunkel ist und wir zu viele Muslime haben.“

Am Montag endete auch das heurige Chanukka-Fest des Judentums. Und in der Zeitung „GEMEINDE“ der Israelitischen Kultusgemeinde Wien steht gleich zu Beginn ein Chanukkagruß des Rabbiners Jaron Engelmayer. Aber gleich daneben prangen Sicherheitsmaßnahmen für ein sicheres Chanukkafeiern, privat und öffentlich.

„Vermeiden Sie sich vor der Synagoge aufzuhalten!“

„Lassen Sie Ihre Kinder nicht vor der Synagoge spielen!“

Frustrierend, schockierend, ein Auftrag sage ich. Und setzen wir die Hoffnung darauf wie die Magier aus dem Osten, wie Maria und Josef und wie auch GOTT … setzen wir die Hoffnung darauf, dass wir die Möglichkeiten haben, vieles im kommen Jahr besser zu machen.